„Ich war depressiv!“ vs. „Ich bin depressiv!“ – Warum wir den Mut finden sollten unseren Mund aufzumachen, wenn es uns schlecht geht

„Also vor 10 Jahren war ich in einer richtigen Krise! Ich hatte Depressionen, keine Freunde, keine Hoffnung und ohne meinen Therapeuten hätte ich diese Zeit nicht überstanden! Es ist ein Wunder, dass ich heute hier vor dir stehe!“

Was würdet ihr gegenüber einer Person empfinden, die euch das erzählt? Würdet ihr Bewunderung verspüren? Diesen Menschen als stark beschreiben? Würdet ihr es vielleicht arrogant finden?

Also ich wäre definitiv im Team Bewunderung! Wenn jemand durch eine harte Zeit gegangen ist und trotzdem nicht aufgegeben hat, finde ich das toll und sehr stark! Was wäre jedoch, wenn man dieses ganze Szenario in Präsens setzen würde? Wenn es der Person jetzt nicht gut gehen würde? Meine Gefühle gegenüber der Person würden sich wandeln – wahrscheinlich in Mitleid und ich hätte das Bedürfnis ihr helfen zu wollen!

Das was ich hier beschreibe ist ein Kern-Problem der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen und durch eine kürzlich geführtes Gespräch ist mir erst klar geworden welch große Rolle das in meinem Leben spielt.

Es gibt viele Menschen, die versuchen durch ihre Erfahrungen anderen Menschen zu helfen, die gerade in ähnlichen Situationen sind. Auch ich möchte gerne eine solche Person sein. Das Problem? Ich kann nicht sagen, was ich gemacht habe, damit es mir besser geht, weil es mir noch nicht besser geht. Weiterlesen „„Ich war depressiv!“ vs. „Ich bin depressiv!“ – Warum wir den Mut finden sollten unseren Mund aufzumachen, wenn es uns schlecht geht“

Wie ich die Beziehung zu meiner Mutter zerstöre

Es gibt nur einen Menschen auf dieser Welt, mit dem ich ehrlich bin und während ich diese Worte schreibe, fällt mir auf, dass selbst das nicht 100% stimmt. Ich versuch es nochmal: Es gibt nur einen Menschen auf dieser Welt, mit dem ich ehrlicher bin als mit allen anderen: meine Mutter. Und selbst das war nicht immer so.

In meiner Familie wurde nie groß über Gefühle gesprochen oder darüber wie es einem geht. Das fällt mir natürlich erst rückblickend auf und ist absolut kein Vorwurf an irgendjemanden. Jeder ist wie er ist aufgrund seiner Vergangenheit. Trotzdem ist es eine Scheinwelt, die mir vorgespielt wurde, in der man nur positiv sein darf und Ängste oder Zweifel wenig Platz haben. Oder so empfand ich es zumindest. Wenn ich mich tatsächlich mal geöffnet habe, habe ich immer Unterstützung von meiner Mama bekommen – uneingeschränkt. Meine Mutter war immer für mich da und ist es immer noch. Das kann nicht jeder von sich behaupten und dafür bin ich sehr dankbar.

Meine Mama war immer eine starke Frau. Es gab, zumindest nach außen hin, nichts mit dem sie nicht fertig geworden wäre. Bis ich krank wurde. Ich erkrankte mit 11 das erste Mal an Magersucht und in dieser Zeit habe ich sie wütend gesehen und ich habe sie weinen gesehen. Zwei Dinge, die ich vorher nicht wirklich von ihr kannte. Das hat mich auf der einen Seite wachgerüttelt, was ich tatsächlich mit meinem Verhalten anrichte, aber andererseits auch erschreckt, weil ich gesehen habe, dass auch meine Mama unter großer Last brechen kann. Weiterlesen „Wie ich die Beziehung zu meiner Mutter zerstöre“

Warum mache ich das immer wieder? – Von Neuanfängen, Ängsten und Zweifeln

Ich bin in den letzten Tagen umgezogen. Nachdem ich meinen Bachelor in Psychologie abgeschlossen habe, bin ich jetzt für meinen Master in eine fremde Stadt gezogen, die ebenso weit weg ist von meiner Familie wie mein vorheriger Studienplatz.

