Erreichen wir auch die, die es nicht betrifft? Wie viel bringt Entstigmatisierungs-Arbeit?

Ich bin viel auf allen möglichen Social Media-Plattformen unterwegs und beobachte, dass immer mehr Menschen dort über psychische Erkrankungen sprechen, ihre Erfahrungen teilen oder auf professionellem Weg als Psychotherapeuten Aufklärungsarbeit betreiben. Sie alle haben den Wunsch Stigmatisierung rund um psychische Erkrankung zu bekämpfen! Sehr lobenswert, bin ich doch selbst auf diesem Pfad unterwegs. Aber:

Wie viel bringt das wirklich?

Wenn man sich unter solchen Posts die Kommentare durchliest wird deutlich, dass die Mehrheit dort selbst von psychischen Erkrankungen betroffen ist. Die meisten betreiben sogar selbst einen Account oder Blog, der sich um ähnliche Themen dreht. Das heißt, wenn ich z. B. über Vorurteile von Depression schreibe, erreiche ich damit Menschen, die mit solchen Vorurteilen tagtäglich zu kämpfen haben, nicht die, die solche Vorurteile Betroffenen an den Kopf werfen. Es ist eine eigene Community, die sich im Bereich „psychische Erkrankungen“ gebildet hat und diese Community ist meist recht klein.

Ist die Reichweite das Problem?

Wenn wir uns nun theoretisch vorstellen, dass alle Medien plötzlich auf diesen Zug mit aufspringen würden und gar keine Flucht vor diesen Themen mehr möglich ist, würden auch „Außenstehende“ damit konfrontiert werden. Würden sie zuhören? Ihre Meinung ändern? Sensibler mit dem Thema umgehen? Betroffene als weniger abnormal ansehen?

Ich weiß es nicht. Ich führe mit meiner Tante jedes Mal, wenn ich sie sehe, eine Diskussion zum Thema „Flüchtlinge und Co.“. Dabei weiß ich schon von Beginn an, dass diese Diskussion gar nichts bringt, denn sie beharrt auf ihrem Standpunkt („Wenn Flüchtlinge zu uns kommen, müssen sie sich anpassen.“) und ich auf meinem („Du musst viel mehr Aspekte miteinbeziehen als das, was du offensichtlich siehst.“) Es geht vor und zurück und obwohl wir beide den Standpunkt des anderen irgendwie verstehen können, bleibt jeder bei seiner Meinung. Das war jetzt ein anderes Thema, aber ein ähnlich stigmatisiertes und vorurteilbehaftetes wie psychische Erkrankungen. Und das ist in den „großen“ Medien tagtäglich Thema (was oft auch nicht so gut ist, aber das ist eine andere Geschichte).

Aber es gibt auch Positivbeispiele. Bis 1990 war Homosexualität eine anerkannte psychische Erkrankung. Mit allen Menschen, die sich hier eingesetzt haben, dass „die nicht traditionellen“ Sexualitäten anerkannt und respektiert werden, gibt es hier schon viel mehr Toleranz, die sogar schon in meinen kleinen Heimatort vorgedrungen ist (und das heißt was). Natürlich gibt es hier auch noch viele Baustellen, aber hier hat der Einsatz vieler Menschen für mehr Akzeptanz schon unglaublich viel erreicht.

Heißt das wir sollen alle nichts mehr tun?

Nein, das heißt es auf keinen Fall. Denn 1. ist jeder Mensch, der offen über seine psychischen Erkrankungen spricht ein Mutmacher für andere dasselbe zu tun. Wenn alle ihren Mund aufmachen, fällt wegschauen viel schwerer. Und 2. besteht Hoffnung, dass dieses Thema durch die Masse der vielen kleinen Menschen auch mal von den „Großen“ aufgegriffen wird. Mit Depression ist das ja teilweise schon der Fall.

Deshalb ist es wichtig, dass wir hier alle zusammenarbeiten. Das hab ich ja schon öfter geschrieben.  Die, denen es wirklich ein Anliegen ist die Stigmatisierung zu beenden, sollten sich gegenseitig unterstützen und Emotionen wie Neid auf Menschen, die damit schon wesentlich mehr Erfolg haben als man selbst, verzichten. Das ist auch eine Erinnerung an mich selbst, dass nicht mein eigener Erfolg hier zählt, sondern die Sache im Mittelpunkt steht.

