Warum ich nicht mehr nach Glück streben möchte

„10 Schritte zum dauerhaften Glück“, „Der Weg zu Glück, Liebe und Erfolg“, „Das Geheimnis vom Glück“ – dies ist ein kurzer Auszug von dem, was man bekommt, wenn man in die YouTube-Suchleiste „Wie werde ich glücklich?“ eingibt. Und ich muss jetzt mal zum Thema Glück meinen Senf abgeben. Also, here we go!

Ich finde das Streben nach Glück ist in unserer Gesellschaft massiv überbewertet. Und nein, das sage ich nicht nur, weil ich vielleicht neidisch bin auf Menschen, die glücklich sind. Ich finde, dass Glück zu einer riesigen Industrie geworden ist und dass sie uns eigentlich nach etwas streben lässt, das wir in dieser Form – zumindest so wie ich es mir dadurch vorstelle – nicht bekommen können.

Stellt euch doch mal die Frage: Wann war ich das letzte Mal so richtig glücklich? Vielleicht kommt euch als erstes ein schöner Moment mit Freunden oder Familie in den Sinn oder euer letzter Urlaub. Aber wahrscheinlich werdet ihr nicht sowas sagen wie: „Vom März 2015 bis Juni 2016 war ich glücklich.“ Ich will damit sagen, dass, zumindest für mich, Glück viel mehr ein kurzfristiger emotionaler Zustand ist, als ein Zustand, den man dauerhaft, sein ganzes Leben lang, erreichen kann.

Der Gedanke kommt auch daher, dass für mich Freude und Glück äquivalent zu verwenden sind und Freude ist eine Emotion. Emotionen sind dadurch definiert, dass sie, zumindest in einer solchen Intensität wie wir uns vielleicht Glück wünschen, nicht dauerhaft anhalten. Klar, kann ich mich mal eine Woche freuen, aber irgendwann kommen auch wieder andere Emotionen dazwischen. Und die wollen auch ihren Raum bekommen.

Wenn ich diesem „Streben nach Glück“ nachgehen würde, möchte ich nur noch gute Emotionen empfinden wollen. Mir soll es dann gut gehen und das immer. Wenn man glücklich ist, dann ist man nie wieder traurig. Auch wenn viele „Glücks-Gurus“ das nicht so postulieren, ist es für mich das, was oberflächlich hängen bleibt. Für mich erzeugt es Druck scheinbar immer glücklich sein zu müssen.

Es kann sein, dass ich mich großteils an der Begrifflichkeit störe und eigentlich nicht unbedingt das Streben nach Glück abschaffen möchte, sondern es viel mehr ersetzen möchte durch ein Streben nach Zufriedenheit. Mich stört, dass Glück als höchstes Gut angesehen wird (neben Erfolg und Liebe wie mich YouTube lehrt). Aber für mich ist es das höchste Gut eine Zufriedenheit, unter anderem resultierend aus Akzeptanz, zu erreichen, die es mir ermöglicht positive sowie negative Emotionen und Gedanken zu empfinden, aber trotzdem noch dankbar für mein Leben zu sein.

Ich will hier jetzt auch absolut nicht sagen, dass man alles akzeptieren sollte, was einem so passiert und dass es falsch ist glücklich sein zu wollen, aber gerade, wenn es zu emotionalen Zuständen kommt wird es uns nie möglich sein, nur die rauszupicken, die uns gefallen. Und wenn man zum Beispiel das Erleben von Trauer oder Schmerz als Rückschritt auf seinem Weg zum Glück sieht, dann läuft in der Glücksbewegung definitiv etwas falsch.

Könnt ihr meine Punkte nachvollziehen? Hilft es euch, wenn ihr euch das Ziel setzt glücklicher sein zu wollen? Schreibt mir eure Gedanken gerne in die Kommentare!


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14 Gedanken zu “Warum ich nicht mehr nach Glück streben möchte

