Wenn ich mir wünsche, dass andere nicht glücklich sind

Der heutige Beitrag stammt aus der Kategorie „Ich wünschte, ich hätte diese Eigenschaft nicht“ (wenn ihr noch einen aus dieser Kategorie lesen wollt, nur zu: Neid und Ich).

Es spricht der Pessimist in mir

Dass ich ein recht großer Pessimist bin, ist kein Geheimnis und dass ich mir das Leben damit nur selbst schwer mache, ist mir auch bewusst. Aber umso mehr ich in meiner negativen Spirale feststecke, desto mehr stört mich alles Positive. Ja, ich blicke dann auf Positives so missachtend herab als hätte es die allgemeingültige Grausamkeit der Welt nicht ganz verstanden.

Und jedes Mal, wenn ich in so einer Negativ-Phase positive Menschen sehe, dann kommt da ein bunter Mix an Gefühlen bei mir hoch. Zum einen meldet sich der mir so bekannte Neid auf jeden, der scheinbar etwas hat, was ich auch möchte. Zum anderen wünsche ich mir auch, dass diese Personen nicht mehr zufrieden sind, dass sie sich die Welt nicht in schillernden Farben ausmalen, nicht so viel lachen und Energie ausstrahlen. Das klingt für die Ohren meines rationalen Ichs furchtbar. Ich bin dann genau so eine Person, von der man sagt, „Lass dich von ihr nicht runterziehen!“ oder „Halte dich von solchen negativen Menschen fern!“

Wie immer bin ich selbst das Problem

Ich kann meine Gefühle nicht ändern. Wenn ich zu viel Glück, Zufriedenheit, Positives oder wie auch immer man es nennen mag sehe, dann werde ich daran erinnert, dass ich das nicht habe bzw. es nicht sehen kann, wenn ich es habe. Anders ausgedrückt, das Problem bin eindeutig ich und nicht die anderen. Ich muss an dieser Stelle aber auch dazu sagen, dass ich meinen Gefühlen selten Ausdruck verleihe. Wenn mir eine Person erzählt, dass sie glücklich ist oder es ihr gut geht, dann drehe ich mich nicht einfach um und will mit der Person nichts mehr zu tun habe. Ganz im Gegenteil, ich freue mich mit ihr. Wenn mir auf Social Media zu viel Positives begegnet, dann entfolge ich manchmal den Leuten. Womit wir gleich zum nächsten Punkt kommen.

Ich sehe nur das, was ich sehen will

Wann wissen wir denn schon, wann eine Person tatsächlich zufrieden ist? Wir alle haben unterschiedliche Maßstäbe, woran wir abwägen, ob es uns gerade gut geht oder nicht. Zudem sehen wir, gerade im Netz, immer nur einen Mini-Ausschnitt aus dem Leben dieser Person. Ich kann mich auch vor eine Kamera setzen und sehr positiv und fröhlich wirken (übrigens auch schon passiert).  Hat es etwas mit verstellen zu tun? Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Wie heißt es so schön: Fake it until you make it. Was bringt es einem die Welt negativ zu sehen? Man wird wahrscheinlich immer unglücklicher (yap, kann ich bestätigen). Und deshalb versuchen bestimmt viele Menschen eher das Positive zu sehen, auch wenn sie es nicht 100% glauben.

Ich will doch nur sagen können „Mir geht es gut.“

Was mache ich nun am besten als chronischer Pessimist? Akzeptanz ist das Zauberwort und eine aktive Entscheidung, Dinge nicht mehr nur negativ zu sehen. Auch im Sinne des vorher angesprochenen „Verstellens“.  Vielleicht glaubt mein Gehirn ja tatsächlich irgendwann, dass die Welt nicht nur grausam ist. Und wenn alles nichts mehr hilft, dann bleibt mir immer noch Humor und Ironie als Stütze. Sich selbst etwas auf die Schippe zu nehmen, hat mir immer schon geholfen. In diesem Sinne: Wenn mal jemand ein Pessimisten-Vorzeigeexemplar braucht, kontaktiert mich einfach. Ich stehe gerne jederzeit gerne zur Verfügung.

PS.: Dieser Beitrag ist natürlich eine übertriebene Darstellung meiner Wahrnehmung. Ich bin nicht immer Pessimist. Es gibt auch Momente, wo ich mir nicht einrede, sondern tatsächlich glaube, dass eigentlich alles ganz ok ist.