Ich wollte das so. Ich wollte in einer anderen Stadt meinen Master machen. Noch einmal die Chance nutzen für zwei Jahre woanders zu leben ohne Bindung an einen Job, mit dem Wissen, dass der Aufenthalt (wahrscheinlich) zeitbegrenzt sein wird. Ich wollte mich selbst herausfordern, mir beweisen, dass ich es wieder kann ganz alleine Fuß zu fassen. So waren meine Gedanken, aber es kommen Zweifel…

Ich habe immer schon das Problem, dass ich mir meist nur den Moment vorstellen kann – so rein gefühlsmäßig. Meine Vergangenheit male ich immer schöner als sie war und meine Zukunft stelle ich mir abwechselnd entweder viel einfacher oder abgrundtief schlecht vor. Im Falle meines neuen Studiums war ich, ja ich muss es wirklich so sagen, sehr naiv. Ich habe es mit meinen anderen Neustarts verglichen (ich habe schon in eine Schule gewechselt, wo ich absolut niemanden kannte und bei meinem Bachelor-Studium war es genauso). Es hat jedes Mal geklappt: Ich hatte Schwierigkeiten, aber letztendlich habe ich es geschafft mit den Anforderungen fertig zu werden und mir soziale Kontakte aufzubauen.

Aber hier gibt es zwei Punkte, die jetzt anders sind bzw. stärker ausgeprägt sind: 1. Bei den anderen beiden Neuanfängen war ich froh aus den alten Umfeldern draußen zu sein. Das war entweder dem geschuldet, dass ich mit den vorherigen Mitmenschen nicht gut zurecht gekommen bin (an meiner alten Schule) oder, dass ich aufgrund meiner Essstörung gar nichts empfunden habe (beim Studienbeginn). Das ist jetzt anders. Ich trauere den Leuten, die ich an der Uni kennengelernt habe, hinterher. Es ist für mich aufgrund meiner introvertierten ängstlichen Art ziemlich schwierig enge Kontakte zu knüpfen. Und an meiner alten Uni gab es doch einige Menschen, mit denen ich mich gut verstanden habe. Weiterlesen „Warum mache ich das immer wieder? – Von Neuanfängen, Ängsten und Zweifeln“

5 Podcast-Empfehlungen für die Psyche – Mein 1. Podcast!

Ich liebe Podcasts! Ich bin vor einem guten Jahr auf dieses Medium gestoßen, das wie ein Hörbuch funktioniert, aber eher wie eine Radiosendung aufgebaut ist. Mittlerweile gibt es zu jedem erdenklichen Thema Podcasts und auch im deutschsprachigen Raum erfreuen sie sich immer mehr Beliebtheit. Ich habe hier 5 Podcasts für euch gesammelt, die sich mehr oder weniger um die Psyche, psychische Gesundheit und Psychologie drehen (und vielleicht bin ich ja auch in einem davon zu hören). 😉

  1. PsyCast

http://psychcast.de/

Der Podcast von Dr. Jan Dreher (Chefarzt der Klinik Königshof Krefeld, einer Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie) und Dr. Alexander Kugelstadt (Arzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) greift häufig gestellte Fragen auf, die es rund um psychische Erkrankungen zu beantworten gilt. Dabei schildern beide Erfahrungen aus ihrem Arbeitsalltag und zeigen dabei wie vielfältig der Mensch ist. Die Beiden sind ein eingespieltes Team und schaffen es trotz der ernsten Themen unterhaltsam und mit Humor durch ihren Podcast zu leiten. Ich habe schon viele Anregungen von ihnen mitnehmen können.

  1. Gedanken Flick-Flack

https://www.podcast.de/podcast/630740/

Dieser Podcast wird von Hannah, die ebenso Psychologie-begeistert ist wie ich, betrieben und er dreht sich um „all das, was wir `draußen` und in der Gesellschaft gerne verstecken: Schwächen, Ängste, Unsicherheiten, ect.“ Sie setzt sich für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen ein (sie selbst hatte und hat teilweise noch immer mit einer Zwangserkrankung zu kämpfen) und versucht in jeder Krise eine Chance zu sehen. Sie hat auch immer wieder Gäste in ihrem Podcast, die von ihren persönlichen Erfahrungen erzählen. In ihrer letzten Folge durfte ich zu Gast sein und über meine Essstörung sprechen und was mir hilft, wenn Essstörungs-Symptome auftauchen. Die Folge könnt ihr HIER hören.