  1. Liebe Julia,

    ein schöner Beitrag! Spannend, ich habe in meinen Entwürfen etwas herumschwirren, das sich damit beschäftigt, dass wir überhaupt kein Recht auf Glück haben. Ich finde, dass wir in einer Zeit leben, in der wir mit einer Haltung herumlaufen, dass uns das Glück gefälligst zusteht und wehe, wir haben es mal nicht. Aber ich glaube, dass diese Haltung falsch ist. Wir sehnen uns natürlich danach, glücklich zu sein, aber wir haben kein Anrecht darauf. Und das ist ja vielleicht auch gut, weil es sonst so selbstverständlich würde. (Und klar, umgekehrt will ich damit natürlich in keiner Weise sagen, dass jemand, dem es schlecht geht, halt damit leben muss, dass er kein Recht auf Glück hat und sich nicht so anstellen soll oder ähnliches.)
    Ich fände ein „nur glückliches“ Leben glaube ich auch gar nicht so erstrebenswert. Welche Motivation hätte ich denn dann noch, irgendwas zu tun? Und ich muss ehrlich sagen, dass ich die Täler, die ich in meinem Leben durchschritten habe, als enorm fruchtbar erlebt habe. Als schmerzhaft und schlimm, aber eben auch als fruchtbar und das Leben bereichernd. Zum Leben gehört die Tiefe (eben auch in diesem Sinne) irgendwie dazu, finde ich. …Okay, jetzt mach ich hier aber nen Punkt, sonst habe ich den Inhalt meines Blogbeitrags schon vorab hier durchdacht und veröffentlicht. 😉
    Was du über die Zufriedenheit schreibst, finde ich sehr schön! Danke für den Gedankenanstoß zu diesem Thema!

    …. und jetzt muss ich auch dringend weiterarbeiten – aber der Beitrag war doch so spanennd, dass ich meine Prioritäten kurz umgeswitcht habe… 🙂

    Ein schönes Wochenende für dich!
    Ganz liebe Grüße,
    Jessica

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    1. Das sind sehr interessante Gedanken, liebe Jessica! Der Ansatz, dass wir kein Recht auf Glück haben deckt sich ja auch etwas mit dem, was ich geschrieben habe bezüglich der Industrie rund um Glück. Es wird zu einer Art Produkt gemacht, das man erlangen, aber auch wieder verlieren kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn du den Beitrag schreiben würdest. 🙂

      Das sehe ich genauso. Auch die schwierigen Phasen gehören im Leben dazu und auch darin sollten wir lernen eine gewisse Akzeptanz zu finden. Wenn ich ehrlich bin ist das zwar genau der Punkt womit ich noch Schwierigkeiten habe, aber die Erkenntnis ist ja bekanntlich der erste Schritt für Veränderung. 😉

      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und danke dir sehr, dass du immer so wertvolle Worte zu meinen Beiträgen schreibst!

      Ganz liebe Grüße

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  2. Ich kann dir absolut zustimmen! Vor einer Weile habe ich dieselbe Erkenntnis gehabt. Seitdem nehme ich Momente der Freude übrigens viel stärker wahr und kann glücklich über die trivialsten Dinge sein! Ich finde das um einiges wertvoller als eine sogenannte Zeitspanne an Glück (beispielsweise ein Urlaub oder ähnliches)

    Liebe Grüße!<3

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    1. Das ist schön, dass sich diese Erkenntnis für dich positiv auswirkt! Ich denke auch, dass gerade kleine Glücks-Momente in diesem „Streben nach Glück“ viel zu oft übersehen werden. Dabei sind die es, die uns auch mal schlechtere Tage besser überstehen lassen.

      Ganz liebe Grüße!

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  3. C

    Ich finde da hast du total recht! Ich denke es ist nichts schlechtes nach Glück zu streben oder zumindest nach glücklichen Momenten aber ich stimme dir voll zu dass es eben ein Gefühl ist und alle Gefühle sind vergänglich. So etwas wie tiefe Zufriedenheit oder ein Gefühl von Harmonie oder Einklang mit sich selbst ist viel wichtiger…
    Aber ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht ob man so etwas wirklich erreichen kann und dann nie wieder davon abweicht oder nie wieder ins Schwanken kommt. Ich glaube dass die Hoffnung auf Glück, die Hoffnung darauf glücklich werden zu können etwas ist das wir meisten Menschen brauchen. Die Hoffnung selbst, nicht unbedingt ihre Erfüllung. Aber vielleicht ist das auch nur meine (seltsame) Ansicht, bei der ich die Hoffnung auf etwas als tatsächlich wichtiger sehe als die Sache selbst.
    Ich glaube aber auch, dass viele Leute Glück und Zufriedenheit als Synonyme verwenden und gar nicht so eine Differenzierung wie du vornehmen. Ich finde die Unterscheidung sehr wichtig und sinnvoll, aber ich glaube trotzdem es ist gut im Hinterkopf zu behalten, dass manche gar nicht so genau differenzieren.
    Am Ende wollen wir doch alle nur etwas was gut ist. Ich finde es aber sehr wichtig und gut dass du für dich definieren kannst was das bedeutet und ich hoffe es ist etwas das du für dich finden kannst – oder zumindest dass dir die Suche danach Kraft gibt 🙂