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14 Gedanken zu “Wenn ich mir wünsche, dass andere nicht glücklich sind

  1. Hey Julia, ich kann den Pessimisten in dir gut verstehen! Wenn die Welt im Innen so grau erscheint und man im Außen dann die Farben sieht, ist es wohl der naheliegendste Lösungsversuch der Psyche, das Außen auch ein bisschen grauer zu machen, damit der Spagat nicht mehr so groß ist!
    Mir hat es mal sehr geholfen, als ich verstanden hab, dass auch alles Ungeliebte an mir das Ergebnis eines Lösungsversuches meiner Seele ist und dass die ungeliebten Anteile in mir deshalb eigentlich ursprünglich mal als Helfer agiert haben! Wenn ich jetzt die Ungeliebten Anteile umarme anstatt sie zu bekämpfen, dann können wir zusammen nach einer neuen Lösung suchen. Hab die Erfahrung gemacht, dass das innere Spannung löst und mich näher zu mir selbst bringt.
    Was ich damit sagen will: Dein Pessimist hat eine Funktion und die darfst du würdigend anerkennen während du gleichzeitig nach einer alternativen Lösung Ausschau hältst.
    Ich hab die Erfahrung gemacht, dass diese Lösung in der Regel im Innen zu finden ist. Wenn du dort die Farben wieder entdeckst, dann ist die Spannung zum Außen nicht mehr so groß und der Pessimist ist nicht mehr notwendig.
    Ich wünsche dir ganz viele Farben! 🙂 LG

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich finde, was du schreibst, ergibt absolut Sinn. Ich bin auch jemand, der absolut nichts davon hält irgendetwas bekämpfen zu müssen. Allerdings muss ich mir immer wieder bewusst machen, dass auch die von mir ungeliebten Seiten eine Funktion haben. Danke, dass du mich daran erinnerst und mir auch Hoffnung gibst, dass es eine Lösung gibt.
      Liebe Grüße

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  2. Josi

    Ich kenne das auch. In besonders negativen Phasen kann ich auch einfach Positives nicht annehmen, das kommt mir dann alles lächerlich vor. Mir hilft es dann, wenigstens auf neutral zu gehen. Also anstatt „Morgen ist alles besser!“ – „Morgen wird es anders.“… Ich finde es gut, dass du öffentlich über sowas sprichst. Ich denke, dass die meisten Menschen solche Gedanken haben. Aber die wenigsten geben das zu. Ich finde es auch vollkommen ok, sich eine Pause von den positiv scheinenden Leuten zu nehmen, solange man sich nicht komplett in ein depressives Loch vergräbt, sondern einfach den eigenen Alltag für sich neutral wahrnimmt.

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    1. Den Zugang mit der Neutralität finde ich super, sozusagen so ein Mittelding zwischen negativ und positiv. Ich denke auch, dass solche Gedanken recht vielen Menschen irgendwann mal begegnen. Aber ich muss auch sagen, dass ich recht unsicher bin, wenn ich über so etwas schreibe, weil ich mich dann angreifbar mache. Solche lieben Worte, wie die deinen, bestärken mich jedoch darin, dass ich das Richtige tue.

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  3. Du schreibst so ehrlich, Julia, das fasst mich buchstäblich an. Und ich kann Deine Empfindungen sehr gut nachvollziehen, und um es Dir sehr persönlich von meiner Seite zu sagen: Es ist nichts daran zu verurteilen. – Dafür hinterfragst Du Dich viel zu kritisch und bist Du viel zu sehr Mensch, der anderen nie bewusst einen Schaden oder einen Nachteil zufügen würde.

    Ich möchte einen eigenen, schon vor ziemlich langer Zeit von mir verfassten Text mit Dir teilen, Julia. Darin schreibe ich, weshalb ich nicht mehr neidisch bin. WIRKLICH nicht! Weshalb und seit wann ich Neid nicht mehr kenne, weder materiellen noch sonstigen. Du findest den Texgt, wenn Du nachfolgenden Link anklickst:

    https://gedankenorbit.wordpress.com/2011/10/05/neid-11968834/

    Etwas muss und möchte ich noch hinzufügen:

    Ich bin durch meine Therapien aber auch durch Selbstreflexion zu der Erkenntnis gelangt, dass viele der Ursachen, wie ich empfinde, für meine Depressivität, für meine Ängste, für meine Irrationalität in mir selbst liegen. Sie sind nicht alle von mir begründet. Aber sie sind in mir, sie sind ICH. Es macht keinen Sinn, andere Menschen dafür verantwortlich zu machen. Mit „neidisch sein“ wäre ich aber mindestens auf dem Weg, genau das zu tun. Aber die Formel: „Weil du glücklich bist, bin ich unglücklich“, geht nicht auf.

    Die Natur ist so schön, manches Lied zu berührend, mancher Text so wundervoll, mancher Mensch so lieb, dass mir das geradezu weh tut. Weil es so SCHÖN ist! –

    Die Natur, das Lied, der Text, der Mensch, sie können so gar nichts dafür, nichts für meinen Schmerz … Wie sollte ich da neidisch auf sie sein?

    Ich lasse Dir ganz liebe Grüße hier, und, wenn ich denn darf, auch eine Umarmung!

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    1. Du hast immer so eine wundervolle Art Dinge auszudrücken! Vielen Dank, dass du deine Gedanken hier mit uns teilst!

      Ich werde den Text mit Neugierde lesen. Für mich klingt es unvorstellbar gar keinen Neid mehr zu empfinden. Aber wie du auch schreibst: Eigentlich bringt es niemandem etwas. „Weil du glücklich bist, bin ich unglücklich“…das bringt es so gut auf den Punkt bzw. beschreibt so gut wie absurd Gefühle doch manchmal sind. Was nicht heißen soll, dass sie keine Daseinsberechtigung haben.

