Studieren mit Depression

Kurz nach Beginn meines Psychologiestudiums ging es mit meiner Stimmung relativ schnell nach unten. Ich war in eine neue Stadt gezogen und kannte dort niemanden. Noch dazu wohnte ich allein (was mir grundsätzlich sehr recht ist) und habe meine Therapie an meinem Heimatort beendet.

Ich glaube der größte Faktor dafür, dass ich eine Depression entwickelt habe, war, dass ich von meiner Familie getrennt war und eben auch ansonsten ganz alleine war. Klar, man spricht schon mit Kommilitonen und lernt diese auch nach und nach kennen. Aber, ich finde Leute kennen lernen sehr anstrengend, weil ich immer Angst habe, was falsch zu machen oder, am allerschlimmsten, Panik davor habe, dass sie mich nicht mögen könnten. Außerdem fällt es mir schwer Menschen sofort Vertrauen entgegen zu bringen. Somit waren das alles nur oberflächliche Bekanntschaften und das war für den sozialen Anteil in mir definitiv zu wenig.

Dazu kam, dass mein Essverhalten auch, ich sag mal, sehr speziell war (gestört trifft es wohl besser). Ich hatte viele Fressanfälle, wobei ich oft den ganzen Tag über nichts gegessen habe. Dann am Abend war es sozusagen meine Belohnung endlich den Tag überstanden zu haben und essen in mich reinzustopfen. Ich fühlte mich durch dieses Essverhalten sehr unwohl, sowohl körperlich als auch psychisch.

Ich habe den Sinn nicht mehr gesehen, in den Dingen die ich getan habe. Wofür studiere ich, wenn ich nie glücklich sein werde? Wenn das Leben immer nur anstrengend ist, will ich nicht mehr Leben! Ja, ich hatte passive Suizidgedanken. Niemals hätte ich mich getraut mir tatsächlich etwas anzutun. Viel zu viel Angst hatte ich vor den Schmerzen zu sterben.

Ich habe aber sehr viel geschlafen, um mich aus meiner Realität zu katapultieren. Wenn ich schlafe, waren meine Probleme zumindest kurz ausgeschalten. Ich wollte raus. Weg aus meiner Situation.

Hätte man jemanden gefragt, wie er glaubt, dass es mir geht, die Antwort wäre wahrscheinlich „Gut.“ gewesen. Tja, das ist das Tückische: psychische Erkrankungen sieht man nun mal nicht.

Ich habe nur meiner Mutter erzählt wie es mir wirklich geht. Ihr sogar ins Telefon gejammert, dass ich nicht mehr leben will. Ich habe von ihr erwartet, dass sie für mich handelt. Dass sie mich rettet aus diesem finsteren Loch. Aber das hat sie nicht und das konnte sie auch nicht.

Am Ende meiner Kräfte, hab ich mich dann doch dafür entschlossen mir Hilfe zu suchen. Zuerst bei einem Psychiater, der mir von mir so verhasste Antidepressiva verschrieben hat (siehe Meine Erfahrung mit Antidepressiva). Danach bei einer Therapeutin.

Das Ende vom Lied war, dass ich Schritt für Schritt wieder aus meinem Loch gekrochen bin und ich wieder fähig war, trotz weiterer psychischer Beeinträchtigungen, mein Studium fortzusetzen. Ich bin davon überzeugt, dass ich mir in diesem Moment selbst das Leben gerettet habe.

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Autor: Lebenswelt

Herzlich willkommen in meiner Lebenswelt! Ich bin Julia (21) und in meinem Leben habe ich schon die Diagnosen Magersucht, Binge Eating, Depression und soziale Phobie bekommen. Momentan lebe ich nur noch mit „Restsymptomen“ dieser Krankheiten und beginne das Leben wieder zu genießen. Auf meinem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit psychischen Krankheiten, versuche mit Vorurteilen aufzuräumen, Wege zu einem gesünderen Leben zu finden und ich berichte über alles, was sich in meiner Lebenswelt so abspielt. Werdet inspiriert und motiviert ebenfalls euren Weg zu finden und euch selbst zu akzeptieren! Denn eure Lebenswelt ist lebenswert!

