Essen auf dem Klo!

Stellt euch vor, ab sofort dürfte euch niemand mehr jemals dabei sehen wie ihr euch Essen in den Mund schiebt! Jegliche Nahrungsaufnahme müsste geheim gehalten werden. Essen im stillen Kämmerlein sozusagen! Klingt anstrengend? Ist es auch! Willkommen in meiner Realität im Januar 2014!

Ich habe es eigentlich während meiner Schulzeit im Gymnasium immer vermieden vor oder mit anderen zu essen. Mit „anderen“ sind meine Mitschüler und Gleichaltrige gemeint. Mit Menschen aus meinem engen Umkreis ging es mit der Zeit ganz gut. Wäre auch etwas schwierig gewesen sich am Essenstisch mit der Familie seinen Teller Nudeln zu schnappen und damit in sein Zimmer zu verduften.

Den Höhenpunkt dieses „Ich-vermeide-um-jeden-Preis-vor-anderen-zu-Essen“ fand dann bei meiner erneuten Magersuchtssphase statt. Falls ihr euch genauer für meinen Krankheitsverlauf interessiert, könnt ihr euch hier gerne meine Geschichte durchlesen.

Spätestens als ich einen Essensplan verschrieben bekam, um den Weg bis zum Abitur lebend zu überstehen, wurde das Ganze echt kompliziert. Ich hab mich noch mehr von meinen Mitschülern abgeschottet als ohnehin schon. Nur um unbeaufsichtigt mein trockenes Brötchen Stückchen für Stückchen zu inhalieren. Und das ist keine Untertreibung. Das Verspeisen eines Brötchens konnte ruhig mal 45 Minuten dauern. Ihr könnt euch vorstellen wie schwierig es ist in einer Schule für so lange Zeit eine menschenleere Stelle zu finden.

Hier wird es jetzt vermutlich für den ein oder anderen etwas eklig. Sorry, dafür. Aber ein Ort, wo man bekanntlich meist doch allein ist, ist die Toilette. Richtige Schlussfolgerung: Auf dem Klo kann ich in Ruhe alleine essen. Weiterlesen „Essen auf dem Klo!“

F*ck dich, Ana! – Liebes Tagebuch #1

Eine liebliche Überschrift oder? Ich habe mir gedacht, dass ich euch solche und mehr poetische Ergüsse aus meinen Tagebüchern nicht vorenthalten sollte. Und genau deshalb kommen in der Reihe „Liebes Tagebuch“ ab sofort immer wieder Beiträge, die aus meinen Tagebüchern entnommen sind, die ich während meiner schlimmsten Krankheitsphasen geführt habe, möglichst ungefiltert. Heute gehen wir mal ganz weit ins Jahr 2014 zurück und lauschen einer Kampfansage gegenüber meiner Anorexie:

Montag, 27.10.2014

Mir reicht es mit dir Ana! Du bist nicht mehr meine Freundin! Es kann doch nicht sein, dass ich von einem Apfel einen Heulkrampf bekomme. Alle wollen mir helfen, aber ich verschmähe die Hilfe. Falls es niemals besser wird, habe ich noch immer die Möglichkeit mich umzubringen. Klingt hart, aber nur mit dem Gedanken kann ich noch einmal versuchen zu kämpfen. Weiterlesen „F*ck dich, Ana! – Liebes Tagebuch #1“

Essensplan – Fluch oder Segen?

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by pixabay

Ich habe auf dem Weg aus meiner Essstörung schon alle möglichen Essensarten ausprobiert. Ich habe mindestens schon genauso viele „Essensplanumstellungen“ hinter mir, wie ein anderer Diäten.

Während meiner Magersucht war ich im Kalorien zählen ganz groß. Jeder kleinste Bissen wurde eingerechnet und ich hab meist 50 – 100 Kalorien draufgeschlagen, weil sicher ist sicher. Denn den bösen Lebensmittelkonzernen ist ja nicht zu vertrauen. Die machen ihre Produkte doch immer „leichter“ als sie sind. So zumindest damals meine Annahme. In diesem Artikel hab ich genauer beschrieben wie krass mein Essverhalten während meiner Magersucht tatsächlich war.

Während meines stationären Klinikaufenthalts wurde, suprise suprise, nach streng vorgegebenem Essensplan  gegessen. Also wurde mir praktisch meine Entscheidung wie viel ich esse abgenommen. Was erstmal wie eine Erleichterung klingt, war für mich aber ziemlich stressig. Abgesehen von den Mengen, die ich dort in nur 30 Minuten essen musste, war ich extrem damit beschäftigt nicht noch stärker an Gewicht zu verlieren. Und dass obwohl ich alles, was mir vorgesetzt wurde brav in mich hineingeschaufelt habe. Die Mengen waren, obwohl für mich gigantisch, für meinen ausgemergelten Körper anscheinend zu wenig und die Ärzte der Klinik haben das leider nur schwer verstanden und meine Zunahmeprobleme damit erklärt, dass ich ja eine manipulative Magersüchtige sei und garantiert nicht alles esse, was ich sollte. Weiterlesen „Essensplan – Fluch oder Segen?“

Ich weiß nicht, was mir schmeckt?

Ich esse oft unregelmäßig. Ich esse oft schnell. Ich esse oft viel. So weit, so bekannt. Dazu kommt aber noch ein Problem. Vor allem, wenn ich dann mal versuche „normal“ zu essen. Die Überschrift verrät es schon: Ich weiß nicht, was mir eigentlich schmeckt!

