Essen als Emotionskontrolle – das einzig wirksame Mittel

Essen hat für mich eine viel größere Bedeutung als die überlebensnotwendige Energiezufuhr. Über die Jahre hinweg, manifestiert in meiner Essstörung, ist die Nahrungsaufnahme zu einer „Lösung“ für alles geworden.

Viele Menschen verbinden Essen mit Genuss. Der Geschmack eines leckeren Essens löst positive Emotionen aus. So ist unser Gehirn gemacht. Wären wir als Höhlenmenschen nicht motiviert gewesen uns Nahrung zu suchen, würde es die Menschheit heute nicht geben. Die positiven Auswirkungen von Essen auf die Botenstoffe in unserem Körper haben uns dabei geholfen die mühsame Nahrungsbeschaffung auf uns zu nehmen. Dieses System besteht bis heute – auch wenn es in unserer westlichen von Lebensmitteln überschwemmten Welt nicht mehr unbedingt notwendig ist.

„Food: the good girl´s drug“, dieser Buchtitel von Sunny Sea Gold beschreibt in wenigen Worten perfekt meine Beziehung zum Essen. Ich habe die positiven Emotionen, die mit der Nahrungsaufnahme verbunden sind zweckentfremdet. Ich esse immer, wenn etwas nicht gut läuft. Weiterlesen „Essen als Emotionskontrolle – das einzig wirksame Mittel“

Soziale Phobie – Warum ich leise, schnell und undeutlich spreche

Diese Woche habe ich ein sechswöchiges Praktikum begonnen und neben der Tatsache, dass es mir als Person mit sozialen Ängsten ohnehin unglaublich schwer fällt mit so vielen neuen Menschen und Situationen konfrontiert zu sein, habe ich auch bezüglich meines Sprachstils so einiges festgestellt.

Eigentlich bin ich sowieso eher die Zuhörerin als Sprecherin. Gerade, wenn mehr als eine Person anwesend ist, halte ich lieber meine Klappe und höre einfach zu, was die anderen zu sagen haben. Ich glaube, dass ich in einem Vier-Augen-Gespräch eine ganz nette Gesprächspartnerin bin, wenn ich mal etwas Vertrauen gefasst habe. Aber in größeren Gruppen möchte ich mich am liebsten unter den Gesprächen der anderen hinwegducken. Weiterlesen „Soziale Phobie – Warum ich leise, schnell und undeutlich spreche“

Der Hype um CBD und ob es wirklich wirksam ist (ein etwas anderer Beitrag)

Heute widmen wir uns auf diesem Blog einem etwas anderen Thema als sonst. Wie ihr vielleicht wisst, studiere ich mittlerweile im Master Psychologie und gezeichnet von meinem Studium hinterfrage ich gerne, woher denn genau Aussagen kommen wie „Dieser Wirkstoff/diese Therapie ist sehr hilfreich gegen Symptom xy.“ Ist es „nur“ persönliche Erfahrung? Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen oder ist es schlichtweg ein Marketingtrick?

Eine ähnlich kritische Haltung hatte ich auch CBD gegenüber, dem „guten“ Stoff aus der Hanfpflanze (im Gegensatz zu THC). In letzter Zeit scheint es mir so als würde auf den Sozialen Netzwerken ein regelrechter Hype über diese in Deutschland als „Kosmetika“ oder „Nahrungsergänzungsmittel“ angebotene Cannabis-Produkte entstehen. (Quelle: Cannabidiol-Produkte bald in der Apotheken-Freiwahl?)

Und immer, wenn ein Hype um etwas entsteht, bin ich erst mal eher abwertend unterwegs: „Ja, mal sehen wie lange es sich tatsächlich hält!“ Sprich, ich neige mich dann schnell von solchen Dingen ab. „Aber warum schreibst du dann hier davon?“ Das ist eine sehr gute Frage, lieber Leser. Weiterlesen „Der Hype um CBD und ob es wirklich wirksam ist (ein etwas anderer Beitrag)“

Wenn ich mir wünsche, dass andere nicht glücklich sind

Der heutige Beitrag stammt aus der Kategorie „Ich wünschte, ich hätte diese Eigenschaft nicht“ (wenn ihr noch einen aus dieser Kategorie lesen wollt, nur zu: Neid und Ich).

Es spricht der Pessimist in mir

Dass ich ein recht großer Pessimist bin, ist kein Geheimnis und dass ich mir das Leben damit nur selbst schwer mache, ist mir auch bewusst. Aber umso mehr ich in meiner negativen Spirale feststecke, desto mehr stört mich alles Positive. Ja, ich blicke dann auf Positives so missachtend herab als hätte es die allgemeingültige Grausamkeit der Welt nicht ganz verstanden.

Und jedes Mal, wenn ich in so einer Negativ-Phase positive Menschen sehe, dann kommt da ein bunter Mix an Gefühlen bei mir hoch. Weiterlesen „Wenn ich mir wünsche, dass andere nicht glücklich sind“

Warum Therapeuten mich eigentlich nicht behandeln sollten

Ich hatte vor Kurzem ein Uni-Seminar, wo ein sehr erfahrener Chefarzt seine Meinungen ausführlich mit uns Studierenden geteilt hat. Und ich muss sagen, dass ich es immer sehr schätze, wenn Menschen aus dem Nähkästchen plaudern. Allerdings fand ich auch einige seiner Aussagen etwas kritisch.