Außerdem sollten wir versuchen es für Außenstehende leichter zu machen uns zu verstehen. Deshalb versuche ich immer mal wieder Humor einzustreuen und das Thema nicht ganz so ernst zu verpacken wie es eigentlich ist. Denn auch ich möchte mich nicht noch mit so vielen Problemen dieser Welt beschäftigen. Mir reichen meine eigenen.

Andere Wege, die ich sehr gut finde, bleibt immer noch das Fernsehen bzw. heutzutage eher Video-Plattformen oder Streaming-Dienste. Netflix behandelt ja zum Beispiel immer mal wieder psychische Themen (wie sie das machen kann man natürlich kritisieren). Es gibt bestimmt noch viele „unterhaltsame“ Methoden das Thema psychische Erkrankungen zu vermitteln.


Was fallen euch für Ideen ein auf psychische Erkrankungen aufmerksam zu machen? Für wie sinnvoll haltet ihr Enstigmatisierungs-Arbeit?


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18 Gedanken zu “Erreichen wir auch die, die es nicht betrifft? Wie viel bringt Entstigmatisierungs-Arbeit?

  1. Liebe Julia,
    die Frage stelle ich mir fast täglich. Soll ich aufhören mit meinem Anliegen? Wie viel bringt das, was ich tue? Soll ich alles hinschmeißen, weil meine Zielgruppe meine Infos gar nicht haben will, obwohl es sie es aus meiner Sicht dringend benötigen. Du kennst mich mittlerweile ganz gut und weisst auch, dass ich mit Herzblut die Prävention betreibe. Doch lohnt es sich?
    Großes JA, denn wenn wir es nicht tun, wer dann? Selbst wenn wir hauptsächlich Betroffene erreichen, ist das gut. Helfen können wir mit unseren Erfahrungen immer.
    Ich arbeite nach dem Motto: Geb alles, aber niemals auf.
    Es ist nicht unmöglich, die Unwissenden zu erreichen. Die Frage ist lediglich – Wie?
    Zweifel sind ganz normal, zumal man das Gefühl hat nichts zu bewirken. Aber davon dürfen wir uns nicht abschrecken lassen. Wenn ich von eins überzeugt bin, dann davon, dass wir es schaffen, wenn wir weiter mit Herzblut dabei sind. Alles hat seine Zeit. Wie du schon schreibst, Homosexualität hat auch lange benötigt, um anerkannt werden. Selbst Drogen und Alkohol haben diesen Prozess hinter sich. Das stimmt mich hoffnungsvoll, dass uns das ebenfalls gelingt.
    Ich habe mir viele Gedanken zu dem Thema gemacht und etliche Erkenntnisse gewonnen, wie wir das Schweigen und die Ablehnung aufweichen können. Wie heißt es so schön: Versuch macht kluch. 😊
    Fakt ist: Nichts tun bzw. aufhören, fällt aus.
    Alles Liebe und danke für deinen tollen Post. 🐞
    LG Michaela

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    1. Vielen Dank, liebe Michaela! Deshalb mag ich dich u.a. so sehr: Du schaffst es mich mit deinem Feuer und deiner absoluten Hingabe für diese Thematik immer wieder mich zu motivieren! 🙂 Das ist eine Gabe und dafür danke ich dir!

      Ich denke auch, dass es schon viel bringt, wenn wir die Menschen erreichen, die es betrifft. Vielleicht trauen sie sich dann offener mit ihren Problemen umzugehen, was automatisch dazu führt, dass mehr Menschen sich damit beschäftigen müssen.

      Es ist wahrscheinlich ein langer Prozess und dieses Gefühl von „Bringt es was?“ gehört vermutlich dazu, aber es wird schon Früchte tragen, auch wenn es lange dauern sollte.

      Alles Liebe! Darauf, dass wir gemeinsam noch viel erreichen! ❤

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  2. Ich denke auch, der Anteil der „Außenstehenden“ ist eher gering und desto schwieriger zu erreichen. Ganz gleich, welchen Weg man dabei wählt: man wird es nie allen recht machen (es gibt immer mehr Kritik als Lob) und es kommt auch auf die Dosierung und den Weg an.
    Um mal das Beispiel mit Deiner Tante aufzugreifen: selbst gelungene Beispiele für Integration woll(t)en die Leute irgendwann nicht mehr hören. Medial – das sage ich mal als Insider – geschieht vieles in Wellen. Und die ebben, ganz wellenlike, halt auch wieder ab.

