Der Hype um CBD und ob es wirklich wirksam ist (ein etwas anderer Beitrag)

Heute widmen wir uns auf diesem Blog einem etwas anderen Thema als sonst. Wie ihr vielleicht wisst, studiere ich mittlerweile im Master Psychologie und gezeichnet von meinem Studium hinterfrage ich gerne, woher denn genau Aussagen kommen wie „Dieser Wirkstoff/diese Therapie ist sehr hilfreich gegen Symptom xy.“ Ist es „nur“ persönliche Erfahrung? Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen oder ist es schlichtweg ein Marketingtrick?

Eine ähnlich kritische Haltung hatte ich auch CBD gegenüber, dem „guten“ Stoff aus der Hanfpflanze (im Gegensatz zu THC). In letzter Zeit scheint es mir so als würde auf den Sozialen Netzwerken ein regelrechter Hype über diese in Deutschland als „Kosmetika“ oder „Nahrungsergänzungsmittel“ angebotene Cannabis-Produkte entstehen. (Quelle: Cannabidiol-Produkte bald in der Apotheken-Freiwahl?)

Und immer, wenn ein Hype um etwas entsteht, bin ich erst mal eher abwertend unterwegs: „Ja, mal sehen wie lange es sich tatsächlich hält!“ Sprich, ich neige mich dann schnell von solchen Dingen ab. „Aber warum schreibst du dann hier davon?“ Das ist eine sehr gute Frage, lieber Leser.

Vor einer Woche schrieb mich Jona Decker an, um mich im Namen seines Studententeams zu fragen, ob ich nicht daran interessiert wäre, ihre Forschungsergebnisse der Studie CBD bei Patienten mit Angststörungen zu veröffentlichen.

Da es tatsächlich noch wenig wissenschaftliche Nachweise zur Wirkung von CBD zum Einsatz bei Angststörungen gibt, ich als Betroffene einer Sozialen Phobie immer an alternativen Behandlungsmöglichkeiten interessiert bin und sozusagen Kommilitonen immer gerne unterstütze, komme ich diesem Anliegen gerne nach.

Überblick der Ergebnisse der Studie

Wer gerne einen vertieften Einblick in die Studienergebnisse möchte, kann sich gerne die PDF oder die Website des Forscherteams ansehen.

Hier kommt eine Kurzusammenfassung der Ergebnisse:

  • 17 von 19 Probanden mit Angststörung (Sozialer Phobie) wiesen nach 30-tägiger Anwendung mit CBD-Öl verbesserte Angstwerte auf (32 % Verbesserung).
  • 18 Probanden mit Angststörungen (Sozialer Phobie) wurden einer Placebo-Gruppe zugewiesen (sprich sie erhielten im Glauben mit dem echten Medikament behandelt zu werden Rapsöl) und diese Gruppe zeigte keine Verbesserung der Angstwerte.

Fazit: CBD scheint bei Angststörungen tatsächlich wirksam zu sein.

Was machen diese Ergebnisse mit meiner Meinung?

Ich finde es großartig, dass sich CBD auch wissenschaftlich angenommen wird, denn eigentlich muss ein Wirkstoff sehr gut untersucht werden, bevor er als Medikament auf den Markt kommt. CBD-basierte Produkte haben jedoch hier dieses Hindernis überwunden, indem sie sich als Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetikum einordnen. Das finde ich kritisch, da gerade die Nebenwirkungslage von CBD noch recht schlecht untersucht ist.

Das Forschungsteam sagt in ihrem Fazit selbst, dass CBD in der Gesellschaft noch den Status einer Droge hat. Und zu dieser Gesellschaft konnte ich mich bis vor Kurzem auch noch zählen. Dass das falsch ist, weiß ich nun, nachdem ich mich mit der Studie und dem Stoff an sich etwas genauer beschäftigt habe.

Ich würde mir in Zukunft noch mehr Forschung in diesem Bereich wünschen (was auch bestimmt passieren wird), denn viele Menschen stehen einer Behandlung von Psychopharmaka sehr kritisch gegenüber und vielleicht hat CBD (neben Psychotherapien natürlich) das Potential für diese Menschen eine alternative Behandlungsmöglichkeit darzustellen.

Hier noch einmal der Link zu der Website, wo die komplette Studie schön zusammengefasst ist: https://www.cbd-anxiety-study.com/

Und zur Klarstellung (weil man das ja heutzutage so machen muss): Ich teile diese Forschungsergebnisse, weil ich sie interessant finde. Ich wurde von niemandem beauftragt oder bezahlt.