Besonders als es zur Versorgungslage von stationärem, aber auch ambulanten Angebot für psychisch Kranke kam, musste ich erst einmal tief Luft holen. Weiterlesen „Warum Therapeuten mich eigentlich nicht behandeln sollten“

Warum ich von mir Großes verlange und andere einfach leben lasse

Ich kann leider nicht sagen, dass ich recht liebevoll mit mir umgehe. Da wäre zum einen die Sache, dass ich viel von mir verlange – viel zu viel. Ich sollte in allem eigentlich immer sofort besser sein als 99% aller Menschen. Zum anderen habe ich eine – nett ausgedrückt – schwierige Beziehung zu meinem Körper und mich wundert es regelmäßig, dass ich noch ziemlich beschwerdefrei durchs Leben wandere. Dazu bin ich konstant gestresst, weil ich immer denke dieses und jenes noch tun zu müssen. Spaß und Freude haben recht wenig Platz. Alles in allem also ein Lebensstil, den man nicht gerade mit „Self-Care“ betiteln würde.

Wenn andere mir erzählen, dass sie eine bestimmte Sache in ihrem Leben belastet oder ihnen irgendetwas nicht gut tut, bin ich meist schnell auf ihrer Seite und rate sich erstmal zurückzunehmen und auf sich zu achten. Schließlich ist körperliche sowie psychische Gesundheit das wichtigste. Ich unterstütze andere dabei auch mal nichts zu tun und nur ihren liebsten Aktivitäten nachzugehen. Erfolg ist überbewertet. Merkt ihr was? Weiterlesen „Warum ich von mir Großes verlange und andere einfach leben lasse“

Ein Schritt aus meiner Komfortzone: Ich war in einer Radiosendung

Vor fast zwei Wochen war ich in der Sendung „Ab 21“ bei Deutschlandfunk Nova zu Gast. Ich habe dort über meine Soziale Phobie berichtet. Hier geht es zur Sendung: Was soziale Phobien mit uns machen. Der Grund, warum ich den Link dazu erst jetzt mit euch teile, hat zwei (naja, eigentlich drei) Gründe:

1. Ich habe bisher schon zwei Mal bei anderen Podcasts mitgemacht und mir diese nie angehört. Weiterlesen „Ein Schritt aus meiner Komfortzone: Ich war in einer Radiosendung“

6 Ursachen für meine Fressanfälle

In letzter Zeit habe ich mich immer wieder damit beschäftigt, was denn eigentlich meine Essattacken auslöst. Für alle, die nicht wissen wovon ich gerade spreche: Hi, ich bin Julia und ich leide unter Binge Eating – einer Essstörung, wo man bei Fressanfällen unkontrolliert große Mengen an Essen zu sich nimmt, bis der Bauch schmerzt. Anders als bei der Bulimie, wird die massive Essensaufnahme jedoch nicht wieder kompensiert z.B. durch Erbrechen, Sport oder Abführmittel (Genaueres zu den unterschiedlichen Essstörungen findest du HIER).

Ich möchte in diesem Beitrag die mir bisher bekannten Gründe aufführen, warum es zu meinen Fressanfällen kommt. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen, dass dies MEINE Gründe sind und die Ursachen von Essanfällen so unterschiedlich sind wie die Personen, die sie betreffen. Es gibt nicht DIE Ursache oder DEN Auslöser. Das ist immer sehr individuell.

  1. Anspannung/Ängste

Weiterlesen „6 Ursachen für meine Fressanfälle“

Warum ich im Internet so offen spreche und im „echten“ Leben verschlossen bin

In der letzten Woche wurde ich von Außenstehenden, die von meinem Blog wissen (und das sind mittlerweile ungefähr eine Hand voll Menschen), ein paar Mal darauf angesprochen, warum ich denn im Internet so offen über meine (psychischen) Probleme sprechen kann und das im „echten“ Leben eher nicht so gern tue. Das war keineswegs als Vorwurf gemeint, sondern wurde mit dem Gedanken ausgesprochen, dass es für mich im Alltag dann ja wesentlich einfacher sein würde, wenn mein Umfeld von meinen Schwierigkeiten wüsste. Ja, aber…(Meine Uni-Seminarleiterin, die uns Gesprächsführungstechniken lehrt, würde mir für mein „ja, aber“ jetzt einen schiefen Blick zuwerfen.)

So einfach ist das leider nicht. Auch, wenn ich erst einmal überlegen musste, warum ich vergleichsweise sehr verschlossen in der „Realität“ agiere, sind mir letztendlich folgende Punkte eingefallen: Weiterlesen „Warum ich im Internet so offen spreche und im „echten“ Leben verschlossen bin“

Warum ich meine Essstörungs-Tagebücher weggeworfen habe

Als ich mit elf Jahren erstmals an Magersucht erkrankte ging für mich alles unglaublich schnell und ehe ich mich versah fand ich mich in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie wieder. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass meine Eltern und die Ärzte mit der Einweisung richtig gehandelt haben, aber nur der Gedanke an diese Zeit lässt mich erstmal tief Luft holen. Ohne Untertreibung zählen diese knapp eineinhalb Monate zu den schlimmsten meines Lebens und definitiv war es das für mich einschneidenste Ereignis überhaupt. In dieser Zeit habe ich jeden Tag, schon fast zwanghaft, mehrere Seiten Tagebuch geschrieben. Doch leider besitze ich diese Tagebücher nicht mehr… Weiterlesen „Warum ich meine Essstörungs-Tagebücher weggeworfen habe“