Studieren mit Depression

Kurz nach Beginn meines Psychologiestudiums ging es mit meiner Stimmung relativ schnell nach unten. Ich war in eine neue Stadt gezogen und kannte dort niemanden. Noch dazu wohnte ich allein (was mir grundsätzlich sehr recht ist) und habe meine Therapie an meinem Heimatort beendet.

Ich glaube der größte Faktor dafür, dass ich eine Depression entwickelt habe, war, dass ich von meiner Familie getrennt war und eben auch ansonsten ganz alleine war. Klar, man spricht schon mit Kommilitonen und lernt diese auch nach und nach kennen. Aber, ich finde Leute kennen lernen sehr anstrengend, weil ich immer Angst habe, was falsch zu machen oder, am allerschlimmsten, Panik davor habe, dass sie mich nicht mögen könnten. Außerdem fällt es mir schwer Menschen sofort Vertrauen entgegen zu bringen. Somit waren das alles nur oberflächliche Bekanntschaften und das war für den sozialen Anteil in mir definitiv zu wenig.

Dazu kam, dass mein Essverhalten auch, ich sag mal, sehr speziell war (gestört trifft es wohl besser). Ich hatte viele Fressanfälle, wobei ich oft den ganzen Tag über nichts gegessen habe. Dann am Abend war es sozusagen meine Belohnung endlich den Tag überstanden zu haben und essen in mich reinzustopfen. Ich fühlte mich durch dieses Essverhalten sehr unwohl, sowohl körperlich als auch psychisch.

Ich habe den Sinn nicht mehr gesehen, in den Dingen die ich getan habe. Wofür studiere ich, wenn ich nie glücklich sein werde? Wenn das Leben immer nur anstrengend ist, will ich nicht mehr Leben! Ja, ich hatte passive Suizidgedanken. Niemals hätte ich mich getraut mir tatsächlich etwas anzutun. Viel zu viel Angst hatte ich vor den Schmerzen zu sterben. Weiterlesen „Studieren mit Depression“

Mein Wochenende im „Bunker“

Meine Wochenenden laufen im Grunde immer ähnlich ab: Nachdem ich am Freitag nach Hause komme, erledige ich noch solche Dinge wie einkaufen, putzen und Wäsche waschen. Und dann kommt es nicht selten vor, dass ich meine Wohnung erst am Montag wieder verlasse. Kein Scherz! Ich verbringe tatsächlich meine Wochenenden oft alleine in meinen vier Wänden.

Alleine Großteils deshalb, weil ich zum Studieren von zu Hause ausgezogen bin und meine durch das Studium kennengelernten „Freunde“ nur unter der Woche in der Stadt sind und am Wochenende nach Hause fahren. Dieses nach Hause fahren ist für mich nicht wirklich eine Option, da ich um die fünf Stunden nach Hause brauche.

Warum ich meine Wohnung nicht verlasse? Das hat zwei Gründe: Zum einen sehe ich nicht wirklich die Notwendigkeit das zu tun, wenn mich draußen nichts Spannendes erwartet. Zum anderen bin ich am liebsten zu Hause, geschützt vor dieser bösen Welt da draußen. Ich kann mich gut alleine beschäftigen und das auch echt lange.

Dass meine Therapeutin von diesem Verhalten nicht so begeistert ist, kann man sich vorstellen. Wenn man sich ganze zwei Tage in seinen Zimmern einsperrt, sei es kein Wunder, dass meine Stimmung eher den Weg nach unten antritt.

Und sie hat schon irgendwie recht. Es hat was von eingesperrt sein. Zumal ich auch nach einer gewissen Zeit in meiner „Höhle“ Angst habe diese wieder zu verlassen. Gewohnheitstier eben und meiner sozialen Angst hilft das auch nicht gerade. Auch meine Stimmung ist am Wochenende nicht die beste. Ich freue mich meist, wenn die Woche wieder anfängt und ich endlich wieder raus „darf“.