Gebt mir gerne Feedback: Was haltet ihr von solchen Beiträgen? Sind sie zu „psychologisch“? Wollt ihr sowas öfter lesen oder eher nicht?


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19 Gedanken zu “Der Hype um CBD und ob es wirklich wirksam ist (ein etwas anderer Beitrag)

  1. Anonymous

    Einige Bekannte von mir schwärmen in letzter Zeit auch davon – hier sei es vor allem im Bereich Linderung hartnäckiger chronischer Schmerzen und Stressreduktion hilfreich gewesen.

    Mir selbst wurde solch ein Fläschchen mal geschenkt und vielleicht mag bei mir der „umgekehrte Placeboeffekt“ eingetroffen sein – ich bin ähnlich wie Du solchen „Wundermitteln“ gegenüber skeptisch -, jedenfalls hat es gegen meine Schmerzen nicht geholfen.

    Die von Dir beschriebene Studie bezüglich Angststörung macht mich allerdings neugierig und wünschenswert wäre auf jeden Fall weitere Forschung, an deren Ende die Zulassung als Arzneimittel und am Ende auch die Möglichkeit steht, sich das Mittel verschreiben zu lassen. Denn: selbst wenn es bei mir helfen würde, könnte ich mir die doch recht teuren Tropfen auf Dauer nicht leisten – bei sozialer Angststörung müsste CBD ja wohl sicher regelmäßig eingenommen werden. Und so wie mir wir es wohl vielen anderen auch gehen …

    Ich fand Deinen Beitrag jedenfalls lesenswert und interessant. Meinetwegen „darfst“ Du gerne weitere Beiträge dieser Art folgen lassen.

    Herzliche Grüße zu Dir
    Agnes

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      1. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie tatsächlich den berauschenden Teil von Cannabis konsumiert haben. Der Stoff THC kann Psychosen auslösen und gerade „anfällige“ Personen können hier sehr empfindlich reagieren. CBD, scheinbar schmerzlindernd und eventuell angstlösend, ist ein weiterer Stoff in der Hanfpflanze (da gibt es noch viel mehr und es gibt auch unterschiedliche Pflanzenarten, z.B. kann man meines Wissens auch bestimmte Sorten legal pflanzen). Ich hoffe ich habe mit meiner Erklärung nicht noch mehr Verwirrung gestiftet. 🙂

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    1. Danke für deinen Erfahrungsbericht, Agnes. Ich glaube, dass CBD ursprünglich für Schmerzlinderung eingesetzt wurde. Und auch das mit der Stressreduktion hab ich schon gehört.

      Wenn es tatsächlich wirksam ist, dann denke ich, dass es bestimmt nicht bei jedem Menschen hilft. Das ist ja bei so gut wie jedem Medikament der Fall, wenn man CBD denn als Medikament bezeichnen möchte.

      Der Kostenfaktor ist tatsächlich ein sehr guter Punkt. In der Studie meine ich mich zu erinnern, dass sie aus Kostengründen eine geringere Dosis gewählt haben, als in den vorangegangenen Untersuchungen.

      Ich bin gespannt wie die Entwicklung mit CBD weitergeht. Und wenn es sich ergibt, werde ich gerne wieder über psychologische Forschung schreiben. 🙂

      Liebe Grüße
      Julia

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  2. Soweit ich das bisher mitbekommen habe, wirkt CBD als Stoff bei eher komplexeren Krankheiten – bei Schwindel oder Schmerzen, die als Folge einer anderen Hauptkrankheit auftreten. Primär, glaube ich, adressiert es die neurologische Schiene. Kann aber auch sein, dass es generell in irgendeiner Form Entzündungen entgegen wirkt…
    Bisher ist das natürlich noch sehr undurchsichtig, was mitunter auch daran liegt, in was der Stoff von Natur aus enthalten ist (Cannabis) und dass eine Forschung dadurch oft nur am Rande der Legalität stattfinden kann, weil dieses nach wie vor nur als die berauschende Droge angesehen wird (wobei realistisch dafür nur das THC verantwortlich ist; die restlichen Bestandteile der Pflanze sind in diesem Punkt unbedenklich; aus der gegengeschlechtlichen Pflanze, die das Rauschmittel nicht enthält, lassen sich sogar Fasern herstellen wie bei Baumwolle).