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    1. Das stimmt. Wir wollen letztendlich alle etwas, was gut ist. Und ich denke auch, dass das für jeden etwas anderes bedeutet. Wahrscheinlich ist der Wunsch nach einer tiefen Zufriedenheit auch sehr hoch gegriffen, vor allem, wenn man sich dabei auf Stabilität beruft. Es gibt im Leben Dinge, die einem aus seinem Gleichgewicht bringen, aber ich denke, dass die Einstellung gegenüber seinem Leben darüber entscheidet wie einen diese beeinflussen. Und wenn man trotz allem eine bejahende Lebenseinstellung hat, ist für mich mein Wunsch erfüllt.

      Und ich sehe es auch so, dass die Hoffnung hier ein großes Wort mitzureden hat. Egal, ob man nach Glück, Zufriedenheit oder sonst was strebt, wenn man in schwierigen Phasen nicht daran glaubt wieder positive Zustände erreichen zu können, dann fällt ein großer Antrieb weg.

      Liebe Grüße!

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      1. Ich finde deinen Gedanken sehr schön, Glück zu differenzieren und es nicht als diesen unerreichbaren Gesamtzustand zu sehen. Wenn Glück aus verschiedenen Einzelteilen besteht, wirkt es auch viel erreichbarer. Und es kann einen auch sehr motivieren zu sehen, dass man in manchen Bereichen seines Lebens bereits zufrieden/glücklich ist. Dann kann man vielleicht auch seine „Problembereiche“ leichter angehen. Danke für diesen Gedankenanstoß!

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  4. Pingback: Wenn ich nicht erfolgreich bin, verliere ich meinen Lebenssinn – Lebenswelt

  5. Tja, Youtube, amerikanisch, Streben nach Glück ist in deren Verfassung. – Wundert mich nicht, daß es dann nur so davon wimmelt, wenn man es bei denen eingibt.
    Es ist ja auch ein Irrglaube, sich Dinge wie Glück in bestimmten Packungsgrößen kaufen zu können. Die einem das verkaufen wollen, nutzen das nur aus. Streben nach Glück war und ist für mich einfach keine Kategorie. Aber selbstverständlich freut ich mich über was Gelungenes oder einfach schöne Momente – oder über einen Post wie Deinen hier.

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    1. Ich kann dir da nur 100% zustimmen! Es wird wirklich vermarktet als wäre es ein physisches Produkt. Glück verdoppelt, verzehnfachen…das sind deren Verkaufsstrategien.

      Vielen Dank auch für das kleine Lob am Ende! Wenn meine Posts ein kleiner Glücksmoment für andere sind, dann übertragt sich das auch auf mich. Win-Win, würde ich sagen! 😉

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  6. „Streben nach Glück“ – die Formulierung könnte auch von einem Junkie stammen…
    Wirklich, nichts anderes spielt sich dabei biochemisch im Kopf ab. Glückshormone sollen freigesetzt werden – dafür braucht es ein bestimmtes Mittel, als Schlüssel sozusagen – der Junkie geht also los, um sich dieses Mittel zu besorgen, weil er ohne in einem ziemlich tiefen Loch sitzt. Sein Gehirn denkt, dieser Rauschzustand, dieses gefühlte Hoch, was durch die Droge kommt, sei der Normalzustand.

    Keine Ahnung, ob man ein normales „Streben nach Glück“ damit vergleichen sollte, aber der Teil mit dem „man hetzt seinem gefühlten Glück hinterher“, der stimmt auch dabei, wenn man es zu exzessiv betreibt.

    Kurzum: Sich von der Frage nach Glück, Liebe, Erfolg uw. treiben zu lassen ist in etwa so, als wenn ein Süchtiger seiner Droge hinterherrennt.
    Man streibt schon nicht mehr, man tritt im Hamsterrad. Jeden Tag immer wieder.

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    1. Den Vergleich von Glück mit Drogen bzw dem Zustand, dem Drogen einem geben, finde ich sehr interessant und ziemlich treffend. Besonders wenn man wirklich dem Zustand von Glück sehr viel Gewicht in seinem Leben gibt oder es sogar als einzig erstrebenswerte sieht, kann man die Analogie zur Sucht deutlich erkennen. Danke für diesen Gedankenanstoß!

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