  1. Psychology of Eating (Englisch)

https://www.youtube.com/watch?v=2e6hR110Rk4&list=PLCgNmE-oIcDOXXrMfPm4ENHiQxWGflFC4

Diesen Video-Podcast (gibt es auch auf iTunes) höre ich mit seinen 120 Folgen schon seit bestimmt drei Jahren. Mittlerweile ist er zwar eingestellt, aber für alle, die sich für ihr Essverhalten interessieren (oder auch für das von anderen Menschen) und die englische Sprache nicht abschreckt ist dies der ideale Podcast. Jede Folge ist so aufgebaut, dass der Gründer des „Institute for the Psychology of Eating“ Marc David einen Klienten berät, den er noch nie zuvor gesehen hat. In der aufgezeichneten Sitzung versucht er mit seinem digitalen Gegenüber an dessen Essensproblematik zu arbeiten und gibt dabei auch dem Zuhörer interessante Impulse. Ich mag Marc Davids Art zu arbeiten sehr, da er diese Mentalität der guten oder schlechten Ernährung komplett ablegt, indem er individuell auf die in der Podcast-Sitzung besprochene Person eingeht und keinen Lebensstil verteufelt oder beschönigt.

  1. Zeit: Verbrechen

Weiterlesen „5 Podcast-Empfehlungen für die Psyche – Mein 1. Podcast!“

„Psyche? Hat doch jeder!“ von Lena Kuhlmann (Buchrezension)

Nach meiner ersten Buchrezension „Essstörungen. Was ist das? Das ABC der Magersucht, Ess-Brech-Sucht und Essanfallstörung“ kommt jetzt meine Meinung zum Buch „Psyche? Hat doch jeder!“ von der Bloggerkollegin und Psychotherapeutin Lena Kuhlmann.

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Inhalt

In dem Buch beschreibt Lena Kuhlmann, die übrigens auch auf Instagram (@freudmich) sehr aktiv ist, ihren Alltag als Psychotherapeutin, erkärt Hintergründe zum therapeutischen Ablauf und wirft einen genaueren Blick auf die Psyche, die jeder von uns besitzt. Außerdem versucht sie mit Vorurteilen und Stigmatisierung rund um psychische Erkrankungen aufzuräumen, indem sie nicht nur Fakten liefert, sondern auch sehr persönliche Einblicke gewährt (sie selbst leidet z.B. unter Flugangst) und auf Missstände im Gesundheitssystem hinweist. Zu den übersichtlichen Kapiteln gesellen sich Infos, Übungen und Fallbeispiele aus ihrer therapeutischen Erfahrung.

Meine Meinung zum Buch

„Psyche? Hat doch jeder!“ spricht viele ernste Themen an, jedoch bleibt das Buch doch sehr kurzweilig durch persönliche Anekdoten zum Schmunzeln und eine klare Schreibweise.

Was mir als Psychologiestudentin sehr gefallen hat ist, dass Lena Kuhlmann als tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapeutin ausführlich über diese Richtung der Psychotherapie berichtet, wenn sie von der Psyche oder ihrem beruflichen Alltag erzählt. Im Studium hört man nämlich meist nur von der verhaltenstherapeutischen Psychotherapie. Allerdings ist dieser Abschnitt im Buch vielleicht für Menschen, die so gar nichts mit Psychotherapie am Hut haben etwas schwer zu verstehen, da doch so einige Fachbegriffe fallen. Allerdings, glaube ich, kann dieser theoretische Hintergrund gar nicht einfacher erklärt werden. Ich habe mittlerweile drei Jahre Psychologie studiert und blicke immer noch nicht zu 100% durch. 😉

