Wir sind alle Psychos

Eigentlich ist niemand „normal“. Jeder hat Macken und Fehler. Der Verlauf zwischen „nur“ crazy und psychisch krank ist fließend. Das Tückische daran ist jedoch, dass man psychische Erkrankungen nicht sieht. Das führt zum Trugschluss in einer Welt zu leben, in der nur man selber Probleme hat und es ja allen anderen sooo gut geht.

Ich weiß, dass das nicht so ist. Ich weiß aber nicht, wie oft mir das Leben noch zeigen muss, dass es so etwas wie das perfekte Leben nicht gibt. Erst gestern hatte ich wieder ein solches Erlebnis:

Es gibt ja dieses Vorurteil, dass Studenten der Germanistik später als Taxler enden, dass BWL nur der studiert, der sonst nichts kann oder dass das Philosophiestudium gleich mit dem Titel „Arbeitslos“ abschließen könnte. Tja, und solche Vorurteile gibt es zur Genüge im Psychologiestudium. Abgesehen davon, dass von uns Psychologiestudenten erwartet wird, dass wir Gedanken lesen könnten, gibt es auch das Gerücht, dass Psychologie nur Menschen studieren, die ohnehin nicht alle Tassen im Schrank haben, sprich selbst psychisch krank sind.

Leider ist das vielleicht mehr als ein Gerücht. Ich selbst bin das beste Beispiel. Und gestern hat eine Kommilitonin mir gesagt, dass auch sie schon eine Therapie gemacht hat. Das fand ich schon krass, hat mir aber eigentlich nur bestätigt, was ich schon wusste. Das trifft nicht auf alle Psychologiestudenten zu. Wahrscheinlich auch nur auf einen kleinen Teil, aber ich bin nicht die einzige, die aufgrund ihrer eigenen Geschichte zur Psychologie gekommen ist.

Denn mal ehrlich: Ist es so verkehrt sich mit einem Thema zu beschäftigen, mit dem man schon viel zu tun hatte? Nehmen wir mal ein anderes Beispiel: Ein Mensch, der mal im Krieg war, wird immer eine andere Sichtweise auf dieses Thema haben, als jemand der nicht im Krieg war. Ein wieder gesunder Krebskranker, wird mit viel höhere Wahrscheinlichkeit für die Krebsforschung spenden als jemand, der Krebs nur vom Hörensagen kennt.

Genauso ist es hier. Ich hatte/habe eine psychische Krankheit und weiß wie schrecklich das ist. Ich weiß, dass ich niemanden jemals so etwas wünsche. Daher will ich helfen. Helfen den Kampf gegen etwas sehr Schlimmes und Gefährliches zu gewinnen.

Außerdem will ich Menschen besser verstehen. Vielleicht auch mich selbst besser verstehen. Ich finde es immer wieder unfassbar wie sich der Mensch verhält. Ich finde keine andere Spezies auf der Erde ist so verrückt wie wir. Das fasziniert mich einerseits und betrübt mich andererseits. Aber, wenn ich den Mensch verstehe, kann ich ihm helfen in die richtige Richtung zu weisen. – Wir Psychologen haben ein ausgeprägtes Macht-Motiv. Aber dazu ein anderes Mal mehr 😉

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

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