Würde man mich nach meinem liebsten Lebensmittel fragen, würden bei mir mal nur Fragezeichen aufleuchten, bis ich dann verwirrt antworte: „Ich mag eine ganze Menge Dinge ganz gern!“ Glaube ich zumindest…

question-mark-2123967_1920.jpg Weiterlesen „Ich weiß nicht, was mir schmeckt?“

Essstörungen: P wie Prävention (Gastbeitrag von Happy Kalorie)

Nach meinem 100. Beitrag geht´s gleich sehr spannend auf meinem Blog weiter! 😉

Denn heute gibt es den allerersten Gastbeitrag und der kommt von der lieben Michaela vom Blog Happy Kalorie! Sie betreibt wichtige Präventionsarbeit im Bereich Essstörung und da ich ihre Arbeit sowie ihren Blog großartig finde, freue ich mich sehr, dass sie einen Beitrag für meinen Blog geschrieben hat! Danke Michaela!

Lasst ihr auf jeden Fall ganz viel Liebe da! ❤


Essstörungen: P wie Prävention

Bevor ich zu meinem eigentlichen Anliegen komme, bedanke ich mich zu allererst ganz herzlich bei Julia vom lebenswelt.blog für die Möglichkeit, dass ich einen Gastbeitrag auf ihren Blog schreiben darf. Das macht mich deswegen happy, weil mir Julia ermöglicht, wieder etwas von der Aufmerksamkeit für mein präventives Projekt zu erhalten, die ich zwingend benötige. Eh´meine Lobhymnen peinlich werden, beende ich diese lieber. Danke Julia …

Nun zu mir: Ich mache mich im Namen von Happy Kalorie, für die Aufklärung und Prävention im Bereich Essstörungen stark. Der Kerngedanke von Happy Kalorie ist, mit direkten und klaren Worten über die Gefährlichkeit der stoffungebundenen Sucht aufzuklären, um den Blick für dieses gesamtgesellschaftliche Problematik zu sensibilisieren.

Der Kerngedanke ist das eine, die ignorierenden Sichtweisen das andere. Happy Kalorie kämpft aktuell nicht gegen Essstörungen, sondern vielmehr dafür, überhaupt wahrgenommen zu werden.

Aussagen wie: “An unserer Schule gibt es keine Essstörungen, deshalb brauchen wir eine Aufklärung nicht!” Oder: “In unserem Umfeld leidet keiner an einer Essstörung, also kann ich mir die Zeit sparen.” Oder: “Essstörungen sind nur ein albernes Verhaltensmuster, daran ändern auch Sie nichts.”, erschweren unsere präventive Arbeit.
Dazu kommt der katastrophale Schwerpunkt, dass ich mein Engagement nicht kostenfrei anbieten kann. “Ach, sie verlangen Geld? Na dann nehmen wir großen Abstand von Ihrem Angebot. Wir dürfen nur qualitativ hochwertige und vor allem kostenfreie Angebote in Anspruch nehmen. Auf nimmer Wiederhören!” Weiterlesen „Essstörungen: P wie Prävention (Gastbeitrag von Happy Kalorie)“

Meine Mutter und die Essstörung

Eine Person, die fast genauso stark an meinen psychischen Problemen mitleidet ist meine Mama. Bevor ich jedoch genauer darauf eingehe, zuerst einmal: DANKE LIEBE MAMA!!!!!!

Ich bin ein Mamakind. Schon immer habe ich einen engen Draht zu meiner Mutter. Sie war im Vergleich zu meinem Vater, der viel arbeitete, immer für mich da und hat mir stets Schutz gegeben. Ich habe von ihr Weltanschauung, Werte und Verhaltensweisen übernommen.

Blieb in meiner ersten Magersucht für mich relativ unklar wie es ihr ging, konnte ich bei meinem zweiten Absturz hautnah miterleben wie sie gelitten hat. Nur hat mich das aufgrund meiner Emotionslosigkeit damals wenig berührt.

mama-2077517_1920.jpg Weiterlesen „Meine Mutter und die Essstörung“

Meine zahlreiche Therapieerfahrung – Teil 2

Falls ihr Teil 1 verpasst habt, kommt ihr hier zum Beitrag!

18 Jahre – Psychosomatische Klinik. Ich beginne Therapie zu verstehen.

In der psychosomatischen Klinik, in der ich 9 Wochen verbrachte, hatte ich 2x pro Woche Einzeltherapie. Mit meinem Vorsatz hier voll mitzumachen und nicht zu lügen, spürte ich plötzlich ein schleichendes Gefühl das flüsterte: Therapie hilft! Das war tatsächlich das erste Mal, wo ich den Nutzen einer Therapie spürte.

18 Jahre – Weiter geht’s mit ambulanter Hypnotherapie.

Auch nach diesem Klinikaufenthalt schloss sich eine ambulante Therapie an. Ist ja nichts Neues. Auch dieses Mal habe ich nach einigen Sitzungen abgebrochen. Ebenfalls nichts Neues. Meine Therapeutin war nun jedoch eine Hypnotherapeutin. Schon immer sehr fasziniert von Hypnose, war es mein Wunsch es mit dieser Art von Therapie zu probieren. Hart gesagt wurde ich enttäuscht. Etwas weniger hart gesagt habe ich mir das einfach anders vorgestellt. Ich glaube, dass ich damals auf eine Art Wunderheilung durch die Hypnose hoffte. Einmal hypnotisiert und zack – weg ist die Essstörung. Die Realität sah leider anders aus… Weiterlesen „Meine zahlreiche Therapieerfahrung – Teil 2“