5 Vorteile einer Essstörung

Der Podcast PsychCast hat letztens eine Folge mit dem schönen Titel „Kann denn Krankheit ein Gewinn sein? Über Krankheitsgewinn.“ herausgebracht und hat mich dazu veranlasst mal (wieder) darüber nachzudenken, was für Vorteile ich denn aus meiner Essstörung ziehe bzw. gezogen habe. Für Außenstehende wirkt es vielleicht etwas befremdlich Positives an einer Essstörung zu sehen, aber da gibt es für mich (leider) eine ganze Menge:

1. Man bekommt Aufmerksamkeit.

Uh, jetzt schreien gleich alle: „Ich wusste, dass sie das nur macht um Aufmerksamkeit zu kriegen!“ Ja und Nein. Wir möchten mit unserem Verhalten bewusst oder unbewusst aufmerksam machen. Aber nicht auf den Fakt, dass wir z.B. schon wieder abgenommen haben, sondern dass es uns einfach dreckig geht, wir nicht wissen wie wir im Leben zurecht kommen sollen und jemanden brauchen, der uns eine helfende Hand reicht. Wie gesagt ist dieser Prozess oft unbewusst und hat nichts mit Aufmerksamkeitsgeilheit zu tun.

2. Das Leben ist nicht kontrollierbar.

In ganz vielen Bereichen nicht. Was aber kontrollierbar ist, ist was ich in meinen Mund stecke. Zumindest spielt uns das die Essstörung vor. Dass das irgendwann außer Kontrolle geraten wird versucht uns die Essstörung nicht wahrhaben zu lassen.

3. Ich bin jemand, der Gefühle hasst.

Am meisten die negativen, aber auch oft die positiven. Emotionen überfordern mich und ich sehe dann nur einen Rettungsanker: Essen. Mit einem Essanfall betäube ich meine Gefühle, mit dem Hungern habe ich meinen Körper so auf Sparflamme gestellt, dass fühlen zu anstrengend wurde.

4. Mit einer Essstörung muss ich nicht funktionieren.

Ich kann meinen eigenen Ansprüchen sowieso nie genügen. Und, um nicht immer daran zu scheitern brauche ich eine Ausrede und diese Ausrede heißt oft Essstörung. Ich kann mich zu jemandem machen, der umsorgt werden muss, ich kann mich von anderen bemitleiden lassen es wird gesagt „Werd erstmal gesund!“ Das Leben ist mir zu anstrengend! Warum sollte ich dann jemals gesund werden wollen, wenn ich mich ihm dann mit voller Wucht stellen muss?

5. Mit einer Essstörung weiß ich, wer ich bin.

Auch ein trügender Schein, aber trotzdem eine Sache, die Halt gibt. Ohne meine Essstörung muss ich mich komplett neu erfinden. Ich will mich nicht über meine Essstörung definieren, aber dieses Puzzle aus „Wer bin ich?“ überfordert mich einfach zu oft. Da scheint die Essstörung die einfachere Alternative.

Um jetzt noch einmal eines klar zu stellen: Ein Leben ohne Essstörung ist sooooo viel besser als ein Leben mit Essstörung! Das waren schon alle Punkte, die mir einfallen, wie mir meiner Essstörung genutzt hat. Würde ich die Nachteile einer Essstörung aufzählen, wäre die Liste seitenlang.

Trotzdem finde ich es wichtig zu verstehen, warum die Essstörung da ist und wozu sie einem dient. Denn nur so kann man verstehen, was einem im Leben fehlt und kann versuchen auf andere, gesündere Weise diese Bedürfnisse zu befriedigen.


 

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16 Gedanken zu “5 Vorteile einer Essstörung

  1. Deine Vorteile irritieren mich ziemlich, nachdem ich sie einmal gelesen habe. Bis auf den letzten Punkt, den ich voll mit dir teilen kann. An jedem`Problem´ ist auch etwas gutes dran und wenn man es so sehen will, ist es auch so. Und gerade du ergreifst so viele Aktivitäten und outest dich mit Verstand, Gesang und Humor, also auch mit Emotionen.
    Nur das reicht nicht ganz hin, weil diese Beziehungen überwiegend nur online verlaufen, wenn ich mich nicht irre.
    Um das näher zu beurteilen, kenne ich dich allerdings zu wenig persönlich.
    Nun setz ich noch mit Humor was drauf als `Desensibilisierung´ deiner `Fressallergie´, denn ich habe heute `zufällig´ über mein selbst gefertigtes Essen berichtet:
    https://4alle.wordpress.com/2018/03/17/bratpfanne-mit-loch-omelettostereier/
    Ich hoffe, ich hab mich nicht zu sehr ausgebreitet, aber ich muss immer loswerden, was ich denke.
    Schönes W`ende, hier stürmt es bei Sonnenschein…
    Jürgen aus Loy (PJP)

