Eine Jugend mit Magersucht – Meine Geschichte (1)

Dies ist der erste Teil meiner Essstörungsgeschichte. Heute geht es um meine Magersucht:

Angefangen hat bei mir die Essstörung typischerweise mit Beginn der Pubertät. Als ich ca. 12 Jahre alt war, habe ich meinen Körper als zu dick wahrgenommen und nach einem Weg gesucht möglichst unauffällig Gewicht zu verlieren. Dazu muss ich sagen, dass ich niemals übergewichtig war und es in meiner Familie keine Probleme mit Gewicht oder Essen gab. Langsam hab ich mein Essverhalten umgestellt und wollte mich nur noch „gesund“ ernähren. Meine Mutter hielt dies anfänglich für eine vorübergehende Phase und hat nicht mitbekommen wie wenig ich tatsächlich gegessen habe. Je mehr ich meine Nahrung eingeschränkt habe, desto mehr von diesen „Essensvermeidungs-Tricks“ kamen hinzu. Ich habe Mitschülern mein Pausenbrot gegeben, nur noch bestimmte Lebensmittel und extrem wenig gegessen. Dementsprechend ging es mit meinem Gewicht und mit meiner Gesundheit bergab. In ihrer Verzweiflung brachten mich meine Eltern zum Arzt, der mich sofort in eine Klinik eingewiesen hat. Die nächsten drei Monate war eine Kinderpsychatrie mein zu Hause. Von dieser Zeit kann ich sagen, dass es die schlimmste Zeit meines Lebens war.

Nach diesem Aufenthalt ging bis zum Alter von 17 Jahren alles mehr oder weniger gut. Das Thema Magersucht wurde für meine Familie zum Tabuthema und meine noch immer vorhandenen Komplexe mit meinem Körper habe ich verschwiegen.

Bei einer Schuluntersuchung habe ich dann gemerkt, dass ich innerhalb eines Jahres vier Kilo zugenommen hatte. Das gab für mich den ausschlaggebenden Punkt wieder mit dem Abnehmen anzufangen. Dieses mal wählte ich jedoch eine andere „Strategie“ um es vor meiner Familie zu verheimlichen: ich zählte Kalorien. Und da sich in meiner Familie niemand groß mit Ernährung beschäftigt, war diese Taktik in meinen Augen mehr als erfolgreich. Dumm war, dass ich genau in diesem Jahr mein Abitur machte und ich um dieses zu schaffen auch den Tod in Kauf nehmen würde. Das klingt jetzt hart, aber ich wage es zu behaupten, dass ich mich in diesem Jahr mehrmals in Lebensgefahr befunden habe. Mit meinem absoluten Tiefgewicht und mehr Zombie als Mensch habe ich mein Abitur bestanden.

Perspektivenlos führte mich mein Weg wieder in eine Klinik. Diese zwei Monate haben mein Gewicht erhöht, aber in meinem Kopf wenig Veränderung bewirkt. Wieder zu Hause verlor ich an Gewicht und mit Jahresende musste eine Wende in meinem Leben her. Mein Neujahresvorsatz war daher, dass ich die Magersucht hinter mir lasse und wieder zu essen beginne. Dass ich damit einen neuen Teufelskreis in die Gänge gesetzt habe, war mir damals noch nicht klar…

Weiter geht es mit dem zweiten Teil zu meiner Geschichte mit Binge Eating.

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

9 Kommentare zu „Eine Jugend mit Magersucht – Meine Geschichte (1)“

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