Krankheitsgewinn, die Opferrolle und ich

Ich bin jemand, der Phasen hat, wo ich sehr bewusst Vorteile aus meinen Erkrankungen ziehe. Sei es, dass ich heute nicht so viel schaffe, weil meine depressive Symptomatik mir wie ein Klotz am Bein hängt oder, dass ich bei der Hitze nicht rausgehen kann (wohl eher will), da ich mich in meinem Körper und wenig Bekleidung so unwohl fühle.

Bis zu einem gewissen Grad schränken mich meine psychischen Probleme natürlich ein und machen mich in bestimmten Phasen weniger belastbar, aber ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich die „Opferrolle“ auch immer wieder sehr gezielt nutze. Oder besser gesagt in dem Moment, wo ich es tue, bin ich mir darüber nicht unbedingt bewusst, aber danach merke ich das sehr schnell. Das hält mich zurück und zeigt mir gleichzeitig wie wichtig meine Erkrankungen für mich sind, dass es mir manchmal gar so vorkommt als wäre ich ohne ihnen nichts. Das ist krankhaft, ich weiß! Ich schäme mich auch dafür.

Theoretisch ist das jedoch der klassische Nebeneffekt einer Erkrankung – Stichwort Krankheitsgewinn. Gerade psychische Erkrankungen haben unterschiedliche Nutzen für die Betroffenen, sei es, dass sie durch ihre Symptomatik eigene Probleme (kurzfristig) bewältigen oder dass sie von ihrem Umfeld Beachtung bekommen, die andernfalls, zumindest gefühlt, wegfallen würde. Aber auch körperliche Erkrankungen bringen diesen Krankheitsgewinn mit sich. In unserer Gesellschaft ist es zum Glück so, dass Kranke weitgehend geschont werden. Das ist gut so, aber bringt, so schlimm die Krankheit auch ist, auch einen Nutzen mit sich. Ich will jetzt hier aber nicht den möglichen Nutzen mit dem Leid aufwiegen. Was ich möchte ist sich dem bewusst zu werden, zu verstehen, was eine Erkrankung für einen tut.


Genauer erkläre ich den Krankheitsgewinn noch einmal in einem Video, wo ich auch darauf eingehe wie sich dieser Nutzen bei mir in der Essstörung zeigt: Weiterlesen „Krankheitsgewinn, die Opferrolle und ich“

Zeit sich wieder Hilfe zu holen?

Ich habe die erste Uni-Woche in meiner neuen Umgebung so gut wie hinter mir und ich muss sagen, dass es noch immer sehr schwierig ist (ja, ich weiß schon: ich brauche etwas mehr Geduld, aber das war noch nie meine Stärke). 😉 Ich habe dazu in meinem letzten Beitrag „Warum mache ich das immer wieder? – Von Neuanfängen, Ängsten und Zweifeln“ mehr gejammert…ähm…ich meine natürlich…geschrieben.

Was zu all meinen Zweifeln noch dazu kommt ist, dass ich im Moment keinerlei professionelle Hilfe erhalte. In meinem Bachelor-Studium hatte ich mir (nach sehr langem Ringen mit mir selbst) therapeutische und medikamentöse Hilfe gesucht, da ich mit meiner depressiven Symptomatik absolut nicht mehr zurecht gekommen bin. Mit dem Ende meines Bachelor-Studiums kamen auch diese beiden Behandlungen zu einem Ende und ich habe seit ungefähr vier Monaten meine Medikamente abgesetzt und ungefähr seit dem gleichem Zeitraum meine Verhaltenstherapie abgeschlossen. Das war für mich übrigens die erste ambulante Therapie, die ich so richtig durchgezogen habe! Dafür darf ich mir schon mal auf die Schulter klopfen! 🙂

Nun sitze ich aber wieder da und bin unsicher, ob ich mir Unterstützung holen soll. Natürlich würden mich gerade Medikamente schnell aus diesem dunklen Loch rausholen oder zumindest stabiler machen. Aber da ich sehr gut weiß, dass Antidepressiva nicht immer und vor allem nicht langfristig die Lösung sein können, möchte ich das eigentlich nicht. Ich lehne Medikamente nicht ab und weiß, dass bei vielen psychischen Erkrankungen eine medikamentöse Behandlung unbedingt notwendig ist. Aber ich weiß auch, dass es in meinem Fall einfach die tatsächliche Problematik nicht trifft. Andererseits habe ich in meinem Psychologiestudium gelernt, dass dieses biologische Ungleichgewicht in meinem Kopf immer wieder zurückkommen kann und Medikamente notwendig sein können, um ein gesundes Gleichgewicht herzustellen. Ihr seht, ich bin sehr unentschlossen. Weiterlesen „Zeit sich wieder Hilfe zu holen?“

Ekel und Angst vor seinem Körper überwinden – Kann Körperexposition helfen?

In meiner letzten Seminararbeit durfte ich über eine für mich sehr interessante Behandlungsmethode schreiben, die bei Essstörungen und Menschen mit einem negativen Körperbild eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um die sogenannte Körperexposition, auch Spiegel- oder Figurexposition genannt.

Was ist Körperexposition?

