Warum mache ich das immer wieder? – Von Neuanfängen, Ängsten und Zweifeln

Ich bin in den letzten Tagen umgezogen. Nachdem ich meinen Bachelor in Psychologie abgeschlossen habe, bin ich jetzt für meinen Master in eine fremde Stadt gezogen, die ebenso weit weg ist von meiner Familie wie mein vorheriger Studienplatz.

Ich wollte das so. Ich wollte in einer anderen Stadt meinen Master machen. Noch einmal die Chance nutzen für zwei Jahre woanders zu leben ohne Bindung an einen Job, mit dem Wissen, dass der Aufenthalt (wahrscheinlich) zeitbegrenzt sein wird. Ich wollte mich selbst herausfordern, mir beweisen, dass ich es wieder kann ganz alleine Fuß zu fassen. So waren meine Gedanken, aber es kommen Zweifel…

Ich habe immer schon das Problem, dass ich mir meist nur den Moment vorstellen kann – so rein gefühlsmäßig. Meine Vergangenheit male ich immer schöner als sie war und meine Zukunft stelle ich mir abwechselnd entweder viel einfacher oder abgrundtief schlecht vor. Im Falle meines neuen Studiums war ich, ja ich muss es wirklich so sagen, sehr naiv. Ich habe es mit meinen anderen Neustarts verglichen (ich habe schon in eine Schule gewechselt, wo ich absolut niemanden kannte und bei meinem Bachelor-Studium war es genauso). Es hat jedes Mal geklappt: Ich hatte Schwierigkeiten, aber letztendlich habe ich es geschafft mit den Anforderungen fertig zu werden und mir soziale Kontakte aufzubauen.

Aber hier gibt es zwei Punkte, die jetzt anders sind bzw. stärker ausgeprägt sind: 1. Bei den anderen beiden Neuanfängen war ich froh aus den alten Umfeldern draußen zu sein. Das war entweder dem geschuldet, dass ich mit den vorherigen Mitmenschen nicht gut zurecht gekommen bin (an meiner alten Schule) oder, dass ich aufgrund meiner Essstörung gar nichts empfunden habe (beim Studienbeginn). Das ist jetzt anders. Ich trauere den Leuten, die ich an der Uni kennengelernt habe, hinterher. Es ist für mich aufgrund meiner introvertierten ängstlichen Art ziemlich schwierig enge Kontakte zu knüpfen. Und an meiner alten Uni gab es doch einige Menschen, mit denen ich mich gut verstanden habe.

Der 2. Punkt ist der schon angesprochene Rückschaufehler: Ich stelle mir die Zeit an meiner alten Uni viel schöner vor als sie tatsächlich war. Ich weiß noch, dass ich im ersten Semester meiner Mama regelmäßig am Telefon erklärt habe, dass ich keinen Sinn in meinem Leben mehr sehe. Ich war depressiv und brauchte therapeutische und medikamentöse Hilfe. Ich habe das Haus an Wochenenden oft gar nicht verlassen und mein Binge Eating hat sich durch diese oft auftretende Einsamkeit auch nicht gerade verbessert.

Trotzdem stellt sich für mich im Moment die Frage, warum ich das alles mache? Ich musste die letzten Wochen schon so oft über meinen Schatten springen, so viele Entscheidungen treffen, mit Behörden telefonieren als wäre ich eine Sekretärin, den Stress aushalten, der mir der Umzug bereitet hat und dabei jeden Morgen gegen die Stimme in meinem Kopf ankämpfen, die mir sagt ich solle doch einfach liegen bleiben.

Ich weiß, dass ich daran wachsen werde, dass mir diese vielen Herausforderungen viel bringen werden, aber im Moment ist es einfach sehr hart und der Optimismus liegt tief vergraben unter all den Umzugskartons, die sich noch in der Ecke türmen. Wahrscheinlich sieht das Ganze in drei Wochen schon wieder anders aus, aber ich darf mich hier jetzt mal ein bisschen ausjammern (ist ja schließlich MEIN Blog). 😉

So das war jetzt ein bisschen Schwarzmalerei von meiner Seite! Wie immer gilt: Ich will kein Mitleid, sondern einfach meine Gedanken mit euch teilen!