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    1. Du hast bestimmt Recht! Selbst, wenn man das größte Sprachrohr hätte und so gut wie alle erreichen würde, was nur theoretisch möglich ist, würde jeder seine Meinung haben. Manche würden sie ändern, manche würden starr auf iher Meinung beharren.
      Und auch mit den Medien muss ich dir leider zustimmen. Ich merke das auch immer sehr stark, wenn es um psychische Erkrankungen geht. Ein Suizid einer bekannten Person bringt das Thema auf den Tisch, zwei Wochen später ist es keinen Artikel mehr wert. Medien dienen eben meist leider nur der Gesellschaft.

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      1. Was der Überzeugungsarbeit entgegensteht ist – so seltsam es aufs erste Hören klingt – die mediale Vielfalt heutzutage. Damit meine ich gar nicht die traditionellen Medien, deren Rolle ja viele heute gar nicht mehr realisieren wollen.
        Sondern vor allem die „selbstgemachten“. Ein Teil davon sind wir ja auch selbst hier im Blogland. Tendenziell kann sich heute jeder das Medium suchen, dem er inhaltlich zustimmt. Viele suchen so lange bis sie eines finden, bevor sie sich mit unbequemen Dingen in anderen Medien auseinandersetzen.
        Aber glaub mir, es bleibt mehr hängen bei den Leuten als man vermutet. Laut vernehmbar sind immer nur die Shitstormer.
        Solche Beispiele mit Suiziden müssen stets gesondert betrachtet werden. Darum steht ja auch immer der Warnhinweis mit Hilfenummer unter den Artikeln. – Mal ein konstruierter Fall: da beendet jemand sein Leben und man findet heraus, etwa in ’nem Brief, daß er einen Artikel oder eine Sendung als „Vorbild“ für sein Tun genommen hat. Was dann losbrechen würde, möchte weder ein Verlag/ ein Sender noch der konkrete Autor erleben – nicht moralisch und auch nicht juristisch.
        Man kann solche Themen sicherlich auch in klassischen Medien unterbringen, nur braucht es darauf auf beiden Seiten die geeigneten Leute. Und die findest Du erfahrungsgemäß sehr selten.

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      2. Diese Medienvielfalt ist, wie du schon schreibst, Fluch und Segen zugleich. Ich möchte nicht nur auf ein Medium reduziert sein. Da sind wir heutzutage eignetlich recht verwöhnt. Dadurch entsteht dann aber auch meist eine recht einseitge Meinung, die dann, von dem was man so konsumiert nur gestärkt wird.
        Suizid in den Medien ist und bleibt schwierig. Selbst, wenn man Warnhinweise und Hilfenummern angibt, bringt das meist recht wenig (vergleichbar mit Triggerwarnungen, die, denke ich, sehr wenig bringen). Gerade, wenn man „Fan“ dieser Person war, ist es egal wie viel betont wird, dass dies keine Lösung ist. Man sieht nur sein Idol und es wird, gerade von Jugendlichen, soweit idealisiert, dass selbst dessen Selbstmord toll ist. Das trifft natürlich nicht auf alle zu und ist gar kein Vorwurf. Man soll über Suizid sprechen, aber wie ist für mich eine sehr schwierige Frage.

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      3. Und dieses Stärken der Meinung kommt halt zustande, wenn Vielfalt auf Bequemlichkeit trifft. Leute wählen Medien, die sie bestätigen und umgekehrt. Wer liest denn heute noch eine Zeitung von der er weiß, sie ist politisch anders orientiert als er selbst? Und das läßt sich ja auf andere Bereiche auch übertragen.
        Wenn solche Triggerwarnungen nur einen einzigen davon abhalten, wäre schon was erreicht. Und ja, das „wie darüber reden“ ist wirklich eine knifflige Sache. Die wird auch immer wieder heftig diskutiert.

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  3. Ich muss dir recht geben. Wer sich nicht explizit dafür interessiert, landet kaum auf einem Betroffenenblog oder ähnlichem. Das hab ich mit meiner Seite auch schon feststellen müssen.
    Ich versuche halt wenn es geht mich in meinem Bekanntenkreis zu outen, was halt auch das Risiko birgt jemandem aus seinem eh schon reduzierten Umfeld zu verlieren.
    Ich wäre auch bereit vor Interessierten über mich zu erzählen, was sich aber noch nicht ergeben hat.
    Für deine Arbeit an der Sache bewundere ich dich schon – auf YouTube aufzutreten könnte ich mir wiederum nicht vorstellen.
    Von mir selber aus richtig aktiv zu werden gelingt mir auf Grund sozialer Ängste nicht so gut. Aber ich entwickle mich weiter und mit der Zeit geht da vielleicht noch mehr…
    Mach auf alle Fälle weiter so!