    Als „Wunderwaffe“ sollte man es natürlich nicht sehen, eher als einen Zusatz zu bisherigen Behandlungsmethoden.

    Dass CBD-Produke als „Kosmetika“ und als „Nahrungsergänzungsmittel“ angeboten werden, der Gedanke befremdet allerdings doch ziemlich.
    Ist zwar gut für Leute, denen es hilft, dass sie eine legale Möglichkeit haben, daran zu kommen – dafür allerdings ist es dann eine Selbstbehandlungsmethode (die nicht unbedingt gelingen muss!) und etwas, was aus der Versorgung durch das Gesundheitssystem wieder in den Privatbereich ausgegliedert wird. Und gerade letzteres sollte eigentlich nicht der Fall sein, denn wozu wurde das mal erfunden?

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    1. Du führst sehr wichtige Punkte an! Dass CBD psychiatrisch eingesetzt wird, ist, glaube ich, tatsächlich relativ neu. Und auch, dass es Schwierigkeiten gibt es zu erforschen, ist natürlich ein Problem und verzögert den Prozess wissenschaftlich gestützte Wirknachweise zu bekommen.

      Du hast absolut recht. Wenn es denn tatsächlich eine legitime Behandlungsmethode ist, dann sollten nicht Privatpersonen dafür die Kosten tragen. Aber dafür ist es eben einfach zu neu. Meiner Skepsis ist das allerdings nicht wirklich zuträglich, dass es „nur“ als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben wird.

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      1. Es ist ja mit manchen Teesorten so, dass diese zum Beispiel gegen bestimmte Beschwerden helfen oder bei Erkältungen, und man kriegt sie als gewöhnliches Nahrungsmittel zu kaufen.
        Da geht das, weil es so ziemlich keine Nebenwirkungen hat, diese zu konsumieren oder für etwas anderes einzusetzen (es sei denn, man hat Überempfinglichkeiten gegen eine spezielle Sorte oder es war das Falsche für das jeweilige Leiden, was man damit behandeln wollte).
        Darum spricht da nichts dagegen, sie so zu verkaufen. Sonst sind sie immerhin auch nur ein „Genussmittel“, dass für jedermann geeignet ist.
        CBD wirkt dagegen wieder komplexer, und gerade weil noch nicht genauer geklärt ist, was es eigentlich bewirkt, gehört es eigentlich nicht in die Abteilung „Nahrungsmittel“. Hinterher gibt es irgendwann Leute, die durch Überdosierung sterben oder ähnliches…

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      2. Das sehe ich ganz genauso. Ich habe im Grunde nichts dagegen, wenn CBD als Nahrungsergänzungsmittel angeboten wird. Allerdings müssen hier gerade die Nebenwirkungen genauer geklärt werden. Und da es ja scheinbar doch stärkere Wirkungen hat wie z.B. Tee würde es vom Wirkungsgrad wahrscheinlich eher unter Medikament fallen. Naja, aber wie gesagt, egal als was es angeboten wird, es sollte klar sein, was es im Körper bewirkt – im positivem wie im negativem Sinne.

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  3. Das verwirrt mich, weil ich weiß, dass Cannabis bei empfindlichen Personen Psychosen hervorrufen kann. Kenne aicj Leute, die nach dem Konsum in Psychiatrie gelandet sind, waren allerdings minderjährig.

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  4. Danke für diesen erhellenden Text! Die Ergebnisse der Studie sind in der Tat vielversprechend, auch wenn die Teilnehmerzahl natürlich zu niedrig ist für Verallgemeinerungen. Ich nehme CBD-Öl seit einigen Monaten und kann sagen, dass die erhältlichen Sorten bei mir unterschiedliche Wirkungen haben. Es kommt wohl entscheidend auf die Hanfsorte an, die für den Extrakt genommen wird. Man spricht ja vom „Entourage-Effekt“. Erst kürzlich las ich, dass CBD-Liquid (natürlich ohne Nikotin!) eine noch bessere Wirkung haben soll, weil der Dampf schneller und gründlicher ins Blut gehe. Werde ich auch mal ausprobieren.
    Herzlicher Gruß
    Detlef

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    1. Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht, Detlef! Dass die Wirkung u.a. stark auf die Hanfsorte ankommt, kann ich mir gut vorstellen. Von CBD-Liquid habe ich bisher noch nicht gehört, aber es erscheint mir logisch, dass dadurch eine schnellere Wirkung möglich ist. Alles Gute!

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