Weltverbesserer vs. meine Einstellung zu mir

Ich versuche der perfekte Mensch zu sein. Das beginnt bei meiner Ernährung und hört bei meinem Konsumverhalten auf. Ich töte keine Spinnen, nicht mal Mücken kann ich erschlagen. Kurz um: Ich versuche meiner Umwelt möglichst wenig mit meiner Existenz zur Last zu fallen.

Das klingt jetzt so als würde ich mich selbst extrem klein machen. Und da kann ich nur sagen: Bingo! Genau das ist es. Ich denke ich würde alles tun, damit es anderen besser geht, mich selbst vergesse ich dabei leider häufig.

Wobei vergessen eigentlich nicht das richtige Wort ist. Ich bin eher ein Meister darin meine Bedürfnisse und Wünsche zu ignorieren. Warum sollte ich mich denn auch um mich kümmern, wenn ich mich selber gar nicht mag? So ein hässlicher, fetter, ängstlicher und unsicherer Mensch hat es doch nicht verdient ein schönes Leben zu führen.

So extrem habe ich zumindest lange Zeit gedacht. Mittlerweile würde ich sagen, dass ich auf der Extremheitsskala ein wenig nach unten gerutscht bin. Ich mag mein Äußeres noch immer nicht, meistens jedenfalls. Doch meine Persönlichkeit kann ja gar nicht so scheiße sein, wenn es immer wieder Leute um mich herum gibt, die (gerne?) Zeit mit mir verbringen.

Außerdem weiß ich zumindest theoretisch, dass ich es nicht verdient habe mich so schlecht zu behandeln wie ich niemanden sonst behandeln würde. Ich weiß auch, dass Eigenliebe ein Teil des Zufriedenheitspuzzles des Lebens ist.

Aber in der Praxis klappt das oft nicht so gut. Ich sehe oft einfach keinen Sinn dahinter mir jetzt Zeit für mich zu nehmen und auf mich zu achten. Besonders weil die Ergebnisse auf sich warten lassen. Ja, ja, das nicht enden wollende Thema Ungeduld lässt grüßen!

Dass man sich zuerst selbst lieben muss, bevor man von anderen geliebt wird ist meiner Meinung nicht wahr. Ansonsten wäre ich mein ganzes Leben schon ziemlich viel allein gewesen. Das war aber so gut wie nie der Fall. Auch, wenn ich meine Familie da rausrechne (ich meine die haben ja eh keine Wahl, ob sie mich wollen oder nicht) bleiben noch genügend Menschen in meinem Leben, denen ich auf irgendeine Art und Weise wichtig bin.

Ich denke wie so oft heißt es einfach: Weitermachen und nicht zu viel drüber nachdenken! Kleine Schritte sind zwar zu Beginn meist nicht sichtbar, aber irgendwann summieren sie sich auf und die ganze Arbeit und Mühe hat sich ausgezahlt. Ich hoffe nur, dass dieses „irgendwann“ nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt…

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

4 Kommentare zu „Weltverbesserer vs. meine Einstellung zu mir“

  1. „Dass man sich zuerst selbst lieben muss, bevor man von anderen geliebt wird ist meiner Meinung nicht wahr.“ Ich denke, dass es eher heißt: Dass man sich zuerst selbst lieben muss, bevor man nicht v o n, sondern erst andere (selbstlis) lieben kann. Babys und Kinder müssen erstmal das Gefühl haben, so wie sie sind, geliebt zu werden. Hier wird die Fähigkeit gelegt, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Fehlt das, entsteht ein verzerrtes Selbstbild und Selbstzweifel, ob man es selbst wert ist von anderen geliebt zu werden. Passiert das, glaubt man anderen ihre Liebe nicht oder knüpft sie an Bedingungen wie: Erst wenn ich dünn bin, bin ich es wert, geliebt zu werden. Das passiert, weil im Inneren diese Duskrepanz herrscht. Und das möchte geheilt werden, von DIR. Und andere mit ihrer Liebe und Zuneigung zu Dir können Dir dabei helfen!!

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      1. Gerne geschehen! Diese so genannten Glaubenssätze trägt jede(r) so mit sich herum. Es ist immer gut, sie zu hinterfragen, v.a. wenn sie einen einschränken, glücklich zu sein. LG zurück, Simone

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