    Katharina

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    1. Ich finde es sehr interessant, was du ansprichst! Denn, wenn alle Betroffene anfangen würden in ihrem Bekanntenkreis über ihre Erkrankungen zu reden, dann müssten quasi alle hinschauen, weil statistisch jeder in seinem Bekanntenkreis mindestens eine Person hat, die psychisch erkrankt ist/war. Dieses Öffnen geht leider doch mit einigen Risiken einher, aber vielleicht ist es trotzdem der Weg. Vielleicht sollten wir mit unseren Blogs mehr dazu ermutigen sich zu öffen und sich zu zeigen. Aber bin ich dann nicht irgendwie heuchlerisch? Bei mir wissen auch nur ganz wenige von meinen Problemen und in ihrem Ausmaß und was sie wirklich bedeuten eigentlich keiner. Aber ich will es Leuten erzählen. Vielleicht schaffe ich es an meiner neuen Uni von Anfang an offen damit umzugehen. Ich nehme es mir auf jeden Fall vor!
      Und vielen Dank für deine lieben Worte zu dem, was ich hier so mache! Jeder macht, was er kann und das ist wichtig – egal wie groß oder klein, egal wie leise oder laut!
      Alles Liebe!

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  4. Liebe Julia,

    Du sprichst da etwas ganz Wichtiges an, das, wie du ja auch schreibst, sich nicht nur auf das Gebiet psychischer Erkankungen, sondern genauso auf die Flüchtlingsdebatte und vieles Weitere übertragen lässt.
    Und da sind die Social Media Fluch und Segen zugleich: Durch die ganzen Algorithmen bewegen wir uns ganz schnell in einer Filterblase, in der wir sowieso nur das zu sehen kriegen, was sich mit unserer Meinung deckt. Facebook zeigt mir gerne Beiträge von Freunden, die sich klar gegen Rassismus, Neonazismus etc. positionieren – super, meine Blase ist wieder vollständig. In dem Fall bin ich da auch dankbar dafür, aber umgekehrt funktioniert es eben genauso. Ein Mal in der rechten Blase und der Filter ist installiert.
    Auch in meinem „real life“-Umfeld fällt mir das immer wieder auf. Als Akademikerin habe ich fast nur Kontakte zu anderen Akademikern. Zudem lebe ich in einer akademikerlastigen Stadt – da andere Kontakte zu kriegen, ist gar nicht so leicht. Mir fiel das lange Zeit gar nicht so auf, bis ich begann, in einer berufsvorbereitenden Maßnahme mit jungen Menschen zu arbeiten, die gerade so den Hauptschulabschluss schaffen und mit ganz anderen Schwierigkeiten, Sorgen und Interessen beschäftigt sind.

    Und ich glaube, solche „Blasen“ entstehen auch in den Blog-, Youtube- , etc.-Landschaften. Dennoch tust du hier einen ganz großen Dienst für deine Leser / Zuschauer, selbst wenn du vielleicht nur wenige Leute erreichst, die schon eine festgefahrene Meinung haben..

    Ganz wichtig finde ich, was Katharina gepostet hat, die Fahne in der „realen“ Welt hochzuhalten. Auch wenn wir da, wie ich grade versucht habe darzulegen, vielleicht auch schon ein bisschen in einer Blase leben, habe ich das Gefühl, da dann doch öfter noch über Vorurteile aufklären, Dinge richtigstellen kann etc.

    Aber es gibt ja auch die Gruppe der „Suchenden“, die eben noch keine festgefahrene Meinung haben und vielleicht per Zufall auf solchen Seiten landen. Oder über eine Verlinkung. Ich denke, die Vernetzung, auch zu „nicht-Psycho-Blogs“, spielt da eine Rolle. 🙂
    Und für diese Gruppe, auch wenn es vielleicht eher Einzelne sind, sind diese Plattformen ganz wichtig!

    Keep up the good work! 🙂

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    1. Ein Nachtrag noch, fällt mir grade ein:
      Ich habe einen Facebook-Freund, der leider öfter Beiträge von einer relativ weit rechts stehenden Seite teilt. Und ich teile fleißig gegenteilige (bzw. differenziertere) Beiträge und suche immer wieder das Gespräch mit ihm. Und kürzlich erhielt ich, nachdem ich wieder einen differenzierten Artikel geteilt habe, eine PN von ihm mit „Du hast ja schon Recht mit dem Artikel“.
      Zwar teilt er immer noch Beiträge von der rechten Seite (es wäre ja auch vermessen von mir zu glauben, man könnte jemanden, der von Facebook ständig solche Beiträge vorgesetzt bekommt, so einfach „bekehren“), aber vielleicht höhlt der stete Tropfen den Stein ja doch… oder regt zumindest kurzfristig zum Nachdenken an – auch dann ist ja schon was gewonnen. 🙂

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      1. Ich denke, dass man wahrscheinlich mehr Menschen erreicht als man glaubt. Denn selbst, wenn Menschen oft auf ihrer Meinung beharren (auch um nicht zugeben zu müssen, dass ihre Meinung vielleicht nicht „richtig“ ist), denken sie vielleicht in einer ruhigen Minute nochmal darüber nach. Danke für dieses ermutigende Beispiel!