Aber warum zur Hölle gehe ich nicht vor die Tür, obwohl es mir doch offensichtlich durch mein Verkriechen nicht gut geht? Ganz ehrlich, das weiß ich selber nicht so genau. Ich könnte es mir damit erklären, dass ich einen relativ stark ausgeprägten Selbstschädigungsdrang habe und besonders während meiner Magersuchts-Phase mich immer bestraft habe, indem ich mir nicht die kleinste Freude erlaubt habe und Leiden für mich die Norm war. Weiterlesen „Mein Wochenende im „Bunker““

Suizid ist wie Krebstod

Häufig trifft man ja auf den Vergleich, dass eine psychische Erkrankung im Grunde nichts anderes sei als ein gebrochenes Bein, nur das sozusagen im Gehirn was „gebrochen“ ist. Soweit kann ich zustimmen.

Nur beim weiteren Verhalten funktioniert diese Analogie für mich nicht mehr. Fährt man mit einem gebrochenen Bein unverzüglich zum Arzt, verhält es sich bei psychischen Erkrankungen meist anders. Man überlegt, ob die Lustlosigkeit und Traurigkeit nicht doch eine alltägliche Ursache hat und es bestimmt eh bald wieder weggeht. Ist schon nicht so schlimm.

Auch wie man mit den Erkrankungen in der Öffentlichkeit umgeht, unterscheidet sich stark. Geht man mit einem gebrochenen Bein unter die Leute, erhält man sofort Mitleid und die Leute zeigen Verständnis. Das wird dadurch unterstützt, da die Verletzung meist direkt sichtbar ist. Bei psychischen Erkrankungen herrscht nicht nur ein Stigma in der Gesellschaft, dass dazu führt, dass man meist seinen Kollegen nicht so offen über seine Depression erzählt. Oft sind psychische Störungen auch nicht auf den ersten Blick, oder auch den zweiten, zu erkennen.

Jetzt versuche ich mich mal an einer Analogie, die wahrscheinlich genauso lückenhaft ist, aber mir schon länger im Kopf herumspukt:

Ist Suizid nicht ein ähnlicher Vorgang, wie wenn ein Mensch an Krebs stirbt? Weiterlesen „Suizid ist wie Krebstod“

1-800-273-825 (Logic ft. Alessia Cara, Khalid) – Song Motivation #12

Bitte schaut euch das Video bis zum Ende an! Suizid ist NIEMALS die Lösung!

Die Geschwister Wut und Trauer!

Ich weiß sehr gut wie es sich anfühlt traurig zu sein. In meinen schlimmsten Phasen meiner Essstörung war es nicht selten, dass ich täglich in Tränen ausgebrochen bin. Gut, das war vielleicht nicht immer das klassische Traurig-sein, sondern oft viel mehr meine unendliche Verzweiflung. Aber diese Verzweiflung hat mich traurig gemacht und somit kann ich schon behaupten in dieser Zeit extrem traurig gewesen zu sein.

Somit war auch für mich ein sehr wichtiges Ziel in der Therapie immer meine Traurigkeit zu reduzieren. Doch meine Therapeuten hatten immer wieder eine andere Idee: nämlich, dass ich lernen sollte meine Wut und meinen Ärger wahrzunehmen. Weiterlesen „Die Geschwister Wut und Trauer!“

Weinen – Stärke oder Schwäche?

Ich habe schon fast ein Jahr nicht mehr geweint. Vor drei Jahren habe ich jeden Tag geweint. Ja, ich bin ein Mensch der zu Extremen neigt. Balance zu finden ist meine Lebensaufgabe ;).tree-738816_1920.jpg

Als ich viel geweint habe, wünschte ich mir nicht mehr zu weinen. Jetzt, wo ich selten weine, denke ich, ich sei emotionslos und kalt.

Weinen gilt als Schwäche. Zumindest in unserer Gesellschaft. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ oder „Männer weinen nicht!“ sind nur einige Ergebnisse dieses kranken Denkens. Wer Tränen vergisst, macht sich verwundbar, zeigt sich mit seinen Fehlern und ist offen für Angriffe. Weiterlesen „Weinen – Stärke oder Schwäche?“