Was ich aber gerne möchte ist es mich mit euch auszutauschen: Kennt ihr solche Situationen? Und noch wichtiger: Wie seid ihr damit umgegangen?


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13 Gedanken zu “Warum mache ich das immer wieder? – Von Neuanfängen, Ängsten und Zweifeln

  1. Mach dir keine Sorgen, du darfst schreiben, worüber du möchtest! Es wirkt auf mich auf keinen Fall so, als ob du Mitleid wollen würdest. Aber trotzdem versteh ich dich nur zu gut, das ist ein großer Schritt! Letztendlich musst du es ja aber als die beste Option gesehen haben, und ich glaube so ein Ortswechsel kann wirklich viel bringen. Deswegen hoffe ich, dass sich für dich alles positiv entwickeln wird, dass du an dem neuen Ort auch mit einer neuen Perspektive rangehen kannst. Ich persönlich mag Neuanfänge auch und mir hilft es dabei, meine Umgebung zu wechseln, um auch gedanklich neu durchzustarten. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles gute an deinem neuen Wohnort! es wäre schön; wenn du uns auf dem laufenden halten würdest 😊 Im Studium oder auch sonst wo wirst du bestimmt bald neue Leute kennenlernen … heutzutage ist es auch einfacher, Gleichgesinnte in der selben Stadt zu treffen, zum Beispiel über Facebook Gruppen. Mir fällt gerade auf, dass ich so einige meiner jetzigen Freunde getroffen habe. Du schaffst das! 😊

    Gefällt 3 Personen

    1. Vielen Dank! Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden! 😉
      So ein Neustart hat auf jeden Fall seine positiven Seiten und man lernt viel über sich. Und auch das mit dem „gedanklich durchstarten“ finde ich sehr schön und ich stimme dir vollkommen zu! Ich werde es einfach mal auf mich zukommen lassen und wahrscheinlich scheint mir jetzt alles viel schlimmer als es letztendlich tatsächlich ist. Danke, für deine lieben Worte!

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  2. Alles Gute für den Neuanfang, du wirst auch das meistern!

    Was mir in der Anfangszeit bei Umzügen etwas geholfen hat: mir mein neues Zuhause gemütlich einrichten, sodass ich mich richtig darin wohlfühlen kann. Erinnerungsstücke, die mich zum Lächeln bringen oder Mut machen in der Wohnung verteilen (Lieblingsfotos, Reisesouvenirs, Deko, Geschenke von Freunden/Familie …) Mit meinen alten Freunden und der Familie bei Heimweh telefonieren und Briefe oder Postkarten schreiben (ein Brief oder eine Karte ist etwas, auf das man sich freuen kann). Schrittweise die neue Stadt erkunden und mir dabei überlegen, was ich gerne in Zukunft (allein oder mit neuen Bekannten) unternehmen würde.

    Liebe Grüße
    Nelia

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für deine lieben Wünsche, Nelia! Du hast recht. Es hilft mir auch sehr, wenn ich mich in meiner neuen Wohnung wohlfühle. Und die Idee mit den Postkarten oder Briefen finde ich echt toll! Ich bin ja der totale Fan von selbstgeschriebenen Worten auf echtem Papier. 😉 Das werde ich bestimmt mal machen! Alles Liebe, Julia

      Gefällt 1 Person

  3. Na, erstmal Glückwunsch zum Bachelor. – Den Neuanfang betreffend: laß es auf Dich zukommen. Und wecke den Eroberer- Instinkt in Dir, entdecke die neue Welt. (Und sollte sie Dir nicht gefallen, so liegt es nicht an Dir!) Also denn: guten Start!

    Gefällt 2 Personen

  4. Pingback: Zeit sich wieder Hilfe zu holen? – Lebenswelt

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