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      1. Ich will aber ja gerade dein subjektives Gefühl nachempfinden bzw. verstehen und stoße mich trotz alledem an Punkt 3, deinen Emotionen und habe dazu ja auch schon eine kritische Richtung angedeutet. Und die geht m.E. in Richtung `einer Art sozialen Phobie´ oder Angst vor Nähe.
        Und gerade deine sozialen Beziehungen haben doch sehr viel mit deinen Emotionen zu tun und auch damit, dich (nicht) mit Essattacken zu betäuben bzw. das Gegenteil zu tun.
        Diese Gefühle würd ich ja allzu gern mal näher `kennen lernen´…
        Wie auch immer ist das in deinen online-Aktivitäten so gar nicht der Fall. Da lebst du Emotionen vor. Ein Widerspruch?
        Egal, heute ist Sonntag. Hier immer noch kalter Sturm bei voller Sonne!
        Wünsch dir `ne gute nächste Woche!
        Jürgen aus Loy

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      2. Vielleicht bin ich auch einfach wieder mal in meinem Schwarz-Weiß-Denken gefangen. Ich galube es gibt durchaus zunehmend mehr Momente, in denen ich es schaffe meine Emotionen auszudrücken und das nicht auf destruktive Weise.

        Dass mit der Angst vor Nähe bzw. sozialer Angst ist bei mir ein großes Thema. Und ich unterscheide hier auch (leider) zwischen online und realem Leben. Obwohl sich online Kontakte sehr wohl positiv auf meine „realen“ Kontakte auswirken, fehlt mir hier oft der gewisse Ruck über meinen Schatten zu springen.

        Hab einen schönen Montag!
        Grüße, Julia

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  2. Richtig gut geschrieben. Ich muss auch sagen, dass die ES ganz „wunderbar“ alles betäubt eine Zeit lang, was teils halt in den Momente für mich eine art Lebenssicherung ist. Eine Psychische Krankheit entsteht selten einfach so, sie hat immer einen Zweck und eine Funktion und damit auch Vorteile…
    Alles Liebe♡ A.

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  3. Ich bewundere deine Ehrlichkeit! Nicht viele Menschen, mit solchen Problemen, sind in der Lage so offen und ehrlich mit ihren Gedanken und Gefühlen umzugehen. Ich habe keine Essstörung, sondern Depression. Trotzdem stimme ich mit einigen deiner Punkte überein. Respekt für deine Offenheit Julia. 🙂

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  4. Lisa

    Danke für dein Blog. Ich finde das sehr interessant, was du von deiner Innenwelt und deinen Eindrücken von der Außenwelt schreibst.

    Dass eine Essstörung subjektiv Vorteile hat paradoxerweise, kenne ich auch nur zu gut. Auch wenn meine „Liste“ anders als deine oben ausfällt. (Ich fand das zB sehr belastend, durch die Erkrankung vermehrt Aufmerksamkeit zu bekommen und dass sich andere Sorgen gemacht haben um mich, und habe nach Möglichkeit alles getan, um nicht aufzufallen – auch wenn das ab einem gewissen Grad an Untergewicht und anderen krankheitsbedingten Merkmalen sich nicht komplett vermeiden lässt. Das fällt dann einfach auf.)

    Was ich vorteilhaft fand an der Anorexie war, dass es meinem Lebensgefühl entsprochen hat, weil ich nicht sonderlich lebensbejahend war und mich oft als Alien gefühlt habe unter Menschen. Immer weiter abzunehmen bis zum Ende erschien mir schlicht wie eine Art Bestimmung und kam mir völlig sinnig vor. Außerdem hat das Dopamin, das beim Hungern vermehrt ausgeschüttet wird, mir gegen depressiv bedingte (bzw. eigentlich durch eine übersehene Schilddrüsenunterfunktion verursachte) Antriebslosigkeit und „Lebensmüdigkeit“ geholfen und meine Stimmung aufgehellt (ähnlich wie Kiffen, nur in gewisser Weise besser, zumal ich nur sehr selten gekifft habe und eigentlich gar kein Raucher war.)