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    2. Du hast vollkommen Recht! Wir leben alle mittlerweile in unseren „Blasen“ und wer will da schon raus? Ist es doch so gemütlich immer wieder seine Meinung bestätigt zu bekommen. Eigentlich sollten wir immer versuchen ein ganzheitliches Bild zu bekommen – auch mit den Gegenargumenten. Aber das ist zu aufwändig in einer Zeit, wo jeder ohnehin gestresst ist.

      Und auch für die „Real-life-Blasen“ habe ich genug Beispiele. Weil ich mich fast nur in der „Studierenden-Welt“ bewege, kann ich mir oft gar nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die andere Ansichten vertreten als die „Uni-Menschen“.

      Es ist ein schwieriges Unterfangen auf ein Thema aufmerksam zu machen, aber es ist trotzdem wichtig und es wird schon den ein oder anderen erreichen. Und dann hat es sich schon gelohnt!

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  5. Wichtig für den Aspekt finde ich immer wieder, dass man sich nicht ausschließlich auf einen Themenbereich beschränkt und sich auch bei ebenso nur solchen Wegesgefährten herumtreibt.
    Sehe ich leider bei vielen, und mich allein langweilt es schon, was sollen da erst irgendwelche Unentschlossenen oder Zweifler denken?. Das bringt genauso auch den Umstand mit sich, dass man irgendwann nur noch in der eigenen Filterblase lebt und sich speziell um sich selbst dreht.
    Entstigmatisierung erlebe ich auch immer wieder so, dass sie nur überwunden werden kann, wenn auch diejenigen denken, die meinen, etwas betrifft sie nicht, plötzlich feststellen, dass sie Gemeinsamkeiten mit demjenigen haben, den sie als so völlig anders als sich selbst ansehen.
    Das kann sich auf Interessen, Einstellungen zum Leben oder was auch immer beschränken, aber eben, dass ankommt „wir sind keine Marsmenschen; wir sind nicht das, worauf man mit dem Finger zeigen und sich genüsslich sagen kann ‚Wir sind die Besseren! Wir sind nicht so! Wir sind anständig!‘ „.
    Eine große Rolle spielt es nämlich häufig, dass die eine Fraktion von anderen so ziemlich gar nichts weiß – außer Klischees vielleicht.

    Was ich auch immer eher als verbindend empfinde ist: Speziell bei psychischen Abweichungen vom Durchschnitt – Weniger mit Diagnosen und Fachbegriffen arbeiten, vielmehr mit anschaulichen Beispielen. Lebensgeschichten, Biografien, eigene Einstellungen zu Gott und die Welt.
    Zwar kann man da dann auch die Erklärungen aus den wissenschaftlichen Disziplinen anbringen, warum was so ist, aber eben merkt dadurch auch derjenige, der sich von dem Thema sonst gar nicht angesprochen fühlt, durch dieses Offenlegen der Muster, ob er vielleicht nicht irgendeine Gemeinsamkeit damit hat. Ob er nicht irgendwas von sich selbst darin erkennt und es dadurch für ihn greifbar wird. „Greibar werden“ ist ja eigentlich das, worauf man abzielt bei der Arbeit, das Stigma und die damit verbundenen Klischees loszuwerden.
    Es wird aber nur greifbar, wenn selbst Horst, 52, Fabrikarbeiter, sich denkt „hey, warte mal, das gab’s auch in meiner Familie!“, obwohl der kaum jemals auf die Idee gekommen wäre, seine eigene Prägung zu hinterfragen und wie er Dinge in seiner eigenen Familie regelt.

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Gemeinsamkeiten aufzuzeigen ist wirklich eine sehr gute Strategie, um Menschen für Themen zu begeistern, die sie nicht unmittelbar betrifft. Denn, wenn ich Teil davon bin, muss ich mich fast schon damit auseinandersetzen. Eine sehr kluge Perspektive. Danke für diese Anregung!

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