Weniger fachspezifisch, dafür umso wichtiger fand ich den Abschnitt, wo erklärt wird, wann unsere Psyche Hilfe braucht und an wen wir uns wenden können. Sie stellt vor wie eine Psychotherapie abläuft und welche verschiedenen Angebote es gibt und auch welche Schwierigkeiten man bei der Suche eines Therapieplatzes treffen kann. Dabei versucht sie nichts zu beschönigen, was sich grundsätzlich durchs Buch zieht und mir unglaublich sympathisch ist. Die Autorin betont immer wieder, dass auch sie schlechte Tage hat und immer wieder Schwierigkeiten hat – beruflich und privat. Ich mag ja Leute gar nicht, die Dinge predigen wie „Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter“, deshalb fand ich diese Ehrlichkeit super.

Das Buch kann man als kleines Psycho 1×1 sehen, denn man findet neben wichtigen Infos zum therapeutischen Ablauf, auch Tipps für Angehörige psychisch Erkrankter, genauso wie einen Überblick über die wichtigsten Störungsbilder und Ratschläge wie man seine Psyche gesund halten kann. Da die Autorin selbst sehr stark in den sozialen Netzen unterwegs ist, wird auch der Einfluss der Medienwelt auf die Psyche immer mal wieder aufgegriffen.

Dieses Buch will aufräumen und aufklären

Ich denke, dass dieses Ziel definitiv erfüllt ist, denn um das Tabu um psychische Erkrankungen zu brechen, brauchen wir Mittel, die vor allem, die erreichen, die sich nicht gezwungenermaßen als Betroffener und Angehöriger damit auseinandersetzen. Dafür sind meiner Meinung Medien, die wir alle konsumieren, wie Musik, Bilder, Filme oder eben auch Bücher der richtige Weg.

Meine Highlights zum Schluss:

  • Bei der Beschreibung wichtiger Berufsgruppen für die Psyche wurden auch die Pflege- und Betreuungskräfte in stationären Einrichtungen angeführt. Das ist sehr wichtig, denn ihre Arbeit wird oft zu wenig gewürdigt, dabei sind sie, meiner Meinung, oft wichtiger als Ärzte oder Therapeuten, da sie es sind, die in Krisen zur Stelle sind – rund um die Uhr.
  • Auch, dass die Autorin dem Coaching und Heilpraktikerwesen kritisch gegenübersteht, kann ich nur unterschreiben. Gerade Coaches sind kritisch zu betrachten, da sich grundsätzlich jeder als Coach bezeichnen darf, weil dieser Begriff nicht durch eine entsprechende Ausbildung geschützt ist. Was nicht heißt, dass es nicht auch hier Perlen gibt!
  • Als jemand, der selbst Handlettering betreibt und auch gerne kleine „Doodles“ erstellt, wie man so schön im Englischen sagt, haben mich das Cover mit der Handlettering-Schrift und die kleinen Illustrationen am und im Buch sehr angesprochen.

Vielen Dank an den Verlag Eden Books für das Zusenden des Rezensionsexemplars! [Werbung]


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Die Panik nichts mehr zu sagen zu haben – Warum es uns so schwerfällt mal „die Klappe zu halten“

Vor Kurzem bin ich über einen Instagram-Beitrag gestoßen, der davon berichtete wie viele in den sozialen Netzwerken versuchen regelmäßig ihre Gedanken mit der Welt zu teilen und was für Schwierigkeiten das auch mit sich bringen kann.

Ich lese immer mal wieder Beiträge oder schaue Videos, die sich damit beschäftigen wie man online „erfolgreich“ werden kann (eigentlich sollte ja jeder seinen Erfolg für sich selbst definieren und nicht von anderen gesagt bekommen, was Erfolg ist – aber das ist ein anderes Thema). Auf jeden Fall ist die Parole immer: Poste so regelmäßig und sooft wie möglich!

Was sie nicht erwähnen: Was mache ich, wenn ich nicht jeden Tag etwas zu sagen habe? Oder besser gesagt: wenn ich nicht jeden Tag etwas Sinnvolles zu sagen habe? Klar kann ich jeden Tag irgendetwas posten, aber ich habe auch einen gewissen Qualitätsanspruch an mich.

