Was wäre wenn…

Was wäre wenn ich nie krank gewesen wäre. Wenn ich seit ich zwölf bin immer gesund war. Wo wäre ich dann? Ich weiß, dass es nicht sinnvoll ist nach dem Wenn zu fragen, trotzdem stellt sich jeder diese Frage immer wieder. Wir haben viele Möglichkeiten in unserem Leben. Oft sogar zu viele. Täglich treffen wir Entscheidungen. Manche sind größer, manche kleiner.

Was wäre, wenn ich nie krank gewesen wäre? Wenn ich mit zwölf nicht krank geworden wäre, hätte ich mehr Zeit mit Leuten aus meinem Heimatort verbracht. Ich wäre wahrscheinlich auf eine Schuhe nahe meinem zu Hause gegangen. Ich wäre feiern gegangen. Ich hätte mich womöglich dem Druck von außen noch mehr gebeugt. Vielleicht hätte ich ein Hobby gehabt. Ich hätte Abitur gemacht und nicht gewusst wie es weitergeht. Ich hätte vielleicht auch nicht so gute Noten gehabt, weil mein Leben nicht aus Schule bestand. Ich hätte vielleicht Dinge gelernt, die mir das Leben jetzt leichter machen würden.

Was wäre, wenn ich kein zweites Mal magersüchtig gewesen wäre? Ich hätte im Gymnasium immer eine Fassade aufrecht erhalten. Ich hätte niemand an mich heran gelassen. Ich hätte niemals einen zweiten stationären Aufenthalt gemacht. Ich hätte nic so früh diese Reise zu mir selbst gemacht. Ich hätte nicht Wochen gehabt, in denen ich jeden Tag geweint habe. Ich hätte nie um mein Leben kämpfen müssen. Ich hätte nie Leute verstanden, die um ihr Leben kämpfen. Ich hätte viele Leute nicht kennengelernt. Ich hätte viele nicht wegestoßen.

Was wäre wenn ich nie krank gewesen wäre? Niemals hätte ich ein Studium in Psychologie angefangen. Niemals hätte ich erlebt wie es ist komplett allein zu sein in einer großen Stadt. Ich wüsste nie in welche Richtung das Leben sinnvoll für mich ist.

Ich glaube nicht, dass mein Leben so viel besser verlaufen wäre. Es gab eine Zeit, da hab ich das gedacht. Wenn ich bloß niemals krank geworden wäre, dann wäre mein Leben wunderschön und perfekt. Das glaube ich nicht mehr. Ich denke mir oft, dass ich durch meine Krankheit mehr gewonnen habe als verloren.

Das bedeutet nicht, dass man erst kurz vorm Absturz stehen muss, um wieder nach oben zu kommen. Ich bin noch lange nicht oben. Ein Menschenleben ist lang und ohne Hindernisse kommt man nicht voran. NIEMAND!

Die Frage nach dem „Warum ich?“ stelle ich mir nicht mehr. Vielleicht gibt es einen Grund, vielleicht auch nicht. Jeder Mensch hat seinen Lebensweg. Dieser ist jedoch nicht Schicksal. Wir suchen unseren Weg und treffen dabei Entscheidungen. Diese Entscheidungen kann man aber erst später beurteilen. Nicht als richtig oder falsch. Sondern: Hat es mich meinem Ziel näher gebracht?

Falls du jetzt sagst: „Ich hab doch keine Ziele!“ Dann hätte ich einen Vorschlag: Wie wäre es denn mit dem Ziel glücklich leben zu wollen?

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

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