6 Ursachen für meine Fressanfälle

In letzter Zeit habe ich mich immer wieder damit beschäftigt, was denn eigentlich meine Essattacken auslöst. Für alle, die nicht wissen wovon ich gerade spreche: Hi, ich bin Julia und ich leide unter Binge Eating – einer Essstörung, wo man bei Fressanfällen unkontrolliert große Mengen an Essen zu sich nimmt, bis der Bauch schmerzt. Anders als bei der Bulimie, wird die massive Essensaufnahme jedoch nicht wieder kompensiert z.B. durch Erbrechen, Sport oder Abführmittel (Genaueres zu den unterschiedlichen Essstörungen findest du HIER).

Ich möchte in diesem Beitrag die mir bisher bekannten Gründe aufführen, warum es zu meinen Fressanfällen kommt. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen, dass dies MEINE Gründe sind und die Ursachen von Essanfällen so unterschiedlich sind wie die Personen, die sie betreffen. Es gibt nicht DIE Ursache oder DEN Auslöser. Das ist immer sehr individuell.

  1. Anspannung/Ängste

Wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin und abends nach Hause komme, dann führt für mich leider oft kein Weg daran vorbei die über den kompletten Tag aufgebaute Anspannung durch Essen aufzulösen. Aber auch Gedanken an zukünftige Situationen, in denen ich mich aus meiner Komfortzone raus wage (und das ist oft schon das Haus verlassen), führen oft zu einem Essanfall, weil ich mit den Emotionen der Unsicherheit und Angst nicht umgehen kann.

  1. Stress/Überforderung

Dieser Punkt geht eigentlich mit der zuvor beschriebenen Anspannung und Angst einher. Sobald ich Dinge zu tun habe, empfinde ich Stress, was wiederum zu einer Anspannung führt. Allerdings muss die empfundene Überforderung nicht unbedingt mit anderen Menschen zu tun haben. Wenn ich z.B. den ganzen Tag nicht die Wohnung verlassen muss, aber Uni-Zeug erledigen sollte, dann kann mich das schon am Morgen so überfordern, dass ich einen Fressanfall habe. Dieser wiederum gibt mir dann auch den Freifahrtschein meine Do-To-Liste nicht abzuarbeiten, weil ich so vollgefressen nicht arbeiten kann. Natürlich läuft das alles nicht ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle ab.

  1. Langeweile

Jap, auch die komplett gegenteilige Situation von Stress, führt bei mir Essanfälle herbei. Ganz oft findet das dann statt, wenn ich z.B. vorm Laptop hänge und mir irgendwelche YouTube-Videos reinziehe. Ich denke, dass das eine Situation ist, in der recht viele Menschen zu Essen greifen. Wer kennt nicht das Snacken vorm Fernseher. Allerdings ist es dann doch noch einmal ein Unterschied wie groß die Mengen sind, die man hier verschlingt und wie regelmäßig das vorkommt.

  1. Einsamkeit

Solche Situationen sind schwierig auseinanderzuhalten von der vorherig beschriebenen Langeweile. Ich glaube, dass mich hier auch nicht unbedingt das Gefühl der Einsamkeit triggert, sondern viel eher die Tatsache, dass ich alleine bin und dadurch in mich reinstopfen kann, was immer ich möchte ohne, dass es jemand mitbekommt.

  1. Fehlender Genuss

Ich bin jemand, der sich sehr selten erlaubt das Leben zu genießen bzw. Dinge zu unternehmen, die in die Kategorie Einfach-nur-aus-Spaß-Machen fallen. Tatsächlich fällt es mir auch schwer, wenn ich in solchen Situationen bin, dann auch tatsächlich positive Emotionen daraus zu ziehen. Essen gibt mir diesen fehlenden Genuss in einer sehr ungesunden Form.

  1. Routine

Ich habe das schon einmal ausführlich in dem Beitrag Essstörung – Sucht als Routine beschrieben. Meine Fressattacken hängen nicht nur mit negativen Emotionen zusammen, sondern auch mit bestimmten neutraleren Situationen z.B. immer, wenn ich nach Hause komme muss ich erst einmal essen. Wobei man hier auch sagen könnte, dass ich so die Anspannung loswerden möchte…

Naja, so ganz hab ich das noch nicht alles durchschaut. Das zeigt, dass Essstörungen unglaublich komplexe Erkrankungen sind. Wie im übrigen beinahe jede andere psychische Erkrankung auch.


