Ich bin traurig! Ich bin bestimmt depressiv!

Zuallererst: Vielen lieben Dank für eure tollen Kommentare zu meinem gestrigen Beitrag „Mitgefühl mit einem Mörder“! Ich war ganz überwältigt von der zahlreichen Rückmeldung! Ihr seid toll! ❤

Auf zu einem neuen Thema: 😉


Vor kurzem bin ich auf YouTube auf den Kanal des wunderbaren Elliott Tender gestoßen. Er berichtet unter anderen über Depression, psychische Erkrankungen und Queerfeminismus. Schaut mal bei ihm vorbei! Es lohnt sich! (Werbung Ende) 😉

Auf jeden Fall hat er in einen seiner Videos erwähnt, dass viele Menschen, also die nicht Betroffenen, Depression mit Traurigkeit gleichsetzen. Ich bin mir sicher, dass ihr folgendes so oder so ähnlich auch schon mal gehört habt: „Mir ist heute den ganzen Tag zu heulen zu Mute! Ich bin bestimmt depressiv!“

Dass eines der Hauptsymptome das sogenannte „Gefühl der Gefühlslosigkeit“ ist, haben diese Menschen wohl noch nicht mitbekommen. Gefühlslos bedeutet keine Gefühle und keine Gefühle bedeutet auch keine Traurigkeit zu fühlen.

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by pixabay

Natürlich wäre diese Ansicht auch zu radikal. Ich war in meiner Depression häufig sehr traurig. Das war aber meist eine Folgeerscheinung daraus, dass mir mein Leben so sinnlos vorkam und meine Hoffnung auf Reiskorngröße zusammengeschrumpft war.

Die klassischen Symptome einer Depression sind laut Klassifikationssystem folgende: gedrückte Stimmung, Interesse-/Freudlosigkeit und Antriebsprobleme. Mindestens zwei müssen vorliegen, um eine Depression zu diagnostizieren. Merkste was?

Traurigkeit ist gar nicht dabei! Gut unter gedrückter Stimmung kann man auch irgendwo Traurigkeit dazuzählen, aber um als depressiv eingestuft zu werden braucht es noch ein weiteres Symptom.

Nicht außer Acht zu lassen ist auch das Zeitkriterium einer Depression. Jeder hat mal einen oder mehrere Tage, wo er schlecht drauf ist und am liebsten im Bett bleiben würde. Es ist ok sich Hin und Wider so zu fühlen! Depressive Symptome müssen mindestens zwei Wochen auftreten, um als pathologisch eingestuft zu werden. Also einen Tag traurig sein, ist KEINE Depression!

Ich weiß, dass meine Leser diesen Unterschied sehr gut kennen, entweder aus eigener Erfahrung oder weil sie sich damit genauer beschäftigen. Trotzdem musste ich das einmal loswerden! Vielleicht bringt es ja jemanden dazu vorher nachzudenken, bevor er das Wort depressiv vorschnell in den Mund nimmt!

8 Gedanken zu “Ich bin traurig! Ich bin bestimmt depressiv!

  1. heavypete

    Ich habe ADS (Aufmerksamkeits Defizit Syndrom). So „depressive“ Symptome kenne ich nur kurzfristig als sogenannte Dysphorie. Und diese ist dann mit einem Stimmungstief verbunden und mit Traurigkeit. Diese Dysphorien sind aber nicht harmlos weil es da auch zu Suizidalen Symptomen kommen kann, wie ich aus dem autobiografischen Roman von Mina Teichert weiß. Und Antriebsschwäche kenne ich isoliert. Ich denke dass die meisten wenn sie Depression meinen eigentlich damit eine Dysphorie meinen. Bekannter ist der Begriff postkoitale Dysphorie. Kenne ich auch als ich noch One Night Stands hatte. Gott sei Dank bin ich mittlerweile verpartnert. Die Dysphorie ist meistens am nächsten Tag wieder weg.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für dein Kommentar! 🙂 Da hast du recht. Bei einer Depression ist es wichtig, dass es zeitlich länger geht. Eine Dysphorie ist weniger etwas pathologisches, als hin und wieder ganz normal (aber wie du schreibst, auch nicht ungefährlich) . Wenn die Leute sagen, dass sie heute depri drauf sind, dann können sich halt mehr Leute was drunter vorstellen, als wie wenn man von einer Dysphorie spricht.
      Alles Liebe, Julia 💜

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  2. heavypete

    Ich habe vorhin glaube ich Unsinn geschrieben. Eine Dysphorie meint einen Stimmungseinbruch. Der äußert sich missmutig und verärgert. Bei Mina Teichert war es eine Übersprungshandlung und sie hatte Borderline Symptome. Wie gesagt ich kenne starke Stimmungstiefs die aber nicht lange anhalten.

    Gefällt 1 Person

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