Was ist Soziale Phobie?

alone-2666433_1920.jpgIch bin eigentlich kein Fan davon psychische Erkrankungen unbedingt in Diagnosen quetschen zu wollen, u.a. weil ich mit ihren Definitionen oft nicht übereinstimme. Zum besseren Verständnis, sei aber hier mal angeführt, was denn im Allgemeinen unter Sozialer Phobie verstanden wird.

Soziale Phobie gehört zu den Angststörungen bzw. laut dem Diagnosekatalog ICD-10 zu den Phobischen Störungen. Oft wird Soziale Phobie umgangssprachlich als „Angst vor Menschen“ bezeichnet. Das ist insofern nicht ganz richtig, da es nicht wirklich um die Menschen geht, die einem Angst machen, sondern Betroffene haben Angst vor der Bewertung durch andere Menschen.

Im Grunde ist es den meisten Menschen wichtig, was andere von ihnen denken. Wir sind schließlich „Gemeinschaftstiere“ und wollen von unserer Gruppe aka den Menschen, die uns wichtig sind, gemocht werden. Allerdings ist diese Bewertungsangst bei Menschen mit Sozialer Phobie so stark ausgeprägt, dass diese massiv ihr Leben beeinträchtigt. Sie vermeiden Situationen, in denen sie von anderen Menschen bewertet werden könnten. Das kann so weit gehen, dass soziale Kontakte abgebrochen werden oder das Haus sehr selten oder gar nicht mehr verlassen wird.

Wenn sich eine betroffene Person solchen angsterfüllenden Situationen aussetzt, dann wird dies meist unter großer Anspannung und Furcht getan, was nicht selten durch körperliche Symptome begleitet wird wie Schwitzen, Zittern, Übelkeit oder Harndrang. Nicht selten kann es in solchen Situationen bis zu Panikattacken kommen. Hinter einer Sozialen Phobie steht oft ein niedriges Selbstwertgefühl, was diese massive Angst vor Bewertung bzw. die Angst davor, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, auslöst.

Wichtig ist, dass betroffene Personen meist wissen, dass ihre Angst irrational und übertrieben ist, sie es aber trotz dieses Wissens alleine oft nicht ändern können.

Die bekannteste therapeutische Methode zur Behandlung von Sozialer Phobie ist neben Aufklärung über die Störung (Psychoedukation) und dem Anwenden von Stressbewältigungsmethoden sowie Hinterfragen destruktiver Gedankengänge, die sogenannte Exposition. Hier geht es darum sich gezielt und unter therapeutischer Anleitung seiner Angst, in diesem Fall der Bewertung durch andere Menschen, auszusetzen. Das Prinzip dahinter ist, dass bei wiederholtem lang genug anhaltenden Aussetzen der Angstsituation, die Ängste zurückgehen und Betroffene merken, dass sie die Situationen überleben (zu sterben bzw. eine angstauslösende Situation nicht zu überleben ist oft eine große Sorge Betroffener).

Wenn ihr mehr zu Konfrontationsübungen bzw. zur Exposition erfahren wollt, schaut euch gerne mein Video dazu an: Wie überwindest du DEINE ANGST?

Soziale Phobien treten eher selten alleine auf. Eine Reihe weiterer psychischer Störungen findet sich im Zusammenhang mit Sozialer Phobie wie z.B. andere Angststörungen, depressive oder manische Störungen und Abhängigkeitsproblematiken.

Quelle ICD-10 für Soziale Phobie: http://www.icd-code.de/icd/code/F40.01.html

crowd-2045499_1920-e1552204305253.jpgSoziale Phobie vs. Soziale Angst

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich die beiden Begriffe Soziale Phobie und Soziale Angst oft synonym verwende. Dabei ist die Soziale Phobie mehr oder weniger eine spezifischere Form der Sozialen Angst. Soziale Ängste erlebt jeder einmal. Uns allen ist es in der Regel wichtig von bestimmten Menschen gemocht zu werden und natürlich haben wir da (oft auch unbewusst) Ängste, dass uns die anderen schlecht bewerten. Besteht eine Soziale Phobie, dann ist die Angst meist intensiver bzw. schränkt das Leben des Betroffenen massiv ein. Natürlich ist es schwierig hier eine klare Grenze zu ziehen, wo wir wieder bei meiner oft kritischen Haltung gegenüber Diagnosen wären.

Wenn ihr mehr zu dieser Unterscheidung wissen wollt, dann lest euch gerne den Gastbeitrag von HalbSoWild durch: 6 Fragen und Antworten über SOZIALE PHOBIE

Wer ist betroffen?

Angststörungen gehören neben Depressionen zu den am häufigsten auftretenden psychischen Störungen. Betrachtet man den Zeitraum von zwölf Monaten sind ungefähr 2-4 % betroffen, was jedoch sehr stark, je nach Untersuchung, schwankt. Frauen sind in der Regel häufiger betroffen, wobei hier die Schere nicht so weit auseinanderklafft wie bei anderen Angststörungen. Meist treten Soziale Phobien erstmals im Jugendalter oder frühen Erwachsenenalter auf.

Meine Erfahrungen

Rückblickend betrachtet könnte meine schon immer bestehende Schüchternheit bereits mehr als bloß Schüchternheit gewesen sein. Da wir aber hier nicht in meiner Kindheit herumspekulieren wollen, möchte ich mit der Beschreibung meiner Sozialen Phobie erst mit Beginn meines Studiums und den Umzug in eine fremde Stadt beginnen. Denn in dieser Zeit ist mir zunehmend bewusst geworden, dass ich Situationen mit neuen Menschen oft vermeide und dadurch mein Leben stark eingeschränkt wird. Diese Einschränkungen haben sich dann auch zunehmend auf den Alltag übertragen, sodass ich z.B. Schwierigkeiten beim Einkaufen hatte.

Auch habe ich bei jedem Beitrag, den ich hier im Internet veröffentliche ziemliche Angst vor schlechten Bewertungen und mein „Internetzeug“ ist sozusagen meine Art der Konfrontation, bevor ich hoffentlich auch mal im „echten“ Leben meine Meinung sagen kann. Das absurde an der ganzen Geschichte ist, dass man so selten von außen merkt, dass ich in sozialen Situationen Panik schiebe. Aber so ist die Psyche nun mal. Maske aufsetzen funktioniert meist einwandfrei.

Mehr über meine Erfahrungen mit Sozialer Phobie:

Wichtig ist mir noch einmal zu betonen, dass es für mich bei psychischen xcj (2).pngProblemen in erster Linie darum geht, dass Menschen, die leiden, geholfen wird. Um sich Hilfe zu holen sollten sie nicht unbedingt Diagnosen entsprechen müssen. Natürlich sind Diagnosen wichtig, u.a. um ein grundlegendes Verständnis zu bekommen, aber sie sind nun einmal nicht alles und können im schlimmsten Fall Menschen sogar davon abhalten sich Hilfe zu holen, weil Betroffene meinen nicht Diagnose XY zu entsprechen.


BEITRÄGE ZU SOZIALER PHOBIE

 

 

 

Ein Gedanke zu “Was ist Soziale Phobie?

  1. Pingback: Soziale Phobie – Warum ich leise, schnell und undeutlich spreche – Lebenswelt

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