Meine männliche Fehlprägung

Ok, von Fehlprägung spricht man nur bei Tieren. Lass es mich anders formulieren: Mir fehlt der richtige Umgang mit Männern beziehungsweise habe ich ihn nie gelernt. Das führt dann regelmäßig zu einem Kurzschluss in meinem Gehirn, wenn ich mit dem männlichen Teil unserer Spezies spreche. Dieser Kurzschluss wiederum lässt mich nicht mehr funktionieren und meine sozialen Fähigkeiten ähneln dem eines Steins. (Ich habe nichts gegen Steine!)

Für diese „Männerangst“ gibt es einige Gründe:

  1. Aufwachsen ohne männliches Vorbild. Nicht, dass ich gerne ein Mann wäre, aber ich bekam von meinem Vater nie vermittelt, dass Jungs ähnlich fühlen und denken wie Mädchen. Mein Papa war stark von meiner Mama abhängig und führt meiner Meinung nach ein Leben, dass ich als sehr einschränkend empfinden würde. Ich liebe meinen Papa, trotzdem habe ich einiges von ihm vermisst.
  2. Ich bin in einer Mädchenumgebung. Das begann schon damit, dass ich eine Schwester hatte und setzte sich kontinuierlich bis zum heutigen Tag fort. In der Grundschule habe ich zwar mit Jungs gesprochen, war aber im Allgemeinen kein sehr soziales Kind. Im Gymnasium war es dann so, dass ich in einer fast reinen Mädchenklasse war, in der ich mich sehr wohlfühlte. Dieses Muster zieht sich im Studium fort, wo ich mit dem Fach Psychologie ein sehr mädchenlastiges Studium gewählt habe. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich mir meine Umwelten vielleicht unbewusst danach aussuche, dass Männer darin nicht vorkommen.
  3. Fehlende Erfahrung in der Pubertät. Da damals Schule mein Leben war, ging ich auch nicht aus und verpasste so Erfahrungen mit Jungs zu sammeln. Das führt dazu, dass ich es momentan zwar ganz gut hinkriege mit Jungs übers Studium zu sprechen, wenn ich dabei ausblende, dass zwischen zwei unterschiedlichen Geschlechtern auch Liebe entstehen kann.

Fazit: Ich habe ein sehr beschränktes Weltbild. Dadurch, dass ich nie viel mit Jungs zu tun hatte, baut mein Wissen Großteils auf Berichten aus Medien, Filmen und Erzählungen auf. Ich habe mir sozusagen mein Männerbild konstruiert ohne dabei auf reale Erfahrung zurückzugreifen.

Doch es gibt noch Hoffnung! 😉 In meinem vor kurzem durchgeführten Praktikum habe ich Männer kennengelernt, die ganz anders als mein Vater sind. Männer, die ihre Gefühle zulassen und auch mal mehr als drei Worte mit mir reden.

Das klingt alles total böse und von Vorurteilen belastet, aber ich weiß im Kopf, dass nicht alle Männer gleich sind. Trotzdem sind meine Muster festgebrannt und lösen sich nur langsam.

 

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

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