Ich – eine Kombination aus anderen (oder wie man am besten Freunde verliert)

Es ist als wüsste nur eine Person (meine Mama) wer ich wirklich bin. Die meisten Menschen kennen nicht viel von mir und die Leute die mehr wussten, habe ich wegestoßen.

Alle die ich  im Laufe meiner Krankheitsgeschichte kennengelernt habe sind weg. Und ich bin selbst schuld. Ich habe mich immer seltener gemeldet und zurückgezogen. Und wer hat mich zurückgehalten: wie immer mein Kopf.

Er hat Dinge gesagt wie „So dick wie du jetzt bist, kannst du ihnen nicht mehr unter die Augen treten“, „Die erkennen dich ja gar nicht mehr, so wie du jetzt aussiehst.“, „Niemand mag dich so wie du jetzt bist. Die wollen nur die Julia, die sie kennengelernt haben.“

Hier ist aber das Problem, dass mich die meisten nie kennen gelernt haben. Sondern nur meine Krankheit. Da gibt es jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder sie mögen mich auch etwas entfernt von der Krankheit oder sie mögen mich nicht. Zweiteres wäre grauenhaft. Mein Weg mich dieser Bewertung zu entziehen, ist einfach aus ihrem Leben zu verschwinden. Jetzt nicht mehr für sie zu existieren.

In der Schule hatte ich Freunde. Das war begrenzt auf die Schulzeit. In der Klinik hatte ich Freunde. Das war begrenzt auf die Klinikzeit. In der Uni habe ich Freunde und ziehe ich mein System durch, dann sind diese Freunde begrenz auf die Unizeit. Aber dieses System ist beschissen. Denn am Ende stehst du ganz alleine da.

Das ist eines meiner größten Ängste. Ich kann niemandem vertrauen. Ich bin nur gegenüber meiner Mutter ich selbst. Niemals könnte ich die gleiche Nähe und das gleiche Vertrauen zu jemand Fremden empfinden .Von Liebe zu jemand anderem gar nicht zu reden. Ich breche jeden Kontakt immer ab, bevor mir die Leute zu nahe kommen. Ich habe diese Distanz als Schutz. Als Schutz vor andere in mein Ich einzudringen. Wirklich zu sehen wie ich bin und mich dann ablehnen.

Stattdessen passe ich mich immer an und übernehme Meinungen. Die Masche funktioniert natürlich. Klar will man mit Leuten zusammen sein, die gleich ticken. Aber würden mir diese Menschen zu nahe kommen, wäre ich nackt und sie würden die tatsächliche Julia sehen: Einen Mensch, der eine eigene Meinung hat, die nicht jedem gefällt, einen Menschen mit Interessen, Einstellungen und Wünschen.

Diese Einzigartigkeit, die jeder besitzt, wird zwar in unserer Kultur geschätzt, aber dann kann ich nicht mehr der Liebling aller sein. Es wird ausgesiebt, wer MICH wirklich mag und als Teil seines Lebens schätzt. Und davor habe ich große Angst!

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

4 Kommentare zu „Ich – eine Kombination aus anderen (oder wie man am besten Freunde verliert)“

  1. Liebe Julia,
    Ich kenne das nur zu gut. Wie auch nicht. Ich bin histrionikerin. Ich bin immer so wie andere denken. Dass ich bin. Es ist schwer. Ich wünsche dir einen Menschen der dich so liebt wie du bist. Der sich in dein Leben drängelt und dich nicht los lässt. Du darfst sein wie du bist du bist wunderbar und immer liebenswert. Erst wenn du dich selber kennen lernst und dich so akzeptierst wirst du dauerhaft geliebt werden. Du magst dich selber nicht darum kannst du dir nicht vorstellen dass andere dich lieben könnten. Du bist wunderbar. Glaube daran. Mit allen Ecken und Kanten. Als ganzer Mensch. Herzlichst Alice

    Gefällt 1 Person

  2. Ich verstehe vieles von dem, was Du schreibst und kann so einiges nachvollziehen, auch wenn ich selbst mit meiner Mutter zwar nicht schlecht auskomme aber auch längst nicht so dicke bin und aus meiner Schulzeit zwei beste Freundinnen habe (die einzigen inzwischen und auch nicht in meiner Stadt lebend, vielleicht auch gut so, denn die heutige Agnes ist auch nicht mehr die, die sie die letzten 25 Jahre kennengelernt haben; sie würden es leugnen, aber mein Gefühl und meine Beobachtung sagen da etwas anderes). Gerade aber übe ich mich aber in hoffnungsvollem Denken, dass sich Dinge für die Zukunft ändern lassen und hoffe das auch für Dich.
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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