    Am meisten geholfen hat mir später, als die Hashimoto-Erkrankung festgestellt wurde und die Schilddrüsenunterfunktion adäquat behandelt wurde. Das war leider erst nach meinem Studium. Die Unterfunktion hatte ich während der Pubertät bekommen, weil die Schilddrüse da schon sehr klein war. Das hat aber Ärzte nicht interessiert, zumal alle Beschwerden auf die (spätere) Magersucht/Unterernährung geschoben wurden. … Als ich mal erwähnt hatte, dass mir das Hungern gegen die Antriebslosigkeit etc. geholfen hätte und ich diese Beschwerden VOR der Essstörung hatte, wurde das sehr belächelt.

    Ich würde mir wünschen, dass „schlechte Stimmung“, Müdigkeit etc. während der Pubertät ähnlich ernst genommen werden würden, wie bei Erwachsenen, und nicht mit „Pubertät“ abgetan werden würden, solange derjenige sich nicht aktiv versucht, umzubringen. (Dazu war ich zB immer zu feige und ironischerweise zu unentschlossen und antriebslos.)

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte! 💜 Und, dass du deine Erfahrungen mit der Magersucht mit uns teilst, ist ein großes Geschenk für alle, die über diesen Blog stolpern.

      Ich wollte während meiner Magersucht auch keine Aufmerksamkeit. Erst später in der Therapie habe ich herausgefunden, dass das Ganze für mich eine Aufmerksamkeitsfunktion hatte. Das muss natürlich bei dir absolut nicht so gewesen sein. Ich bin immer wieder fasziniert und gleichzeitig erschrocken, wie unterschiedlich diese Krankheit doch sein kann.

      Das mit der Antriebslosigkeit kenne ich auch. Wenn ich heute so darüber nachdenke was ich alles trotz Krankheit gemacht habe, hatte es definitiv einen antreibenden Effekt.

      Oh Gott! Wenn ich das nur höre „Das ist bestimmt die Pubertät.“ habe ich sofort das Bedürfnis mal ordentlich meine Meinung zu sagen. 1. Es ‚verwächst‘ sich nicht alles und nicht immer sind Teenager gerade in einer solchen ‚Phase‘. Und 2. Selbst wenn es so wäre, muss der Person geholfen werden. Der Person geht es nicht gut, ganz egal ob das nur eine ‚Phase‘ ist. Ein Arzt sagt ja auch nicht zu einer Frau mit Menstruationsbeschwerden: ‚Ja blöd, dass Sie ne Frau sind. Da kann ich Ihnen jetzt auch nicht helfen.‘ Da gibt es definitiv noch Luft nach oben bei den Ärzten.

      Ich wünsche dir alles Gute und einen schönen Abend!

      Liebe Grüße
      Julia 💜

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      1. Lisa

        Über den unbewussten Aufmerksamkeitswunsch habe ich nochmal nachgedacht. Aber bei mir war vom Empfinden her damals quasi alles-beherrschend der Wunsch, das immer weiter Abnehmen bis zur „Auflösung“ ungestört durchziehen zu können und von der „lästigen“ Umwelt darin möglichst nicht in meiner Motivation „irritiert“ und im Willen dazu geschwächt zu werden.

        Für mich war das ja so absolut sinnig, was ich gemacht habe, weil es sich körperlich so gut angefühlt hat auf merkwürdige Weise. Je mehr, desto tiefer dieser Kreislauf aus Hungern, Sport und Abnehmen war. (Das funktioniert aber glaube ich nur, wenn man nur weniger isst und sich nicht erbricht. Leute, die fasten beschreiben das auch.)

        Dass das am vermehrten Dopaminausstoss lag und nicht alles, was sich „gut und stimmig anfühlt“ auch gut ist, ist mir erst viel später nach der anorektischen Zeit klargeworden.

        Was mich immer verwundert hat war, dass Mitmenschen meinten, dass ich doch gut aussehen würde/hübsch wäre (vor allem mit mehr Gewicht) und warum ich meinen Körper so hassen würde. Das war absolut nicht möglich, denen begreiflich zu machen, dass ich nicht „besser aussehen“ möchte und es mir Dank der Essstörung (stimmungsmäßig) besser geht [vermeintlich]. Ich wollte dünner sein, weil ich wissen wollte, wie es ist, 55, 50, 45, 40, 35, 30 .. kg zu wiegen (weil ich das Gewicht mit dem Dopaminkick verschaltet hatte und mir sowas wie 30 kg als eine Art „Paradies“ erschien.)