      Ich versuche, dass was du beschreibst in meinen Alltag mitzunehmen und mir bewusst zu werden, dass die Menschen um mich herum nichts dafür können wie ich mich gerade fühle.

      Ganz liebe Grüße und einen guten Start in die Woche!

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      1. So weit würde ich nun freilich gar nicht gehen. Menschen KÖNNEN schon mit die Ursache dafür sein, wie ich fühle. Das hängst für mich insbesondere mit dem gegenseitigen Umgang zusammen. Wenn ich beschimpft, beleidigt werde, wenn ich spüre, dass ein respektvolles, rücksichtsvolle miteinnder Umgehen nicht möglich ist, wenn ich vor allem Hass, Eigennutz und Machtstreben wahrnehme, dann ist das zumindest mit Grund dafür, dass ich mich nicht gut fühle. – Das gilt übrigens auch, wenn solcher Umgang nicht gegenüber mir, sondern gegenüber anderen Mitmenschen ausgeübt wird.

        Und dieses Fühlen, dieses Empfinden kann sehr wohl Unzufriedenheit in mir auslösen. Die allerdings wierderum nichts mit Neid zu tun hat.

        Was ich sagen will: Nicht jedes eigene Fühlen kommt nur allein aus mir. „Katalysatoren“ von außen gibt es schon.

        Aber wie ich hier und in meinem „Neid“-Essay schon angedeutet habe. Dass andere Menschen womöglich glücklicher sind als ich, dass sie andere Besitztümer haben, dass sie erfolgreicher sind, DAS allein löst in mir weder Neid noch andere negative Gefühle aus. Nicht mehr …

        Dankeschön für Dein großes Kompliment da oben, das hat mich sehr berührt.

        Komm auch Du gut in die neue Woche – liebe Grüße an Dich!

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      2. Da hast du natürlich Recht. Es kann auch von außen Auslöser geben. Ich habe mich jetzt bezogen auf Neid bzw. viel mehr dieses Glück der anderen, was in mir einfach nur durch das Wissen, dass sie zufrieden sind, negative Gefühle auslöst. Dass hier andere nichts dafür können wie ich mich fühle, ist ein guter Gedanke. Vielleicht hilft es mir ja, wenn ich mir das immer wieder bewusst mache.

        Ich wünsche auch dir eine gute Woche und ganz liebe Grüße!

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  4. Liebe Julia, erst einmal finde ich es toll, dass du darüber so offen sprichst und ganz ehrlich erzählst, wie es dir geht! Auch wenn du diese Charaktereigenschaft nicht an Dir magst, gestehst du dir ein, dass du sie hast und das finde ich gerade sehr authentisch und sympathisch 😊. Außerdem kann ich dich beruhigen: Mir geht es oft genauso… 🙈 Noch genauer gestern war ich in einer solchen Situation, als ich auf einer Party voller glücklicher Pärchen war. In diesem Moment dachte ich mir einfach: Ach man, das ist doch scheisse, warum hab ich das nicht usw. Neben Neid muss ich jedoch zugeben, dass ich mir sogar auch manchmal wünsche, dass andere Leute etwas nicht haben. Allerdings habe ich vor kurzem einen tollen Satz gelesen:

    „Das wirklich dumme am Menschen ist ja, dass er sich immer einbildet, ihm würde was genommen, wenn ein anderer was bekommt.“

    Seitdem versuche ich immer, wenn ich diesen Gedanken habe, mir diesen Satz ins Gedächtnis zu rufen. Als ob Glück auf das Welt in einer bestimmten Menge zur Verfügung stehen würde (wie ein Rohmaterial) und dann auf die Menschen verteilt werden würde. Dieser Gedanke hilft mir ungemein! Es ist sowieso sinnlos, sich auf das Leben anderer zu konzentrieren… und wie du schon sagst: das meiste ist Interpretation. Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die auch schon auf dich das ein oder andere mal auf das, was du hast, neidisch gewesen sind. Toller Blogeintrag! 😊

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    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und auch für deine Offenheit! Es ist wahrscheinlich tatsächlich eine Eigenschaft, die jeder früher oder später mal empfindet.

      Den Satz finde ich großartig und wird auch für mich ab sofort als kleiner Reminder in meinen Kopf aufgenommen. 🙂 Er bringt tatsächlich super auf dem Punkt, was bei mir oft dahinter steht. Wie komplex und absurd unser Gehirn doch manchmal denkt.

      Liebe Grüße

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  5. Wenn es denn wirklich der klassische Neidreflex ist, kannst Du immer noch beeinflussen, wie Du reagierst. Oder anders gesagt: Statt Neid in Mißgunst münden zu lassen könntest Du auch Neid als Sehnsuchtsform verstehen und als Antrieb, etwas AUCH zu haben/bekommen/fühlen. (Dann muß es dem Anderen nicht schlechter gehen und Dir geht’s besser. Deal? 🙂 )
    Liebe Grüße!

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