Was ich in der Psychiatrie gelernt habe!

Ich war ja bereits zwei Mal in einer Psychiatrie und einmal in einer psychosomatischen Klinik als Patient. Außerdem habe ich im Rahmen meines Psychologiestudiums, ein 8-wöchiges Praktikum in einer Klinik gemacht. Von beiden Warten aus, habe ich sehr viele Dinge gelernt. Einige davon möchte ich heute mit euch teilen:

  1. Jeder hat Probleme.

Klingt banal, aber das wirklich zu glauben ist eine andere Sache. Ich habe von mir selbst und auch von anderen Patienten immer wieder erlebt, dass man denkt, der Einzige mit diesem Problem zu sein. Das liegt einfach daran, dass unsere Welt so programmiert ist, immer zu versuchen das Positive zu präsentieren. Und auch, wenn man immer wieder den Satz hört: „Jeder Mensch hat Probleme!“, konnte ich ihn erst nach meinen Klinikaufenthalten wirklich verinnerlichen.

  1. Beziehungen sind alles im Leben.

Damit meine ich jede Art von Beziehung. Wir sind soziale Wesen und selbst als introvertierte Person mit sozialer Angst, kann ich nicht leugnen, dass mir Kontakt mit den richtigen Leuten guttut. Ich sage bewusst mit den richtigen Leuten, weil man gerade in Kliniken auf Menschen trifft, die eigentlich nicht wirklich daran interessiert sind gesund zu werden. Umgibt man sich aber mit Menschen, deren Ziel es ist ihre Krankheit hinter sich zu lassen, muss ich sagen, dass ich zum Teil auf, die aus meiner Sicht, liebevollsten und verständlichsten Menschen in der „Klapse“ getroffen habe. Man teilt Erfahrungen und spricht über Dinge die „draußen“ einfach nicht angesprochen werden dürfen. Da fragt man sich manchmal echt, wo denn jetzt tatsächlich die Verrückten sind…

  1. Man sollte nicht auf alles und jeden hören.

Ich habe ja schon berichtet, dass ich eine mehr oder weniger große Angst vor Ärzten habe. Ich denke das kommt zu einem großen Teil von meinen Erfahrungen in den Psychiatrien. Ich will hier nicht alle Ärzte in einen Topf werfen, aber ich habe mich häufig nicht verstanden und falsch behandelt gefühlt. Das macht mich auch heute noch ärgerlich. Nur ist mittlerweile der Aspekt dazugekommen, dass auch Ärzte nur Menschen sind, die nicht alles wissen und Fehler machen dürfen.

  1. Es geht weiter.

Dunkle Zeiten habe ich in Klinken haufenweise erlebt. Es war eine Achterbahn der Gefühle. Mal war einen Tag den Umständen entsprechend alles ganz ok, dann war der nächste Tag wieder kohlrabenschwarz. Aber auch das verging wieder. Somit meine wichtigste Erkenntnis aus meiner Klinkikzeit: Es geht immer weiter, auch wenn man im Moment nicht daran glaubt.


Habt ihr schon mein neues YouTube Video gesehen? Darin zeige ich euch eine Zusammenfassung meiner Geschichte mit Magersucht und Binge Eating:

MAGERSUCHT und BINGE EATING – Meine Geschichte / Julia Lebenswelt

11 Gedanken zu “Was ich in der Psychiatrie gelernt habe!

  1. LichtAusdruck

    Liebe Julia, es berührt mich wirklich sehr, was Du in Deinen jungen Jahren schon alles erleben musstest. Und Du bist so tapfer und selbstreflektiert!
    Ich stimme Dir in allen Punkten zu und v.a. höre auf Deine innere Stimme. Sie wird Dich zu dem führen, was Dich glücklich macht. Wenn Du es zulässt! Ganz liebe Grüße Simone

    Gefällt 1 Person

  2. Moin Julia,
    mit Klinikerfahrungen in der Psychiatrie sprichst du ein ein wichtiges Thema an. Ich kann ein Lied davon singen…
    Wenn du schreibst `Ich will hier nicht alle Ärzte in einen Topf werfen, aber ich habe mich häufig nicht verstanden und falsch behandelt gefühlt´, dann hat das so seine Gründe (!!) und das betrifft so viele Menschen.
    Und die psychologische Betreuung von sog. Psychotherapeuten ist oft `unter aller Sau´!!! Und das hat auch seine Gründe. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. es gibt auch sehr gute. Ich hab 2015 mal folgendes gefragt:
    https://4alle.wordpress.com/2015/07/28/psychotherapie-was-steck-dahinter/
    Eigentlich immer noch aktuell, oder?
    Schönes Wochenende
    Jürgen aus Loy (PJP)

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Essstörung – was mir hilft – Lebenswelt

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