        Ich habe aber meinen Körper nie gehasst und war der festen Überzeugung, dass das alles letztlich auch für ihn etwas Gutes wäre bzw. das gewisse Unanehmlichkeiten leider unabdingbar sind, auch wenn mir das manchmal Leid tat.

        Das war aber auch etwas, was bei mir mit 40 kg den Ausschlag gegeben hat, wieder zuzunehmen und mich besser zu ernähren statt weiter gesundheitlich zu ruinieren. Das Zweite war die Erkenntnis, dass es diese angestrebte „Auflösung“ nicht geben wird, sondern erstmal Zwangseinweisung(en), Magensonde etc. dazwischen liegt und ich nicht sofort final verhungert sein werde und das in dem Bereich 40 – 30 kg oder weniger nichts wartet, dass sich lohnt herauszufinden (ich wollte ja auch immer wissen, wie es ist und sich anfühlt noch weniger zu wiegen). Da ich ja nie besonders entschlusskräftig in punkto Suizid war und meine Eltern durch alles sehr belastet waren, war da einfach ein Stopp-Punkt. Wobei ich lange Zeit immer noch etwas fassungslos über mich war, dass ich „so kurz vorm Ziel“ hingeschmissen hatte. Da kam mir manchmal wie ein Fehler vor, den ich korrigieren sollte. Aber ich habe nie wieder so einen Gewichtsbereich erreicht und hätte davor auch etwas Angst, weil es da so ambivalent ist, gerade weil das so dicht dran ist.

        Mein neues Ziel war irgendwann im Laufe der späteren Jahre, ein möglichst gesundes Leben mit der Essstörung zu finden, gesund werden in dem Sinne, dass ich normalgewichtig sein und mich damit wohlfühlen soll plus Essen nicht verweigern darf, wollte ich nie. Ich war das, was man als uneinsichtig bezeichnen würde. Was andere teilweise von sich beschreiben, dass sie die Essstörung wie eine Art Dämon sehen, von dem sie sich befreien müssen, das hatte ich nie. Es war ja ich, die da gehandelt hat etc. und kein „böser Geist“. Sowas finde ich auch bizarr, ähnlich wie diese Unsitte, Essstörungen Mädchennamen zu geben wie „Ana“ oder „Mia“.

        Wenn es nach dem Hausarzt gegangen wäre, hätte ich letztlich bis auf einen BMI von 24 zunehmen sollen und mir einreden sollen, dass das toll wäre. Das zu einem Zeitpunkt als ich darum gerungen hatte, das Sollgewicht von 53 kg (= BMI von 18,5) zu halten und mich daran zu gewöhnen und obwohl ich vor der Essstörung auch nur einen BMI von 19/20 gehabt hatte. …

        Das war nochmal etwas, wo ich fast einen massiven Rückfall gehabt hätte, aber zum Glück meinte der Arzt seinen Vorschlag nur als Vorschlag und hat den dann auch zurückgenommen. Ich denke auch, dass mich eine Klinik mit ihren Vorschriften und der Fremdbestimmung nur tiefer in die Essstörung getrieben hätte. Da war ich zum Glück nie und dann wäre ich vermutlich bis heute in einer Essstörung samt Autonomiekonflikt. (Ich bin da aber auch aus wieder anderen pers. Gründen recht extrem in meinem Autonomiebedürfnis und hatte vor allem am meisten Schwierigkeiten mit dem Essen, wenn mir das jemand „vorgesetzt“ hat bzw. mir das Essen vorschreiben wollte – auch in Phasen in denen ich freiwillig zunehmen wollte. Ich habe mich da schnell fremdbestimmt gefühlt auf unerträgliche Weise. Da bin ich dem Hausarzt z. B. sehr dankbar, dass er die Zunahmezeiträume sehr weit gesteckt hatte (anders als das in Kliniken ist) und meine Eltern haben mir bis auf Ausnahmen auch recht viele Freiräume gelassen.

