Wie viel kann mein Bauch vertragen?

Mein Magen ist sehr tapfer. Er kennt es tagelang wie eine leere Hülle in meinem Körper dahinzuvegetieren. Er kennt es aber auch bis zum Anschlag voll zu sein und vor lauter Überforderung nur mehr einen Ausweg zu sehen: Die Flucht zurück! Bedeutet: sich übergeben (unfreiwillig wohlgemerkt).

2015 gab es keinen Tag (das ist nicht übertrieben), an dem ich mein Essverhalten unter Kontrolle hatte. Ich konnte essen wie ein Fass ohne Boden. Nichts war vor mir sicher. Heimlich habe ich volle Schränke und Schubladen im Rekordtempo vernichtet.

Kurz darauf folgte nicht nur ein schlechtes Gewissen, sondern auch Schmerzen. Mein Bauch fühlte sich manchmal so an als würde er explodieren. Ich gebe zu, dass ich oft versucht habe mich nach den Essanfällen zu übergeben. Es hat nie wirklich geklappt (Gott sei Dank!). Ich bin mir sicher, dass ich in die Bulimie gerutscht wäre, hätte es funktioniert. Aber mein Magen hat sich nur entleert, wenn er es freiwillig wollte und das kam verglichen mit den Unmengen meiner Fressanfälle relativ selten vor.

Oft habe ich meine Mutter um Hilfe gebeten. Leider erst nach einem Essanfall. Sie konnte mir dann auch nicht wirklich helfen. Wer jemals zu viel gegessen hat, weiß, dass die Zeit das beste Medikament ist.

Nun sollte man meinem, dass ein solches Erlebnis ausreicht, um nicht wieder bis zum Koma zu essen. Falsch gedacht! Ich wurde zur Wiederholungstäterin. Mir waren die Folgen bewusst, aber in dem Moment war mir das egal.

Ob ich dieses Verhalten überwunden habe? Im Moment esse ich eine große Schüssel Müsli, obwohl ich schon gefrühstückt habe. Ich denke, dass reicht als Erklärung. Ich muss aber sagen: so richtig schlecht war mir vom Essen schon lang nicht mehr.

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Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

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