Meine Angst vorm Arzt

Das letzte Mal wurde ich 2014 gründlich körperlich untersucht. Das war damals bei meinem Aufenthalt in der Psychosomatischen Klinik, wo ich aufgrund meiner Magersucht behandelt wurde. Dass mein Körper da in katastrophalem Zustand befand dürfte niemanden überraschen.

Seitdem meide ich Ärzte. Nein, das stimmt nicht ganz. Seit ich zugenommen habe, meide ich Ärzte. Obwohl ich nicht um alle Menschen mit weißem Kittel einen Bogen mache. Mit Augenarzt, Zahnarzt oder HNO-Arzt habe ich keine Probleme. Auch eine Blutabnahme ist für mich kein Problem. Das habe ich sogar erst letzte Woche gemacht.

Ich versuche mal diese ambivalente Einstellung zu erklären:

  1. Ich hab Angst vor Ärzten, weil ich meinen Körper nicht mag und ich mich niemals nackt vor ihnen zeigen möchte. Noch dazu muss ich ja meistens dazusagen, dass ich eine Essstörung hatte und dann hab ich Angst, dass sie denken: „Oh mein Gott! Die war mal magersüchtig? Gar nicht zu glauben, so fett wie sie jetzt ist!“
  2. Ich habe Angst vor Ärzten, weil ich nicht wissen will, was an meinem Körper alles kaputt ist. Ich fühle mich zwar relativ gesund, aber manchmal überkommt mich die Angst, dass ich meinen Körper mit den Essstörungen vollkommen kaputt gemacht habe.
  3. Ich habe auch Angst zu Arzt zu gehen und den ganzen Prozess vom Anrufen bis zum im Warteraum sitzen durchzugehen. Besonders im Warteraum ist es schlimm für mich, da ich mich so beobachtet fühle und den Gedanken der Leute ausgesetzt bin.
  4. Ich bin auch schon mehr als einmal von Ärzten enttäuscht worden. Besonders als ich noch sehr jung war, habe ich mich nicht ernstgenommen gefühlt und gerade mit einer Essstörung sind die Ärzte einem gegenüber sehr skeptisch. Ständig wurde mir misstraut, da sie aus ihren schlauen Medizinschmökern zu wissen glauben, dass alle Patienten mit Essstörungen lügen und manipulativ sind (was leider zum Teil auch stimmt).
  5. Und zuletzt bin ich es mir leider auch oft nicht wert Ärzte zu Rate zu ziehen. Da sind wir wieder bei dem Thema „Sich-selbst-lieben-und-sich-um-sich-Kümmern“ angekommen. Diese Art der Selbstfürsorge für einen Körper zu vollziehen, den ich oft ablehne und selbst zerstöre, fällt mir sehr schwer.

Ich weiß, dass ich früher oder später meine Angst vor Ärzten überwinden muss. Rational ist mir auch vollkommen klar, dass meine Ängste übertrieben sind. Trotzdem sind sie da und erschweren mir das Leben. Bisher habe ich zumindest Blut abnehmen und meinen Blutdruck messen lassen. Ich werde mich weiter mit langsamen Schritten vortasten…


Kennt ihr solche Ängste? Und wenn ja, habt ihr einen Weg gefunden damit umzugehen? Ich würde mich sehr über eure Tipps freuen! ❤

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

4 Kommentare zu „Meine Angst vorm Arzt“

  1. Hey, erstmal finde ich es sehr mutig von deiner Angst vor Ärzten zu schreiben!
    Ich habe auch schon lange Angst vor Ärzten und ich bekomme oft einfach nur zu hören, dass ich vertrauen soll und die in den weißen Kittel schon wissen was sie machen.
    Ich habe mich langsam selbstständig an Ärzte ran getastet. Ich war erst bei Heilpraktikern und homöopathisch arbeitenden Ärzten. Mittlerweile gehe ich sogar zu einer Frauenärztin und bin sehr stolz, dass ich jedes Mal meine Angst überwinden kann. Ich muss aber immer noch eine persönliche Bindung zu Ärzten aufbauen, sie müssen mir sympathisch sein, weil ich ihnen sonst nicht vertrauen kann.

    Ich glaube nicht, dass deine Angst übertrieben ist! Vielleicht schaffst du es sie in einen gesunden Respekt umzuwandeln. 😊

    Ganz liebe Grüße und viel Mut!

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  2. Ein ganz mutiger Beitrag! Toll, das du so offen über deine Ängste schreiben kannst.
    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich mich bei weiblichen Ärzten wohler fühle. Es geht mir nicht darum, das die Ärzte meinen Körper untersuchen. Aber ich habe bemerkt, dass ich bei weiblichen Ärzten mir mehr traue das zu erzählen, was mir auf dem Herzen liegt. Und da geht es nicht nur um körperliche Beschwerden sondern auch um psychische.

    Gefällt 1 Person

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