Der Begriff Körperexposition entstand in Anlehnung an das Expositionsverfahren, das vorwiegend bei Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt wird. Das Prinzip hinter Exposition ist die therapeutisch geleitete wiederholte und andauernde Konfrontation mit Reizen oder Situationen, die psychische Probleme verursachen. Ein klassisches Beispiel wäre z.B. bei Höhenangst die Konfrontation mit Höhe durch das Besteigen eines Turmes. Setzt man sich solchen Situationen wiederholt aus, werden körperliche sowie psychische Reaktionen vermindert auftreten, mit dem Ziel die zuvor, aufgrund der Angst, gemiedenen Situationen ohne Probleme aufsuchen zu können. Soweit die Theorie. Praktisch ist das natürlich nicht immer so einfach.

Auf jeden Fall ist bei Menschen mit Körperunzufriedenheit nun der eigene Körper das Vermeidungsobjekt mit dem es sich zu konfrontieren gilt. Ich kenne dieses Vermeidungsverhalten sehr gut. Ich trage weite Kleidung, um meinen Körper nicht wahrnehmen zu müssen. Ich mag es nicht mich zu bewegen, weil ich dann meinen Körper spüre. Ich meide den Blick in den Spiegel. All das soll nach der Körperexposition der Vergangenheit angehören oder zumindest vermindert auftreten.

Wie läuft eine Körperexposition ab?

Es gibt verschiedene Vorgehensweisen. Die, die mir bei meiner Recherche am häufigsten untergekommen ist, ist folgende: Probandinnen (leider ist dieses Verfahren fast ausschließlich bei Frauen erprobt worden) mit oder ohne Essstörungen, aber mit einer hohen Körperunzufriedenheit, müssen sich in therapeutischer Begleitung vor einen Ganzkörperspiegel stellen und ihr Spiegelbild von allen Seiten neutral betrachten. Einfach nur dastehen und wahrnehmen. Stellt man sich zu Beginn meist noch in normaler Alltagskleidung hin, steigert sich die Konfrontation später, indem man sich in einem figurbetonten Gymnastikanzug vor den Spiegel stellt. Manchmal werden die Frauen auch aufgefordert positive körperliche und persönliche Eigenschaften während der Konfrontation mit ihrem Spiegelbild zu benennen.

Wie wirksam ist Körperexposition?

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Meine Erfahrung mit Verhaltenstherapie – Der „Quick-Fix“ unter den Therapien?

Ich habe in meinem Leben schon eine ganze Menge Therapien gemacht – stationär und ambulant. Genauer könnt ihr das in diesen beiden Beiträgen nachlesen:

Wenn ich bei den ambulanten Therapien bleibe, habe ich bisher – abgesehen von der absolut misslungenen Hypnotherapie – nur Verhaltenstherapie bzw. Kognitive Verhaltenstherapie gemacht. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Mehrheit aller Psychotherapeuten sind auf Verhaltenstherapie spezialisiert und als Patient hat man ohnehin meist weder die Wahl noch das Wissen, welche Therapieform gut wäre. Auch im Studium kommen andere Therapierichtungen zu kurz, aber das ist ein anderes Thema.

Bei der Verhaltenstherapie konzentriert man sich auf die aktuelle Problematik und nicht unbedingt auf die Vergangenheit (genauer erkläre ich das im Video unten). Dadurch dauert eine Verhaltenstherapie auch meist nicht so lange wie z.B. eine Psychoanalyse. Das war für mich der richtige Fokus, denn ich habe meist die Einstellung: Was vergangen ist, ist vergangen und ich kann mich sowieso oft nicht mehr richtig daran erinnern. Das zählt natürlich nicht für alle Störungsbilder. Beispielsweise bei einer PTBS ist die Vergangenheit natürlich ein großes Thema.

Was ich sehr an meiner letzten Verhaltenstherapie genossen habe waren die Beiträge meiner Therapeutin. Oft hat sie aus ihrem Leben erzählt und mir so das Gefühl gegeben, dass ich ganz „normal“  bin mit meinen Emotionen und Gedanken. Es gibt andere Therapieformen, wo der Therapeut versucht absolut neutral zu bleiben oder sich nur wenig einmischt.

Außerdem bin ich ein Fan davon, dass auch zu Hause Übungen durchgeführt werden können, denn ich mag es nicht so gerne, wenn mir bei allem auf die Finger geschaut wird. Weiterlesen „Meine Erfahrung mit Verhaltenstherapie – Der „Quick-Fix“ unter den Therapien?“

„Next to normal“ – die Darstellung psychischer Störungen als Musical

Letzte Woche war ich mit meiner Mutter in einem für mich ganz besonderen Musical:

Next to Normal – Fast normal.

Als Betroffene psychischer Erkrankungen und Psychologiestudentin kann ich mein Interesse an mentaler Gesundheit nicht leugnen und war sofort Feuer und Flamme als ich die Beschreibung des Musicals in einer Zeitung las, denn es geht – welch Überraschung – um psychische Probleme. Genauer gesagt um Depression, Bipolare Störung, Wahnvorstellung, Trauma, Selbstmord und Drogenabhängigkeit. Klingt auf den ersten Blick ganz schön heftig.