16 Kommentare zu „Studieren mit Depression“

  1. Genau so gehts mir auch gerade. Ein Glück, dass ich mein Studium pausiert habe. Ansonsten würde ich das alles nicht schaffen. Ermutigend zu lesen, dass du es Schritt für Schritt da raus geschafft hast bzw. es noch heraus schaffst und wieder studieren kannst. An sich selbst zu glauben und einen starken Willen zu entwickeln ist so furchtbar wichtig und kostbar neben den ganzen Medikamenten. Ich bewundere dich und deinen Willen. In gleicher Weise deinen Blog und deine Videos. Danke dafür! Danke fürs schreiben und diese Offenheit. Diese ist nicht selbstverständlich, doch setzt du mit deinen Zeilen hier ein Zeichen. Glaube an dich und mache weiter. Es würde mich und sicherlich auch andere erfreuen. Hab einen schönen Samstag. E.

    Gefällt 2 Personen

    1. Du weißt gar nicht, was du mir für eine unglaubliche Freude mit diesen Worten machst! 💜 💜 💜 Das motiviert mich so sehr weiterzumachen!

      Ich wünsche dir alles Gute und finde es gut, dass du auf dich selbst achtest und eine Studiumspause einlegtst. Das ist keine Schwäche, sondern eine unglaubliche Stärke! Vergiss das nie!!!

      Ich wünsche auch dir einen wundervollen Samstag!

      Alles Liebe, Julia ❤

      Gefällt 1 Person

  2. Mir ging es auch ähnlich – die erste depressive Episode kurz nach Studiumsbeginn, das Vermissen der vertrauten Umgebung und Menschen durch den Umzug, die Angst, auf neue Menschen zuzugehen, dann widerwillig der erste Psychiaterbesuch, als irgendwann nichts mehr ging …
    Es tut gut zu lesen, dass es dir/uns heute besser geht und es einen Weg heraus gibt☺

    Gefällt 1 Person

  3. Danke Julia, für deine Offenheit. Recht hast du: psychische Erkrankungen sieht man nicht. Aber auch der Punkt, dass man hofft, dass andere Entscheidungen für einen selbst treffen, kenne ich von mir. Ganz schnell arrangiert man sich mit seiner Opferrolle, ohne das abwertend zu meinen.
    Umso beeindruckender, dass du dein Weiterkommen wieder selbst in die Hand genommen hast. Dafür meinen größten Respekt. 💚💜💛
    Schönes WE und viele Grüße
    Michaela

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    1. Vielen Dank liebe Michaela für deine schönen und wahren Worte! 💜 Ich sehe diese Sache mit der Opferrolle als eines der größten Probleme bei psychischen Erkrankungen. Ich glaube erst, wenn man sich darüber bewusst wird, kann es besser
      werden! Hab auch du ein angenehmes Wochenende! ❤
      Alles Liebe, Julia

      Gefällt 1 Person

  4. Ich bewundere dich sehr für deine Offenheit! Es muss eine harte Zeit gewesen sein! Ich finde es aber toll, wie du dich reflektierst und nicht aufgibst, ein glückliches Leben zu führen. Du wirst es auf jeden Fall schaffen, deine Ziele zu erreichen und zufrieden zu werden. Denn wie gesagt: Der Schritt sich überhaupt so zu reflektieren ist sooo viel wert!

    Liebste Grüße,
    Alina von Selfboost

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  5. Moin Julia,
    du hast wieder viel dazugelernt durch diese `Entwicklungsstufe´ und stehst damit durchaus nicht allein da.
    Ich kenne eine junge Studentin, die auf Lehramt studieren wollte. Die hat sich alles angeguckt und gar nicht erst angefangen und sich einen Job gesucht, um erst mal allein zurecht zu kommen.
    Bei dir ist das schon etwas anders, aber du hast dich selbst jetzt auf jeden Fall besser kennen gelernt.
    Abgekakt!!!
    LG
    Jürgen aus Loy (PJP)
    P.S. Über diese ganze Palette von Antidepressiva kann ich viel erzählen. Hab noch`n ganzen Schuhkarton davon voll, sorgfältig ausgeknipst zum Entsorgen.

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      1. Wenn du geschafft hast, deine Ängste soweit in den Griff zu kriegen, hat es dich stärker gemacht. Und alle wirklich starken Persönlichkeiten haben haben ähnliche Krisen erlebt. Das kannst du mir glauben!!!
        Soll heißen: Alles hat auch einen positiven Sinn. Und der zählt (für mich jedenfalls).
        Und gerade über die Angst, den schlechtesten Berater, hätte ich noch viel zu sagen. Denn sie macht auch Sinn. Aber dafür reicht der Platz hier nicht.
        An die Arbeit! 🙂
        Jürgen aus Loy (PJP)

        Gefällt 1 Person

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