Mein Wochenende im „Bunker“

Meine Wochenenden laufen im Grunde immer ähnlich ab: Nachdem ich am Freitag nach Hause komme, erledige ich noch solche Dinge wie einkaufen, putzen und Wäsche waschen. Und dann kommt es nicht selten vor, dass ich meine Wohnung erst am Montag wieder verlasse. Kein Scherz! Ich verbringe tatsächlich meine Wochenenden oft alleine in meinen vier Wänden.

Alleine Großteils deshalb, weil ich zum Studieren von zu Hause ausgezogen bin und meine durch das Studium kennengelernten „Freunde“ nur unter der Woche in der Stadt sind und am Wochenende nach Hause fahren. Dieses nach Hause fahren ist für mich nicht wirklich eine Option, da ich um die fünf Stunden nach Hause brauche.

Warum ich meine Wohnung nicht verlasse? Das hat zwei Gründe: Zum einen sehe ich nicht wirklich die Notwendigkeit das zu tun, wenn mich draußen nichts Spannendes erwartet. Zum anderen bin ich am liebsten zu Hause, geschützt vor dieser bösen Welt da draußen. Ich kann mich gut alleine beschäftigen und das auch echt lange.

Dass meine Therapeutin von diesem Verhalten nicht so begeistert ist, kann man sich vorstellen. Wenn man sich ganze zwei Tage in seinen Zimmern einsperrt, sei es kein Wunder, dass meine Stimmung eher den Weg nach unten antritt.

Und sie hat schon irgendwie recht. Es hat was von eingesperrt sein. Zumal ich auch nach einer gewissen Zeit in meiner „Höhle“ Angst habe diese wieder zu verlassen. Gewohnheitstier eben und meiner sozialen Angst hilft das auch nicht gerade. Auch meine Stimmung ist am Wochenende nicht die beste. Ich freue mich meist, wenn die Woche wieder anfängt und ich endlich wieder raus „darf“.

Aber warum zur Hölle gehe ich nicht vor die Tür, obwohl es mir doch offensichtlich durch mein Verkriechen nicht gut geht? Ganz ehrlich, das weiß ich selber nicht so genau. Ich könnte es mir damit erklären, dass ich einen relativ stark ausgeprägten Selbstschädigungsdrang habe und besonders während meiner Magersuchts-Phase mich immer bestraft habe, indem ich mir nicht die kleinste Freude erlaubt habe und Leiden für mich die Norm war. Weiterlesen „Mein Wochenende im „Bunker““

Suizid ist wie Krebstod

Häufig trifft man ja auf den Vergleich, dass eine psychische Erkrankung im Grunde nichts anderes sei als ein gebrochenes Bein, nur das sozusagen im Gehirn was „gebrochen“ ist. Soweit kann ich zustimmen.

Nur beim weiteren Verhalten funktioniert diese Analogie für mich nicht mehr. Fährt man mit einem gebrochenen Bein unverzüglich zum Arzt, verhält es sich bei psychischen Erkrankungen meist anders. Man überlegt, ob die Lustlosigkeit und Traurigkeit nicht doch eine alltägliche Ursache hat und es bestimmt eh bald wieder weggeht. Ist schon nicht so schlimm.

Auch wie man mit den Erkrankungen in der Öffentlichkeit umgeht, unterscheidet sich stark. Geht man mit einem gebrochenen Bein unter die Leute, erhält man sofort Mitleid und die Leute zeigen Verständnis. Das wird dadurch unterstützt, da die Verletzung meist direkt sichtbar ist. Bei psychischen Erkrankungen herrscht nicht nur ein Stigma in der Gesellschaft, dass dazu führt, dass man meist seinen Kollegen nicht so offen über seine Depression erzählt. Oft sind psychische Störungen auch nicht auf den ersten Blick, oder auch den zweiten, zu erkennen.

Jetzt versuche ich mich mal an einer Analogie, die wahrscheinlich genauso lückenhaft ist, aber mir schon länger im Kopf herumspukt:

Ist Suizid nicht ein ähnlicher Vorgang, wie wenn ein Mensch an Krebs stirbt? Weiterlesen „Suizid ist wie Krebstod“

Was ich in der Psychiatrie gelernt habe!

Ich war ja bereits zwei Mal in einer Psychiatrie und einmal in einer psychosomatischen Klinik als Patient. Außerdem habe ich im Rahmen meines Psychologiestudiums, ein 8-wöchiges Praktikum in einer Klinik gemacht. Von beiden Warten aus, habe ich sehr viele Dinge gelernt. Einige davon möchte ich heute mit euch teilen:

  1. Jeder hat Probleme.

Klingt banal, aber das wirklich zu glauben ist eine andere Sache. Ich habe von mir selbst und auch von anderen Patienten immer wieder erlebt, dass man denkt, der Einzige mit diesem Problem zu sein. Das liegt einfach daran, dass unsere Welt so programmiert ist, immer zu versuchen das Positive zu präsentieren. Und auch, wenn man immer wieder den Satz hört: „Jeder Mensch hat Probleme!“, konnte ich ihn erst nach meinen Klinikaufenthalten wirklich verinnerlichen.

