Langeweile – das größte Problem meiner Essstörung

Ich esse aus Frust, bei Stress, mitten in der Nacht oder grundsätzlich bei jeder mir unangenehmen Emotion. Obwohl ich auch manchmal mit positiven Emotionen nicht klarkomme. Kurz gesagt: Essen hat für mich selten was mit Hunger zu tun, dafür ist es ein emotionaler Coping-Mechanismus.

Mittlerweile hab ich das Ganze etwas besser unter Kontrolle. Nur eine Emotion treibt mich immer wieder zum Kühlschrank: Langeweile. Ich denke, dass es im Leben unumgänglich ist manchmal Langeweile zu erleben, trotzdem stellt sie für mich immer wieder eine Herausforderung dar.

Vom psychologischen Standpunkt aus, ist sich die Wissenschaft bis heute nicht ganz einig, ob Langeweile den negativen oder positiven Emotionen zuzuordnen ist. Ich denke, dass die meisten Menschen Langeweile eher als negativ betrachten. Es ist eine Emotion, die man loswerden möchte. Aber genau darin liegt ihre Stärke. Denn sie treibt uns dazu an, eine für uns sinnlose Situation zu verlassen oder zu ändern. Langweilt mich zum Beispiel ein Buch, dann wäre die logische Konsequenz daraus, es nicht weiter zu lesen. Außerdem gibt es mittlerweile Studien, die zeigen, dass man nach einer langweiligen Aufgabe eine darauffolgende Aufgabe wesentlich kreativer meistert, als ohne langweilige. Somit fördert Langeweile in gewisser Weise Kreativität.

Das ist zwar alles schön und gut, hilft mir aber in meiner Situation nur bedingt. Ich weiß, dass ich mir andere Coping-Mechanismen suchen sollte, um meine Langeweile auszuhalten. Ich habe da auch schon eine ganze Reihe ausprobiert und manchmal hat es auch geholfen. Aber hin und wieder ertappe ich mich trotzdem dabei wie ich aus Langeweile esse. Und meistens ist das leider nicht nur ein kleiner Snack, sondern mehr als eine ganze Mahlzeit.


Kennt ihr essen aus Langeweile? Und wenn ja, habt ihr einen Weg gefunden damit umzugehen? Ich freue mich von euch zu lesen! ❤

Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

6 Kommentare zu „Langeweile – das größte Problem meiner Essstörung“

  1. Und wie ich das kenne! Ich musste zwischendurch lachen, weil ich mich 1:1 darin wieder finde. Du hast recht, es sollte nicht negativ konnotiert sein, aber wenn ich nicht weiß wohin mit der Zeit, kann Essen das ganze gut ausfüllen. Sehr authentisch geschrieben, danke dafür!:)

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  2. Hallo Julia,
    auch ich finde mich in deinem Text wieder. Ok, mittlerweile ist Langeweile ein unbekannter Zustand für mich, den nur noch mein Sohn aus dem FF kennt. 😉
    Ich habe früher immer gegessen, wenn ich nichts zu tun hatte. Und das war oft. Mit dem leeren Gefühl des Nichtstun konnte ich nicht umgehen. Der Kopf ließ sich auf keine andere Möglichkeit, außer dem Einverleiben von Unmengen an Kalorien, ein.
    Letztendlich gelang mir durch (m)eine Neufokusierung, dass Essen aus Langerweile abzuschalten. Ich fragte mich, wofür ich mich sehr interessiere bzw. was ich immer schon machen wollte, aber angeblich nie die Zeit dazu habe. Tja, stopfte ich meine freien Löcher mit diversen Fernstudien. So hatte ich eine Aufgabe und einen Zeitdruck, der meine Langeweile verscheuchte. Weil ich dafür (viel) Geld ausgab, hatte diese Freizeitbeschäftigung die höchste Priorität in meinem Kopf. Jetzt bin ich schlauer und das Essen aus Langeweile ist für mich kein Thema mehr. 🙂
    Alles Liebe für dich.
    Michaela

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  3. Ich kann das zwar nicht mit essen nachvollziehen, aber ich habe immer wieder gerne aus Langeweile geschlafen. Das führte dazu, dass ich immer komplett aus dem Alltagsrhythmus rauskam und irgendwann dauer-müde war. Ich habe einige Alternativen gefunden z.B. bei Langeweile im Bett/auf der Couch Musik anhören. So kann ich nicht einschlafen, aber die Zeit vergeht trotzdem 🙂

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    1. Das kenne ich sehr gut! Schlafen, um Zeit zu killen, mache ich auch hin und wieder. Und das ist wirklich absolut nicht gut für den Schlafrhythmus. Aber ist doch super wenn du Alternativen gefunden hast. Ich höre da dann manchmal Podcasts. Obwohl da Schlaf ich dann im Endeffekt auch manchmal ein. 😉
      Alles Liebe, Julia

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