        Mir gefällt mein Körper mit einem BMI von 19/18 heute sehr und ich habe auch diese „Denkmuster“ aus der essgestörten Zeit nicht mehr (und verstehe mich selbst viel besser als früher). Ich fühle mich insgesamt sehr wohl und bin auch sehr erleichtert, dass mein Umfeld das so akzeptiert, auch wenn meine Eltern gelegentlich gleichwohl damit anfangen, dass ich doch „3 kg mehr“ wiegen sollte. Es geht aber darum, womit ich mich wohlfühle (zumal ich normal esse). Ich verstehe nicht, warum man anderen in deren Gewicht etc. reinreden muss; da ist jeder sein eigener Herr. Aber mich triggert das nicht mehr heutzutage und ich bin da auch schlagfertiger geworden statt mich schuldig für mein „zu dünnes“ Aussehen zu fühlen.

        Ich denke auch, dass es zwar viel Geduld und leider auch Jahre brauchen kann (war bei mir zumindest so) bis man diese Störungsmuster wirklich los ist, aber dass sich das lohnt.

        Was ich bei deinen Beiträgen übrigens sehr gut fand und womit du mir aus der Seele gesprochen hast, war deine Kritik an den „Magersuchts-Klischees“, wie z. B. dass Betroffene wie Models aussehen möchten, nie was essen etc..

        Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

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      2. In meiner ersten Phase der Magersucht hat es für mich auch total Sinn gemacht einfach immer weiter zu hungern und abzunehmen. Mir ging es gut. Warum sollte etwas mit mir nicht stimmen?

        Körperlich gesehen, war das bei meiner zweiten Magersuchtsphase ähnlich. Ich fand zwar vieles anstrengend, aber so lange ich noch alles hinkriege, was ich möchte, konnte ich mich meiner Meinung nach nicht in einem schlimmen Zustand befinden.

        Ich finde es richtig interessant, was du schreibst, da mir die Verbindung zwischen Dopamin und Hungern zwar bewusst war (eben vom Konzept des Fastens her), aber es für mich neu ist, dass die ganze Erkrankung mehr oder weniger auf diesem Mechanismus fußt. Daher noch einmal vielen Dank fürs Teilen deiner Geschichte! Das zeigt für mich wieder einmal, dass man selbst als Betroffene nicht alles zu seiner Erkrankung weiß.

        Dieses „Abspalten“ der Essstörung als „Ana“ oder „Mia“ finde ich auch sehr kritisch. Kann es auf der einen Seite helfen einmal eine objektivere Sicht auf die Dinge zu bekommen, gibt man auch schnell die Verantwortung an einen „Dämon“, wie du so schön schreibst, ab. Das heißt man nimmt sich selbst die Chance etwas aus eigener Kraft gegen die Erkrankung tun zu können.

        Mit dieser Autonomiebestimmung hatte ich in meinen stationären Aufenthalten auch immer ein Problem. Vor allem, weil vieles eben als ein Symptom der Magersucht abgetan wurde. Selbst wenn es stimmt, hat es dazu geführt, dass ich mich bevormundet gefühlt habe.

        Ich freue mich wahnsinnig zu hören, dass du heute mit deinem Körper im Reinen bist und dich wohlfühlst! Lass dir von Niemandem einreden irgendetwas anders machen zu müssen, wenn es dir so gut geht!

        Alles Liebe und auch dir ein schönes Wochenende!
        Julia

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  5. Lisa

    Danke für deine Antwort, die ich umgekehrt auch sehr interessant finde. Es freut mich auch, dass du dich nicht an meinen langen Kommentaren störst – ich hatte schon ein etwas schlechtes Gewissen, weil ich so viel geschrieben hatte.

    Mich wundert auch, dass auf den „Dopamineffekt“ bei Magersucht kaum eingegangen wird selbst in Fachartikeln. Dabei spielt das ja bei allen (?) Süchten eine starke Rolle. Ich denke zwar auch nicht, dass Dopamin der einzige Faktor für eine Essstörung ist, aber ein wesentlicher Faktor (neben dem Serotoninstoffwechsel).

    Dir alles Gute!

    Liebe Grüße

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    1. Ich feu mich immer sehr über Austausch, liebe Lisa! Das ist u.a. ein sehr großer Punkt, warum ich diesen Blog betreibe. Also immer her mit den langen Texten! 😉 Das letzte, was ich will ist, dasss du deshalb ein schlechtes Gewissen hast.

      Grundsätzlich sollte meiner Meinung nach viel öfter angeführt werden, dass psychische Erkrankungen eine manchmal sogar schon gut erklärbare biologische Ursache haben. Das würde bestimmt gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen helfen, wenn es eine logische Erklärung für das Verhalten eines Menschen gibt, anstatt ihn einfach als verrückt abzustempeln.

      Danke, dir auch alles Gute! 💜
      Julia

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