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13 Gedanken zu “6 Ursachen für meine Fressanfälle

    1. Wie du schon schreibst: Das klingt zwar sehr simpel, ist aber – gerade, wenn es darum geht es nicht mehr zu tun – sehr komplex. Wir werden unser ganzes Leben lang immer wieder mal Langeweile haben. Außerdem ist Langeweile und Nichts-Tun ja auch wichtig, um seine Batterien wieder aufzuladen. Wenn man dann Langeweile immer vermeidet, weil man Angst hat unkontolliert zu essen, dann werden wir irgendwann furchtbar erschöpft sein.

      Alles Liebe!

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  1. Hi 🙂 Ich hab zwar keine „Fressanfälle“, doch auch ich komme öfters mit dem Essen nicht so klar.
    Was mir z.B. aufgefallen ist: Ich esse immer übertrieben viel, wenn ich Enttäuscht bin. Egal ob von mir selbst (wenn ich etwas koche/backe und es wird nichts – greife ich vor lauter Frust gleich zu allem möglichen an Essen) oder ob die Enttäuschung von anderen ausgeht.

    Aber das zu verstehen hilft mir schon mal 🙂 ich hoffe dir auch!

    ~Ceyes.

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    1. Da kann ich dir nur vollkommen zustimmen, Ceyes! Zu verstehen, warum man etwas tut, ist der erste Schritt. Auch mir hilft das sehr. Man fühlt sich dann dem Ganzen nicht mehr ganz so ausgeliefert, finde ich. Natürlich ist man dann noch nicht dort, wo man hinmöchte, aber ich muss mir immer wieder sagen, dass kleine Schritte vollkommen ok sind.

      Ich wünsche dir alles Gute!

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  2. find i so stark, dass du es hier so offen und ehrlich darlegst!! Wer beginnt, seine Schwächen zu erkennen und zu akzeptieren, kann sie dann a erfolgreich bekämpfen. Des wird alles, meine Liebe!! 🌸

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  3. Momentan bereitet mir mein Essverhalten lSorgen und ich konnte mich in ein paar Punkten wiederfinden, die du hier beschreibst. Ich kenne übermäßiges Essen bei Stress, Frust, Wut oder Traurigkeit – sozusagen dann als Trost und zur Emotionsregulierung. Aber auch Essen aus Langeweile/Gewohnheit, obwohl ich eigentlich satt bin … Danke, dass du so offen darüber schreibst.

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    1. Es tut mir leid zu hören, dass dir dein Essverhalten auch Probleme bereitet. Trost und Emotionsregulierung….das kann ich zu 100% so unterschreiben. Und da Essen ja tatsächlich in unserem Gehirn positive Reaktionen auslöst, wird es auch irgendwann einfach zur Routine. Ich vergleiche das immer mit Suchtverhalten.

      Es kostet mich natürlich eine gewisse Überwindung darüber zu schreiben, aber ich hoffe, dass ich damit vermitteln kann, dass niemand damit alleine ist. Essen – auch ohne Essstörung – bereitet leider viel zu vielen Menschen Probleme und ich würde mir so sehr wünschen, dass hier niemand mehr leiden muss. Ich wünsche dir das beste und dass du deine Beziehung zum Essen trotz allem liebevoll gestalten kannst! Denn ich denke, dass es nicht hilft hier irgendetwas zu bekämpfen, sondern der Weg der Akzeptanz zielführender ist. Natürlich ist das nur die Theorie, der Weg dahin ist natürlich lang und schwierig.

      Ganz liebe Grüße

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      1. Ich danke dir!
        Manchmal habe ich momentan die Sorge, in Richtung einer ES zu rutschen, da dieses oroblematische Essverhalten jetzt seit über einem halben Jahr anhält, mal mehr, mal weniger ausgeprägt 😶 Aber dank deinem und anderen tollen zum Thema ES weiß ich zum Glück, worauf ich achten sollte, was helfen kann und habe auch mit meiner Ärztin ein Auge drauf.

        Liebe Grüße

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      2. Deine Sorge kann ich gut nachvollziehen. Dass du hier so achtsam bist, finde ich toll. Und auch, dass deine Ärztin Bescheid weiß, ist eine super Unterstützung. Wenn ich mit meinem Blog zum Verständnis von ES beitragen kann, freut mich das natürlich sehr.

        Alles Liebe!

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