In Ketten gelegt

Während unseres Lebens sammeln wir viele Ketten an. Und nein, ich meine nicht Schmuck. Ich meine Ketten, die uns fesseln, uns einsperren und uns nicht frei sein lassen.

Manche Menschen kommen schon gefesselt auf die Welt. Zum Beispiel kommen manche Kinder bereits mit einer schweren Krankheit auf die Welt, die sie einschränkt und ihrer Freiheiten beraubt. Manche Kinder werden von ihren Eltern gefesselt und können sich nur mühsam oder auch gar nicht befreien. Im Laufe unseres Lebens nimmt die Anzahl der Ketten stets zu.

Es gibt zwei Arten von Ketten. Die eine Art von Kette ist um unseren Körper geschlungen und scheint uns zu erdrücken. Ich trage diese Kette zum Beispiel, wenn ich in sozialen Umgebungen bin. Ich fühle mich eingeschränkt als wäre nicht genügend Raum für mich da. Ich mache mich klein, möchte unsichtbar sein und lasse mich einsperren.

Die andere Art von Kette ist die, die am Boden festgebunden ist und uns durch eine Fessel am Bein nicht vorankommen lässt. Es ist die Art von Kette, die uns das Gefühl gibt sich im Kreis zu drehen, nicht weiterzukommen, weder vor noch zurück. Ich fühle mich mit meinem Essverhalten so. Funktioniert es manchmal einige Tage gut, geht es an anderen Tagen sehr schlecht, sodass sich Erfolg und Niederlage ausgleichen und ich mich fühle als hätte ich mich nicht vom Fleck bewegt.

So leben wir dann mit immer mehr Ketten, die wir uns zum Teil sogar selbst anlegen. Dabei leben wir in einem freien Land, oder? Klar, sind wir nicht Eigentum von irgendjemanden und können uns frei bewegen und müssen eigentlich nur eines im Leben: sterben.

Trotzdem wird von einem Menschen in unserer Gesellschaft viel erwartet. Wir brauchen eine gute Ausbildung, einen tollen Job, Partner, Familie, Kinder, ein Haus, ein Auto, wir müssen Ziele erreichen um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, wir müssen höflich sein, lächeln und immer zuerst an andere denken, bevor man an sich selber denkt. Die Liste ist lang und doch individuell.

Doch können wir uns von diesen Ketten überhaupt befreien? Meine klare Antwort dazu: JA! Wenn auch oft sehr schwierig. Sich bewusst zu machen, was einen fesselt ist der erste Schritt. Denn wer weiß, was ihn einschränkt kann schon viel bewusster darauf reagieren.

Natürlich kann man sich von Grundsätzen, die sich eingeprägt haben und die von Medien, Familie usw. immer eingeflößt werden nicht von heute auf morgen befreien. Zum Beispiel glauben manchen Menschen nur gut zu sein, wenn man allen seinen auferlegten Fesseln entspricht. Nur so kommt man möglichst ohne Kratzer durchs Leben. Aber ist es nicht ein paar Kratzer wert so zu leben wie man selber will? Stimmt, es ist schwer zu sagen man will. Einfacher ist es zu sagen, was man nicht will.

Von welchen Ketten man sich befreien möchte sollte zuerst im Handeln passieren. Denn Handlungen sind oft schneller als der Kopf. Zuerst gegen die Grundsätze im Kopf handeln und die dabei auftretenden Gefühle zulassen. Wiederholt man das öfter wird es irgendwann ganz natürlich. Und ich sage dir schon jetzt, dass es ein erleichterndes Gefühl sein wird!

Bitte versteht mich nicht falsch: Gesetze und Regeln sind notwendig damit eine Gesellschaft funktioniert. Von solchen Ketten spreche ich auch gar nicht. Sondern von Ketten, die uns daran hindern wir selbst zu sein, uns daran hindern unsere Stärken und Potentiale völlig auszuschöpfen.

Kleine Übung gegen „Die Ketten des Lebens“ + meine Antworten:

  • Welche Ketten schüren dich ein?

Essstörung, Perfektionismus, zu hohe Erwartungen, Angst vor Menschen, ich kann nichts, bin anders als das „System“

  • Welche möchtest du zerreißen und was hindert dich daran?

Alle; Großteils ich selbst

  • Wie kannst du versuchen die Ketten zu zerreißen?

In kleinen Schritten!


Was sind eure „Ketten“, von denen ihr euch gerne befreien möchtet? Wie könnte euch das gelingen?

Ich wünsche euch noch einen schönen kettenfreien Tag! ❤

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

6 Kommentare zu „In Ketten gelegt“

  1. Sehr guter Text, der mich zum Nachdenken anregt. Für mich zählen zu diesen Ketten auch die alten Glaubenssätze, die man während seines Lebens eingetrichtert bekommen hat und von denen ich schwer wegkomme. Da hilft es genau wie bei Handlungsweisen, das Umdenken zu üben. Für mich war eine schwere Kette in meinem Leben die emotionale Abhängigkeit von meinen Eltern. Durch meine Erkrankung war ich sehr lange finanziell gebunden und selbst als ich mein eigenes Geld hatte z.B. durch Studienkredit fühlte ich mich nicht frei. Mittlerweile wird es langsam besser, denn jetzt verdiene ich mein Geld und ich fühle mich zunehmend freier. Ganz befreit allerdings noch nicht.

    Ich wäre gerne lockerer in sozialen Kontakten – so sein, wie ich bin, egal was die anderen denken. Viel zu oft mache ich mich von der Bewertung anderer abhängig, die ich ja nicht einmal wirklich weiß. Das ist meine Spinnerei im Kopf.

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für deine offenen Worte Annie! ❤ Ich denke auch, dass es teilweise sehr lange dauert diese Ketten abzulegen, besonders wenn sie einen schon lange und intensiv einnehmen. Aber du scheinst ja auf einem guten Weg zu sein :).

      Ach ja, vom Abhängigmachen der Bewertung anderer kann ich auch ein Lied singen. Im Nachhinein muss ich manchmal selbst über mich den Kopf schütteln, was ich mir da schon wieder für schlimme Szenarien zusammengesponnen habe. Aber sich von denen zu befreien ist leider auch ein Prozess. Wo wieder meine mangelnde Geduld ins Spiel kommt. Mit sich selbst klarzukommen ist schon eine gewaltige Lebensaufgabe. 😉

      Alles Liebe, Julia ❤

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