  1. Beziehungen sind alles im Leben.

Damit meine ich jede Art von Beziehung. Wir sind soziale Wesen und selbst als introvertierte Person mit sozialer Angst, kann ich nicht leugnen, dass mir Kontakt mit den richtigen Leuten guttut. Ich sage bewusst mit den richtigen Leuten, weil man gerade in Kliniken auf Menschen trifft, die eigentlich nicht wirklich daran interessiert sind gesund zu werden. Umgibt man sich aber mit Menschen, deren Ziel es ist ihre Krankheit hinter sich zu lassen, muss ich sagen, dass ich zum Teil auf, die aus meiner Sicht, liebevollsten und verständlichsten Menschen in der „Klapse“ getroffen habe. Man teilt Erfahrungen und spricht über Dinge die „draußen“ einfach nicht angesprochen werden dürfen. Da fragt man sich manchmal echt, wo denn jetzt tatsächlich die Verrückten sind… Weiterlesen „Was ich in der Psychiatrie gelernt habe!“

Meine Erfahrung mit Antidepressiva

Die Beziehung zwischen Antidepressiva und mir könnte man als schwierig mit hoher Abhängigkeit meinerseits beschreiben. Damit meine ich nicht abhängig im Sinne einer Sucht (dafür reicht mir schon meine Essstörung), sondern dass ich in manchen meiner Lebensphasen auf Medikamente angewiesen war, um überhaupt irgendwas auf die Reihe zu kriegen.

Aber fangen wir am Anfang an: Mit 11 das erste Mal wegen Magersucht in der Psychiatrie, habe ich auch in diesem Alter das erste Mal Erfahrungen mit Antidepressiva gemacht. Da mich diese Klinik, wie schon mal berichtet, als kleines dummes Kind, dass nicht essen wollte abgestempelt hat, wurden mir die Tabletten ebenso ohne Erklärung vorgesetzt. In meinem Zustand hätte ich angeblich sowieso nicht verstanden, warum ich sie nehmen sollte. Bis heute bin ich mir auch nicht ganz sicher, ob das in dem Moment richtig war, mir Zyprexa und Tresleen zu verordnen. Denn rückblickend betrachtet, war ich bloß in einer leichten depressiven Stimmung gefangen, weil ich einfach nur nach Hause wollte.

Und da kommt auch schon meine grundsätzliche Einstellung zu medikamentöser Behandlung psychischer Störungen durch. Ich bin da eher auf der Seite der Gegner. Damit meine ich, dass für mich zuerst andere Wege eingeschlagen werden sollten, bevor man Medikamente verschreibt. Ich glaube diese Einstellung kommt daher, dass ich bei meinen Psychiatrieaufenthalten immer erlebt habe, dass Patienten oft grundsätzlich was verschrieben wird, unabhängig von der Störung und häufog hat es für mich so gewirkt als würden die überforderten Ärzte ihre Patienten einfach ruhigstellen wollen. Weiterlesen „Meine Erfahrung mit Antidepressiva“

Die Geschwister Wut und Trauer!

Ich weiß sehr gut wie es sich anfühlt traurig zu sein. In meinen schlimmsten Phasen meiner Essstörung war es nicht selten, dass ich täglich in Tränen ausgebrochen bin. Gut, das war vielleicht nicht immer das klassische Traurig-sein, sondern oft viel mehr meine unendliche Verzweiflung. Aber diese Verzweiflung hat mich traurig gemacht und somit kann ich schon behaupten in dieser Zeit extrem traurig gewesen zu sein.

Somit war auch für mich ein sehr wichtiges Ziel in der Therapie immer meine Traurigkeit zu reduzieren. Doch meine Therapeuten hatten immer wieder eine andere Idee: nämlich, dass ich lernen sollte meine Wut und meinen Ärger wahrzunehmen. Weiterlesen „Die Geschwister Wut und Trauer!“

Ich bin traurig! Ich bin bestimmt depressiv!