Ich teile meine Gedanken, Videos oder Bilder nicht nur mit den Leuten, damit sie nicht vergessen, dass ich noch da bin. Ich will damit auch etwas mitgeben. Vielleicht das Gefühl, dass man nicht alleine ist? Vielleicht ein Schmunzeln? Und im besten Fall wünsche ich mir, dass ich Leute zum Nachdenken anrege oder irgendwie auf ihrem Lebensweg weiterbringe! Oder vielleicht mache ich das eine oder andere nur, damit es mir selber besser geht! Wenn jeder für sich selbst sorgt, sind alle versorgt! 😉

Dieser Druck etwas Posten zu müssen entsteht leider auch dadurch, dass gerade Social Media Plattformen davon leben, dass User viel posten. Somit bekommen auch „Viel-Poster“ mehr Reichweite! Aber ist das der Sinn? Dass wir nur noch einem Computeralgorithmus und Zahlen hinterherrennen? Weiterlesen „Die Panik nichts mehr zu sagen zu haben – Warum es uns so schwerfällt mal „die Klappe zu halten““

Wie mir die Schule meine Kreativität gestohlen hat

Ich bin immer sehr gerne in die Schule gegangen. In den Kindergarten (den ich übrigens nur ein Jahr besucht habe) wollte ich nie. Da hab ich mich mit Weinen geweigert meine Mama gehen zu lassen  und mich an sie geklammert. Ab dem 1. Schultag war dieses Verhalten jedoch Geschichte.

Die Grundschule war für mich meist noch zu wenig fordernd. Ich habe immer zu Hause und auch in den Pausen Zusatzaufgaben gemacht. Ich wurde damals schon bewundert wie gut ich Malen und Basteln konnte. Im Laufe meiner Schullaufbahn sollte ich aber mit diesem Fach noch das ein oder andere Problem bekommen.

Kunst unter Druck macht keinen Spaß

Als kleines Mädchen war ich schon eine sehr „kontrollierte“ Malerin. Das bedeutet: Ich hab mir nicht einfach ein Blatt Papier geschnappt und drauf los gemalt. Nein, ich brauchte ein festes Motiv, meist ein Tierbild aus einem Buch, das ich so naturgetreu wie möglich nachmalen wollte. Im Kunstunterricht wird einem ein Thema vorgegeben und man kann oft nicht wirklich was damit anfangen. Die Kinder, denen es egal ist malen dann irgendetwas, und die anderen, so wie ich, versuchen trotzdem eine schöne Zeichnung hinzulegen.

Das bedeutet es wird unter Druck gemalt. Bis zur 8. Klasse konnte ich damit ganz gut umgehen und ich habe auch zu Hause noch immer gerne gebastelt und gemalt. Auch wenn es schon weniger wurde…

Bis zur 12. Klasse hat mir Kunst dann gar keinen Spaß mehr gemacht. Ich hatte so viele andere Schulsachen im Kopf, dass ich den Kunstunterricht meist genutzt habe, um Hausaufgaben zu machen oder zu lernen (das ging bei unserem Lehrer, ohne dass er was gesagt hat). Zu Hause habe ich mich dann oft durchs Internet geklickt, um irgendwie Inspiration zu dem vorgegebenen Kunst-Themen zu bekommen. Oft habe ich es einfach kopiert. Meine Kreativität war erstickt im Druck, der von der Schule kam und dem Druck, den ich mir selber machte. Es war dann einfach nur noch eine Frage des Ablieferns des idealen Kunst-Objekts. Es zählte nur die Note und nicht, was ich selbst machen wollte. Mittlerweile wollte ich auch nichts mehr Kreatives machen. Mir wäre nie eingefallen die wenige Freizeit, die ich mir gab, mit Malen zu „veschwenden“. Im letzten Schuljahr durften wir dann malen, was wir wollten (solange es noch von „künstlerischer Qualität“ war – was auch immer das bedeutet). Da habe ich besonders gemerkt, dass ich nicht mal im Ansatz Ideen hatte, was ich zeichnen sollte. Mal ganz davon abgesehen, dass ich in dieser Zeit tief in meiner Essstörung steckte.

Wie ich wieder angefangen habe zu malen

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