War das eine Panikattacke?

Vor einigen Tagen, hatte ich ein für mich sehr eigenartiges Erlebnis. Dass ich Panik schiebe, wenn ich mit fremden Leuten reden muss oder von anderen zu lange angeschaut werde, damit habe ich mich inzwischen abgefunden. Aber, dass ein Friseurbesuch bei mir eine solche Reaktion auslöst, damit hätte ich nicht gerechnet. Aber von vorne:

In einer Woche fängt die Uni wieder an und ich habe mir gedacht, dass ich dieses Jahr mal dem Mainstream folge und mir meine Haare schneide, um zum Semesterstart zu zeigen: „Hey, ich hatte ganz tolle Ferien und bin jetzt ganz erholt und mein frischer Haarschnitt repräsentiert das!“

Naja, auf jeden Fall war ein Haarschnitt bei mir auch nötig. Ich habe mir meine Haare ungefähr seit drei Jahren nicht geschnitten, weil ich meine ausgefallenen Haare nach meiner Magersucht erstmal wieder nachwachsen lassen wollte, bevor mir jemand mit einer Schere zu nahe kommt. Ja, in der Hinsicht bin ich typisch Mädchen: Jeder Zentimeter meiner Haare ist wertvoll und wehe dem, der sie kürzen will.

Also Friseurtermin vereinbart und das Ganze wäre schnell erledigt gewesen. Dabei hab ich die Rechnung aber ohne meine Psyche gemacht. Denn am Morgen des besagten Tages war mir plötzlich schlecht, schwindelig und mein Puls war so hoch, dass meine Hände zu zittern angefangen haben.   

Zuerst war ich ganz perplex. Ich weiß, dass ich ein relativ schwieriger Mensch bin, wenn es ums Thema Berührungen geht. Ich denke, dass ich bei einer Massage sterben würde, weil mich praktisch niemand außer meiner Mutter anfassen darf (im Katastrophisieren bin ich übrigens auch super).

Dabei mag ich Nähe eigentlich sehr gerne. Ich liebe Umarmungen und Kuscheln. Das Problem dabei ist, dass ich meinen Körper nicht mal selber anfassen mag. Daher graust mir auch vor der Vorstellung das andere meinen mir so verhassten Körper spüren. Ich weiß, dass hier mein Kopf mal wieder seine Muster ablaufen lässt, aber die Angst davor bleibt trotzdem.

Und so wie es aussieht, ist es für mich auch nicht so leicht mich von einem Friseur „anfassen“ zu lassen. Obwohl meine Haare, so dachte ich zumindest, für mich noch ein relativ anfassungsfreundliches Gebiet sind. Also, habe ich den Termin abgesagt, bin raus an die frische Luft und hab mich langsam wieder beruhigt.

Auch wenn sich das Zittern und Herzrasen bald gelegt hatte, war ich trotzdem den ganzen Tag irgendwie eigenartig drauf. Alles ging langsamer, sowohl meine Bewegungen als auch mein Kopf.

Am Abend im Bett, hab ich nochmal über den Tag nachgedacht und mir die Frage gestellt, ob das am Morgen eine Panikattacke gewesen sein könnte. Klar, ich studiere Psychologie und kenne die Symptome einer Panikattacke, aber sich selbst diagnostizieren ist dann doch nicht so leicht.


Was meint ihr, könnte das Ganze eine Panikattacke gewesen sein? Ich habe mich trotz dieser Panik eigentlich relativ gut unter Kontrolle gefühlt, war immer ansprechbar und konnte klar (wenn auch langsamer als sonst) denken. Ihr würdet mir sehr helfen, wenn ihr mir eure Meinung dazu in die Kommentare schreibt! ❤

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

10 Kommentare zu „War das eine Panikattacke?“

  1. Mhh klingt eher nach dauerhaft hoher Anspannung. Eine Panikattacke hält sich nicht so lange. Immerhin war es nicht jur Haare schneiden sondern ein Schritt in Normalität und Ja als Abschluss Der Magersucht. Herzlichst Alice

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  2. Ähnliches hatte ich nun auch schon ein paar Mal. Zwar bin ich dann doch hingegangen, musste mich doch absolut zwingen und habe mich extrem unwohl gefühlt. Mittlerweile weiß ich woher das kommt – es ist die Angst davor nicht weglaufen zu können, sollte ich tatsächlich Panik bekommen. Wie sähe das denn aus, mit Friseurkittel und nassen Haaren, so nach dem Motto…Natürlich könnte man weglaufen, noch dazu gab es noch gar keine Situation in der ich tatsächlich Panik auf dem Friseurstuhl bekommen hätte, trotzdem ist dieses Fluchtgefühl und die Angst nicht fliehen zu können sehr stark.
    Warum das wiederum so ist, konnte ich bisher noch nicht ergründen, wird aber bestimmt noch kommen.
    Ich hoffe ich konnte dir helfen – was mir übrigens dabei half das leichter auszuhalten, war zu einer befreundeten Friseurin zu gehen.

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    1. Hey! Vielen Dank für deine Rückmeldung und den Tipo. Irgendwie beruhigt es mich, dass ich nicht die einzige bin, die Panik vorm Friseur hat. Obwohl ich uns beiden wünsche, dass das nicht mehr der Fall ist.
      Alles Liebe, Julia ❤

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    2. Ich geb mal gleich meinen Senf dazu:
      Ich kann deine Situationsbeschreibung gut nachvollziehen. Aber wie und warum willst du ergründen, warum das so ist? Entscheidend ist doch nur, dass du mit diesen Gefühlen anders umgehst, um sie in den Griff zu bekommen. Und dazu gibt es reichlich Möglichkeiten.
      Jürgen aus Loy (PJP)

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  3. Hallo, für mich klingt es tatsächlich nach einer Panikattacke, diese können, so sagte man mir, unterschiedlich lang andauern – im Schnitt wohl um die 20 Minuten, aber auch kürzer oder länger. Was mir in diesen Momenten hilft: Auf die Atmung konzentrieren und bewusst tief einatmen, Achtsamkeitsübungen und Konzentrationsaufgaben, um den Innenfokus zu brechen (von dem, was sich im Körper abspielt die Aufmerksamkeit wegverlagern), etwas kaltes trinken oder ein Bonbon lutschen, auf und angehen… Drücke dich und viel Kraft 😘

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      1. Sehr gern, freut mich, wenn irgendetwas Nützliches dabei war. Panikattacken fühlen sich so mies an, aber mit der Zeit lernt man, anders mit ihnen umzugehen und das nimmt ihnen etwas von ihrer Macht.

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  4. Ich kann mich Nelia anschließen.
    Diese Panikgefühle (sag ich mal) sind ekelhaft und schwer zu ertragen und man kann sie soz. abtrainieren. Die sog. paradoxe Intervention ist zB ein gutes Mittel, wenn man in der Erwartung einer Attacke steht. Ist vielleicht nicht so leicht, hier zu erklären, aber es wäre einen geniale Übung für Julia für den nächsten Friseurbesuch.
    Ich setz mich dann daneben und …. lass dich überraschen 🙂
    Bis demnächst
    Jürgen aus Loy (PJP)

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