Zuallererst: Vielen lieben Dank für eure tollen Kommentare zu meinem gestrigen Beitrag „Mitgefühl mit einem Mörder“! Ich war ganz überwältigt von der zahlreichen Rückmeldung! Ihr seid toll! ❤

Auf zu einem neuen Thema: 😉


Vor kurzem bin ich auf YouTube auf den Kanal des wunderbaren Elliott Tender gestoßen. Er berichtet unter anderen über Depression, psychische Erkrankungen und Queerfeminismus. Schaut mal bei ihm vorbei! Es lohnt sich! (Werbung Ende) 😉

Auf jeden Fall hat er in einen seiner Videos erwähnt, dass viele Menschen, also die nicht Betroffenen, Depression mit Traurigkeit gleichsetzen. Ich bin mir sicher, dass ihr folgendes so oder so ähnlich auch schon mal gehört habt: „Mir ist heute den ganzen Tag zu heulen zu Mute! Ich bin bestimmt depressiv!“

Dass eines der Hauptsymptome das sogenannte „Gefühl der Gefühlslosigkeit“ ist, haben diese Menschen wohl noch nicht mitbekommen. Gefühlslos bedeutet keine Gefühle und keine Gefühle bedeutet auch keine Traurigkeit zu fühlen.

cry-2010585_1920.jpg
by pixabay

Weiterlesen „Ich bin traurig! Ich bin bestimmt depressiv!“

Meine zahlreiche Therapieerfahrung – Teil 2

Falls ihr Teil 1 verpasst habt, kommt ihr hier zum Beitrag!

18 Jahre – Psychosomatische Klinik. Ich beginne Therapie zu verstehen.

In der psychosomatischen Klinik, in der ich 9 Wochen verbrachte, hatte ich 2x pro Woche Einzeltherapie. Mit meinem Vorsatz hier voll mitzumachen und nicht zu lügen, spürte ich plötzlich ein schleichendes Gefühl das flüsterte: Therapie hilft! Das war tatsächlich das erste Mal, wo ich den Nutzen einer Therapie spürte.

18 Jahre – Weiter geht’s mit ambulanter Hypnotherapie.

Auch nach diesem Klinikaufenthalt schloss sich eine ambulante Therapie an. Ist ja nichts Neues. Auch dieses Mal habe ich nach einigen Sitzungen abgebrochen. Ebenfalls nichts Neues. Meine Therapeutin war nun jedoch eine Hypnotherapeutin. Schon immer sehr fasziniert von Hypnose, war es mein Wunsch es mit dieser Art von Therapie zu probieren. Hart gesagt wurde ich enttäuscht. Etwas weniger hart gesagt habe ich mir das einfach anders vorgestellt. Ich glaube, dass ich damals auf eine Art Wunderheilung durch die Hypnose hoffte. Einmal hypnotisiert und zack – weg ist die Essstörung. Die Realität sah leider anders aus… Weiterlesen „Meine zahlreiche Therapieerfahrung – Teil 2“

Meine zahlreiche Therapieerfahrung – Teil 1

Ich habe in meinem Leben schon eine Menge Therapien gemacht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich erst 21 bin. Hier eine Kurzzusammenfassung davon – mit einer guten Portion Ironie:

11 Jahre – Psychiatrie

Meine erste „Therapie“ musste ich während meines stationären Aufenthalts in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie über mich ergehen lassen. Eigentlich sollte die Therapeutin meine Magersucht behandeln, stattdessen haben wir in jeder Stunde 45 Minuten der Zeit Karten gespielt. Kann man ja mit einem Kind machen! Ihr könnt euch vorstellen wie erfolgreich das war…

12 Jahre – 1. ambulante Therapie (wenn auch nur kurz)

Nach meinem Klinikaufenthalt musste ich natürlich eine ambulante Therapie machen. Nach zwei oder drei Sitzungen war ich jedoch der Meinung „austherapiert“ zu sein und verweigerte ein weiteres Hingehen. Mein mangelndes Durchhaltevermögen hab ich schon mal erwähnt oder? Das einzige, was mir von der Therapie in Erinnerung geblieben ist, war die bunte Wand hinter der Therapeutin.

17 Jahre – Magersucht und Abitur. Eine Therapie zum Überleben! Weiterlesen „Meine zahlreiche Therapieerfahrung – Teil 1“

Ich will nicht mehr…

Ich habe keine Lust mehr. Ich führe ein Leben, dass von Schatten geprägt ist, mit kurzen Lichtblicken. Ich will nicht, dass das so weitergeht. Ich will mir nicht jeden Tag etwas vornehmen und dann jedes Mal scheitern.

Sich immer einzureden, dass es besser wird, kann das Herz nicht glauben. Ständig wird es enttäuscht. Weiß ja gar nicht was es eigentlich will. Hin und her gezogen zwischen gesehen werden wollen und sich verstecken. Zerrissen im Wunsch geliebt zu werden und Angst vor der Welt zu haben. Angst neue Dinge auszuprobieren, aber Angst vor den Bewertungen anderer. Weiterlesen „Ich will nicht mehr…“