Kurz zum Inhalt

Es geht um eine Familie, Frau, Mann und Tochter, die versuchen mit einer nach außen hin ziemlich verschwiegenen Situation klarzukommen. Die Frau leidet seit dem plötzlichen Tod ihres 8-Monate alten Sohnes an rezidivierenden depressiven und manischen Episoden kombiniert mit visuellen Wahnvorstellungen, in welchen ihr der verstorbene Sohn begegnet. Ihr Mann versucht seine Frau zu unterstützen und ihr zu helfen den gemeinsamen Verlust, der bereits fast 18 Jahre her ist,  zu verkraften. Zudem hat das Paar eine 17-Jahre alte Tochter, die sehr damit zu kämpfen hat von ihrer Mutter zu wenig Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, da sie im Schatten des verstorbenen Sohnes steht.  Sie flüchtet sich regelmäßig in Alkohol, Drogen und Partys, um ihre familiäre Situation zu ertragen.

Im Laufe des Musicals sieht man wie die Mutter verschiedene Behandlungsmethoden ausprobiert, um ihren Erkrankungen Herr zu werden. Begonnen wird mit einer medikamentösen Behandlung, hin zur Psychotherapie und nach gescheiterten Behandlungsversuchen, die in einem Selbstmordversuch enden, unterzieht sie sich einer Elektrokonvulsionstherapie. Zudem folgen familiäre Veränderungen, um jeden einzelne Person der Familie auf einen besseren Weg zu bringen.

Hier ein kleiner Einblick in das Musical mit einem kurzen Trailer: Weiterlesen „„Next to normal“ – die Darstellung psychischer Störungen als Musical“

Hypnose gegen Essstörung

Ich habe in meinem Leben schon eine ganze Reihe an Therapien ausprobiert: Verhaltenstherapien, Gruppentherapien, alle möglichen Kreativtherapien,… Eine Therapie, die mir jedoch besonders in Erinnerung geblieben ist, ist meine Hypnosetherapie oder Hypnotherapie.

Die Idee dazu kam mir als ich, während meines stationären Aufenthalts wegen der Magersucht, ein Video gesehen habe, indem eine junge Frau ihre Magersucht mit Hilfe von Hypnose überwunden hat. Ich war sofort interessiert, denn irgendwie hatte ich die Schnauze voll von „konventionellen“ Therapien.

So habe ich mich nach meinem stationären Aufenthalt in das Behandlungszimmer eines solchen Therapeuten gewagt – mit falschen Erwartungen und dem Glauben das Wundermittel gegen meine Essstörung gefunden zu haben.


Wie die Therapie genau abgelaufen ist und was ich daraus mitgenommen habe, erzähle ich euch im Video: Weiterlesen „Hypnose gegen Essstörung“

Warum meine Angst so hoch ist…

Ich hab euch ja in meinen letzten Beiträgen Die Angst vor Menschen schlägt zu und Das Leben überfordert mich, davon erzählt, dass meine Ängste momentan sehr hoch sind, sehr zum Leid von mir selbst.

Letzte Woche hatte ich einen Termin bei meiner Therapeutin und wir haben das Ganze mal ein bisschen ergründet. Das kam dabei raus:

  • Erhöhtes Anspannungslevel

Durch den Stress, den ich mir im Moment wegen Uni und Bachelor-Arbeit mache, habe ich ständig Gedanken im Kopf, die mich eigentlich nie abschalten lassen. Das heißt, meine Anspannung ist durchgehend relativ hoch oder zumindest höher als in den „entspannteren“ Studiensemestern davor. Wenn dazu dann noch Ängste kommen, die hin und wieder aufploppen wie zum Beispiel die Überforderung durch viele Menschen oder die Angst vor bösen YouTube-Kommentaren geht mein Angstlevel in bisher nicht dagewesene Höhen. Es ist im Prinzip wie eine Formel: Grundanspannung durch Uni + angstauslösendes Ereignis = für mich ungewöhnlich hohe Angst.

  • Runter vom Gas!

Gut, jetzt haben wir den Grund, aber was mache ich jetzt damit? Eine Therapeutin wäre keine Therapeutin hätte sie nicht schon einen Vorschlag parat: Achtsamkeit. Damit gehen wir eigentlich ein Jahr zurück, zum Start dieses Blogs. Denn da hab ich noch den einen oder anderen Beitrag zum Thema Achtsamkeit verfasst. Nicht zuletzt, weil ich da von meinem in dieser Zeit erlebten Praktikum in einer psychosomatischen Klinik starken Einfluss bekam.

Das bedeutet für mich jetzt konkret: immer wieder versuchen für kurze Augenblicke im Moment zu sein, wahrnehmen was ist und in meinem Kopf einen Gang zurück schalten.  Dass meinem „Monkey-Mind“ beizubringen, wird eine Herausforderung, aber schon während der Therapiesitzung hab ich gemerkt wie meine Hände weniger zittrig wurden, als ich mich bemühte mit meinen Gedanken tatsächlich beim Gespräch zu bleiben.

  • Tschüss, Bewertung!

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